Doppelt verliebt hält besser

Sissi Flegel
Doppelt verliebt hält besser

My Story, streng geheim! 1
cbj-Verlag, München, Originalausgabe: 8/2008
PB mit Klappbroschur, Jugendbuch, Romance, 978-3-570-13465-8, 256/995
Titelgestaltung von zeichenpool, Milena Djuranovic unter Verwendung von Motiven von zeichenpool und Shutterstock
Vignetten von N. N.

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Nicht alle Mädchen mögen Pferde-, Internat- und sonstige Themen-Bücher, auf die sie schon seit Jahrzehnten festgelegt werden, wie die fortwährenden Neuauflagen oder Fortsetzungen von Genre-Klassikern wie „Hanni und Nanni“, „Britta“, „Dolly“ usw. glauben machen. Die jungen Leserinnen von heute bevorzugen meist zeitgenössische Lektüren, die spritzig, frech und in einer nachvollziehbaren Sprache geschrieben sind, dabei Themen behandeln, für die sie sich interessieren, z. B. die erste große Liebe, Shoppen, Disco, trendige Reisen.

Entsprechend groß ist daher auch der Erfolg von Reihen wie „Freche Mädchen – freche Bücher“, die von dt. Künstlerinnen auch als Manga umgesetzt wird, oder die Romantic Mystery, die mit dem zärtlichen Vampir- oder einem anderen übersinnlichen Lover aufwartet, darunter „Bis(s) zum Morgengrauen“, „Im Zwielicht – Tagebuch eines Vampirs“ oder „Faunblut“.

Nun präsentiert der cbj-Verlag eine Serie, die sich an diese Zielgruppe wendet. Erster Band der Reihe „My Story, streng geheim!“ ist der Roman „Doppelt verliebt hält besser“ von Sissi Flegel, von der auch die „Freche Mädchen“-Bücher stammen. Laut Klappentext hat sie für den vorliegenden Band sogar vor Ort recherchiert.

Zippi, verwöhnte, selbstbewusste Dreizehnjährige aus reichem Haus, will diesen Sommer nicht schon wieder von ihrem Vater in ein Ferien-Camp abgeschoben werden. Der Zufall kommt ihr zu Hilfe in der Person eines Kollegen ihres Vaters: Hubertus gehört eine Berghütte, die während der Saison einige zusätzliche Hände gebrauchen könnte, da die drei Studentinnen, die die Gaststätte betreiben, den Strom der Bergwanderer kaum noch zu bewältigen wissen.

Tatsächlich kann sich Zippi durchsetzen und sogar ihre Freundin Martha mitnehmen. Diese wäre viel lieber an Zippis Stelle nach Spanien in ein Ferien-Camp geflogen und hätte gefaulenzt. Ihre Familie lebt vom kleinen Einkommen der Mutter, einer Krankenschwester, während der Vater auf esoterischen Wolken schwebt, statt den Haushalt zu erledigen, und so hängen an Martha alle anfallenden Arbeiten, nachdem sich ihre beiden Brüder wieder einmal erfolgreich verdrücken konnten.

Schon die Anreise wird zum Desaster, denn der Zug hat Verspätung, die Anschlüsse sind weg, niemand wartet am Bahnhof, und so bleibt bloß das teure Taxi, das die Mädchen mit allem Gepäck im Nirgendwo absetzt, weil die Straße zu Ende ist. Im Regen steigen Zippi und Martha auf. Den frostigen Empfang am Ziel haben sie nicht erwartet, doch Zippi gelingt es, Gundi, Rosi und Yasmina zu beruhigen, dass sie keine Spione von Hubertus sind und mit anpacken wollen.

Als Martha beweist, wie gut sie kochen kann, und Zippi sich schnell die notwendigen Fertigkeiten als Bedienung aneignet, ist der Damm gebrochen, und die fünf Mädchen freunden sich miteinander an. Allerdings ist es Ignaz, der Zippi den Aufenthalt versüßt. Seinetwegen vergisst sie fast Emir, ihren Freund in Stuttgart. Als dieser dann unverhofft auftaucht, steht sie zwischen zwei rivalisierenden Jungen und muss sich für einen entscheiden – und das schnell, bevor sie beide verliert…

Sissi Flegel schreibt in einem spritzigen Stil und lässt ihre Hauptfigur Zippi so reden, wie ihr der Schnabel (grammatikalisch aber immer korrekt) gewachsen ist. Aus der Sicht der verhätschelten Großstadtgöre werden klischeehaft die urigen Bewohner des Allgäus/Bayern und ein Bergidyll geschildert, das jedoch bald seine Schattenseiten zeigt und gar nicht so malerisch ist, wie die Werbung immer verspricht: kein Strom, kein fließendes Wasser, extreme Witterungsverhältnisse, Gefahren für Mensch und Tier, die Unvernunft der Touristen usw.

