Bloßgestellt

Kristin Butcher
Bloßgestellt

The trouble with Liberty, Kanada, 2003
cbt-Verlag, München, dt. Erstausgabe: 3/2009
TB, Jugendbuch, Drama
ISBN 9783570395324
Aus dem Kanadischen von Tanja Ohlsen
Titelgestaltung von init.büro für gestaltung, Bielefeld unter Verwendung eines Fotos von Eyewire
www.cbt-jugendbuch.de
www.kristinbutcher.com/

Kurz vor Ferienende freundet sich die 15-jährige Val mit der gleichaltrigen Liberty an, die mit ihren Eltern kürzlich ins kanadische Sutter’s Crossing gezogen ist. Nicht nur Vals Eltern mögen Liberty, auch ihr zwei Jahre älterer Bruder Cody ist bald Feuer und Flamme für das hübsche, selbstbewusste Mädchen. In der Schule ist sie ebenfalls der Star.
Dann passiert etwas Schlimmes: Der Musiklehrer Mr Henderson wird beschuldigt, versucht zu haben, Liberty zu vergewaltigen. Die Bewohner des kleinen Städtchens sind empört, der Lehrer wird sogleich vom Dienst suspendiert, seine Frau verlässt ihn mit dem gemeinsamen Kind, die Nachbarn mobben ihn.

Val weiß nicht, was sie glauben soll. Liberty erholt sich erstaunlich schnell von dem Vorfall, behandelt ihre vormals ‚beste Freundin’ wie Luft, gibt Cody plötzlich den Laufpass, und Ryan, Vals Sandkastenfreund, der von Anfang an nichts mit Liberty zu schaffen haben wollte, behauptet, dass die Sache ganz anders abgelaufen ist. Hat er wirklich etwas gesehen – oder will er Liberty bloß eins auswischen?

In „Bloßgestellt“ wird ein heikles Thema aufgegriffen: Vergewaltigung bzw. sexuelle Avancen von Schülern/Jugendlichen gegenüber Lehrern/Erwachsenen. Selbst wenn die Wahrheit ans Licht gebracht werden kann, die Beschuldigungen sind für den Betreffenden so schlimm, dass immer ein Makel zurück bleibt, das Vertrauen und ganze Existenzen zerstört werden.

Liberty ist ein hübsches und kluges Mädchen, das sich ihrer Ausstrahlung sehr bewusst ist und diese skrupellos benutzt, um zu bekommen, was sie will. Die Mitschülerinnen sind begeistert von ihr, die Jungen natürlich noch mehr, und auch bei Erwachsenen hat sie einen Stein im Brett. Wie die wahre Liberty aussieht, die sich hinter der strahlenden Fassade verbirgt, erfahren bloß jene, die von ihr fallen gelassen werden wie z. B. der Freund, wenn ein etwas älterer Junge auftaucht, der mehr hermacht, die Freundin, die als Mittlerin zum Love Interest ausgedient hat usw.

Hier kommt auch eine besondere Form des Ödipus-Komplexes hinzu, denn Liberty liebt ihren Vater abgöttisch und umgekehrt. Ihn scheint sie in den älteren Jungen und auch in dem jungen Lehrer zu suchen. Ihre Mutter mag etwas ahnen, wird aber gemeinsam von Ehemann und Tochter unterdrückt. So hat Liberty freie Bahn, um, nachdem sie von Mr Henderson abgewiesen wurde, sich zu rächen und praktisch dessen ganzes Leben zu vernichten.

Val belegt die Positionen der Beobachterin, die nicht weiß, was und vor allem wem sie glauben sollen. Zunächst hält sie zu ihrer Freundin, aber da gibt es einige Dinge, die sie stutzig machen. Ryan, der die Sache hätte aufhalten können, schweigt, da er davon überzeugt ist, dass ihm niemand glauben wird, denn es ist bekannt, dass er und Liberty einander nicht mögen. Selbst Val zweifelt zunächst. Als Leser kann man sich in die Rollen der beiden leicht hinein versetzen, auch wenn man anhand der Andeutungen Libertys Spiel schnell durchschaut hat.

Die Aussage der Geschichte ist eindeutig: Man darf niemanden vorschnell verurteilen. Nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick hin scheint. Mangelndes Vertrauen und Schweigen zur falschen Zeit kann viel zerstören. Bücher wie „Bloßgestellt“ wollen die Leser für komplizierte Probleme und Tabus, an denen keiner rühren möchte, sensibilisieren, damit Opfern frühzeitig geholfen wird – oder besser noch: Dass man die Anzeichen erkennt und einschreitet, bevor die Situation eskaliert.

Die Story konzentriert sich darum auch schnörkellos auf das Wesentliche, um die Aussage nicht durch Nebenhandlungen und unnötige Fabuliererei zu verwässern. Die 126 Seiten sind in einer recht großen Schrifttype gesetzt, anderenfalls hätte das Taschenbuch vielleicht nur die Hälfte des Umfangs gehabt. Mit EUR 4.95 liegt es dann auch deutlich unter den durchschnittlichen Preisen für einen (Jugend-) Roman.

„Bloßgestellt“ ist ein empfehlenswerter Titel für Leser ab 13 Jahren und durchaus als Lektüre vielleicht nicht gerade in der Schule, aber in Jugendgruppen verwendbar. (IS)

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Bloßgestellt

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