Allein durch die Sterne

Allein durch die Sterne

Originalausgabe = dt. Erstausgabe: Juli 2021 (Piper Verlag/Piper Taschenbuch 50463)
Cover: Emily Bähr/www.emilybaehr.de (Bilder lizensiert von Shutterstock u. Freepik)
272 Seiten
ISBN 978-3-492-50463-8

von Gunther Barnewald


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Dieses kleine Taschenbuch einer jungen deutschen Autorin ist ein absoluter Widerspruch in sich und deshalb extrem ambivalent zu bewerten. Einerseits erzählt es eine schöne, gar nicht schwülstige oder seifige Liebesgeschichte auf eine für eine junge Autorin überraschend reife und stilistisch brillante Art, andererseits ist der Inhalt dermaßen unglaubwürdig, an den Haaren herbeigezogen und unrealistisch, dass man beim Lesen aus dem Kopfschütteln kaum heraus kommt.

Doch zunächst zum Inhalt: Die junge Ariadne Martell lebt in Lille in Frankreich und ist gerade dabei, ihr langweiliges Studium hinzuschmeißen. Einen „Plan B“ hat sie nicht. Als sie mit Freundinnen Badminton spielen will, verschwindet plötzlich die Menschheit von diesem Planeten – abrupt und ohne Vorwarnung, und ohne dass die junge Frau eine Erklärung dafür finden könnte.

Zum Glück laufen Strom, Wasser und Internet weiter, und Haustiere wurden nicht tangiert von dem seltsamen Phänomen. Dann entdeckt Ariadne, dass sie doch nicht allein auf der Welt ist. Ein junger Mann namens Sanghyun hat im 9000 Kilometer entfernten Shanghai überlebt. Die beiden nehmen per Internet Kontakt zueinander auf. Da sie sich sympathisch finden, beschließen sie sich zu treffen – auf ‚halber Strecke‘, d. h. im russischen Jekaterinburg. Mit ihrer Katze und einem gefundenen Dackel macht sich Ariadne auf den Weg …

Daveron beschreibt eine menschenleere Wohlfühl-Welt. So lange das Internet und Ariadnes Handy funktionieren, ist die junge Dame obenauf. Google-Maps oder andere Apps: Alles ist easy, wenn die junge Generation online gehen kann!

Zwar drohen manchmal Stromausfälle, und auf Ariadnes Reise durch Deutschland viele „Funklöcher“, aber im Endeffekt hört alles nicht auf zu funktionieren! Ein Untergang der Zivilisation „de Luxe“ sozusagen … Damit hat die junge Autorin wohl den romantischsten und unglaubwürdigsten „Weltuntergang“ aller Zeiten gestaltet! Noch unrealistischer ist nur die allerletzte Wendung im Buch; die „Aufklärung“ der seltsamen Geschehnisse. (Sie wird hier nicht verraten; nur so viel sei gesagt: SF ist das nicht mehr, aber eine umso größere Enttäuschung!) Auch die wenigen Angriffe inzwischen verwilderter Hunde erscheinen zu harmlos und selten.

Als „Post-Doomsday“-Roman ist dieses Buch ein Rohrkrepierer. Das große Plus stellen die beiden sympathischen Protagonisten, die dichte Atmosphäre, die wunderbaren Beschreibungen der Autorin und die trotz fehlender Glaubwürdigkeit spannende Handlung dar.

Es macht einfach unglaublichen Spaß, Ariadnes Expedition durch eine menschenleere Welt bis nach Russland zu folgen. Besonders hervorzuheben sind die geglückten, sehr bildhaften Beschreibungen einer einsamen, verfallenden Welt. Wirklich großartig!

Was der Autorin an Realismus mangelt, macht sie durch Kunstfertigkeit wett, und so ist „Allein durch die Sterne“ zwar inhaltlich völliger ‚Dummfug‘, aber trotzdem hochgradig amüsant. Erzählt wird eine bunte und bildreiche Geschichte, die man wunderbar genießen kann, wenn man den Verstand einfach mal ausschaltet und nur den ‚Bauch‘ befreit ‚schlemmen‘ lässt.

(Wer sich für das Thema „Post-Doomsday“-Roman interessiert, sei auf meine Besprechungen von Adrian J. Walkers Roman Am Ende aller Zeiten oder Simon Stålenhags Buch The electric state verwiesen, die beide eine Liste empfehlenswerter Geschichten dieses Genres enthalten).

Copyright © 2021 by Gunther Barnewald

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