Das sind allerdings nur die Rahmenbedingungen, die für humorige und spannende Momente sorgen. Im Mittelpunkt stehen eine Mädchenfreundschaft, die einigen Belastungen ausgesetzt wird, und die romantischen Beziehungen von Martha und vor allem von Zippi.

Eigentlich bietet sich eher die bodenständige und pragmatische Martha als Identifikationsfigur für Leserinnen ab 12 Jahren an, denn sie stammt aus normal-schrulligen Familienverhältnissen, ist eine durchschnittliche Schülerin und aufgrund ihrer molligen Figur kein Magnet für Jungen. Dass sie sich auf der Berghütte zunächst eine Auszeit gönnt, weil sie daheim stets für den Vater einspringen muss, kann jeder nachvollziehen. Natürlich lernt auch sie jemanden kennen, aber diese Romanze ist zu unkompliziert, um reizvoll zu sein.

Ganz anders dagegen Hauptfigur Zippi: Sie fällt sofort durch ihren komischen Namen auf, der eingangs natürlich erklärt wird. Als Kind getrennt lebender Eltern hat sie Probleme, auf die jedoch nicht weiter eingegangen wird, da sie für die Handlung nicht relevant sind und bloß verdeutlichen sollen, dass auch mit viel Geld nicht alles zu bekommen ist. In der Schule ist Zippi hervorragend, mehrere Jungen beten sie an, ihr Taschengeld ist fürstlich. Das mag sich manche Leserin auch wünschen, aber für die meisten ist und bleibt es ein Traum.

Der Abschied von Emir ist kein großes Drama, so dass es dann kaum verwundert, wie schnell sich Zippi in Ignaz verliebt. In diesem Alter ist das völlig normal, und neue Besen kehren besser. Der daraus resultierende Konflikt wird von der Autorin sehr realistisch geschildert. Zippi mag beide Jungen, die sehr verschieden sind, und würde am liebsten mit beiden befreundet sein. Die Entscheidung schiebt sie vor sich her, obwohl ihr klar ist, dass sie Ignaz und Emir dadurch verletzt und sie am Schluss allein dastehen könnte.

Die Jungen machen es ihr auch nicht leicht, denn sie behandeln einander überaus fair. Flirtet einer der beiden mit einem anderen Mädchen oder lässt Zippi links liegen, wurmt allein dieser Tatbestand, denn wer möchte schon einen Korb bekommen, aber intensive Gefühle werden dadurch nicht frei gesetzt. Sieht so echte Liebe aus – oder ist das nicht doch eher Teenager-Schwärmerei? Eine Patentlösung kann Sissi Flegel nicht bieten, und die mitschwingende Kritik an dieser (juvenilen) Oberflächlichkeit entdeckt man bloß, wenn man will.

Erfahrene Leserinnen ahnen, worauf die Angelegenheit hinaus laufen wird. Zippis Verhalten deutet es frühzeitig an, und doch wird die Entscheidung gewissermaßen durch Deus ex Machina herbeigeführt.

Leserinnen zwischen 12 und 16 Jahren hinterfragen den Roman nicht im gleichen Maß wie das erwachsene Publikum, sondern lassen die vergnügliche Geschichte so stehen, wie sie ist. Ihnen wird ein witziges und mitreißendes Abenteuer geboten, das sich um eine sympathische Figur rankt, die sich in einer romantisch-komplizierten Situation befindet, die viele selber schon einmal erlebt haben. Natürlich gibt es für alle ein Happy End, so wie man es sich wünscht, und niemand bleibt verletzt und allein zurück.

Abgerundet wird der Band mit den Rezepten zu zwei Gerichten, die mehrmals erwähnt werden, und einem Test (Werbung), welcher „My Story“-Titel am besten zu einem passt.

Das Cover mit dem collagenartigen (Metallic-) Foliendruck auf jeansblauem Untergrund ist ein hübscher Blickfang.

„Doppelt verliebt hält besser“ bietet jede Menge Lesespaß und macht neugierig auf die weiteren Bücher der Reihe. (IS)

Titel bei Amazon.de
My Story. Streng geheim. Doppelt verliebt hält besser

BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
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www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
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Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
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Die Gewinner der Preisrätseltitel:
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1. Tatjana Kieselmüller
2. Hugo Braun
3. Muletta Dreher-Hess
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Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

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