Flirtline – Wenn du dem Falschen vertraust

flirtlineMarkus Showe
Flirtline – Wenn du dem Falschen vertraust

Fischer Generation, Frankfurt, 01/2008
TB, Jugendbuch, Drama, Romance
ISBN 978-3-596-80759-8
Titel gestaltung von Bilek Krämer Jäger unter Verwendung eines Fotos von Jonathan Cavendish/CORBIS
Autorenfoto von Anneser

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Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Lisas Eltern haben sich getrennt, und zusammen mit ihrer Mutter ist das Mädchen in eine andere Stadt gezogen. Während sich Lisa schwer tut, in der neuen Klasse Anschluss zu finden, hat die Mutter, die den Lebensunterhalt für sie beide verdient, bald einen Freund. Lisas Hoffnung, dass sich der Vater wenigstens an manchen Wochenenden um sie kümmern würde, zerschlägt sich schnell, denn er plant, mit seiner Gefährtin ins Ausland zu gehen. Die Enttäuschung lässt Lisa an ihrer Mutter aus und zieht sich immer mehr zurück. Als sie wieder einmal einen Abend allein vor dem Fernseher verbringt, ruft sie spontan bei einer „Flirtline“ an, für die gerade Werbung gemacht wird und die für Frauen kostenlos ist. Der Zufall will es, dass sie an Daniel gerät, der nur wenig älter ist, sich sehr nett anhört und ihr das Verständnis entgegen bringt, das sie bei ihren Eltern vermisst. Lisa ahnt nicht, dass Daniel sie lesen kann wie ein aufgeschlagenes Buch. Schon bald kennt er ihren richtigen Namen und ihre Adresse und beobachtet sie. Als sie von zu Hause ausreißt und sein Hilfeangebot annimmt, schnappt die Falle zu, und zu spät erkennt sie sein wahres Gesicht …

„Flirtline“ ist ein Jugenddrama, das Probleme aufgreift, mit denen sich viele Kinder und Jugendliche konfrontiert sehen: Die Eltern trennen sich und haben sich, nach Ansicht der Kinder, zu wenig Mühe gegeben, um die Familie zu erhalten. Vater und Mutter finden neue Partner und haben darum weniger Zeit für die Kinder. Die ungewohnte Situation und vielleicht eine neue Arbeit lassen das Elternteil oft gereizt reagieren, und die Kinder vermissen die einstige Geborgenheit und das Verständnis, das ihnen früher entgegengebracht wurden. Zu oft werden sich die Kinder selbst überlassen. Ihre Probleme, vor allem wenn es darum geht, Anschluss an Gleichaltrige zu finden, werden nicht genug beachtet. In Folge erliegen sie verschiedenen Verlockungen, in diesem Fall einem kostspieligen Dating-Service. Auch wenn man private Nummern austauscht, gerade beim Handy kann das so teuer werden, dass junge Menschen schnell in der Schuldenfalle sitzen. Kleine und größere Diebstähle u. ä. sind die nächsten Schritte.

Noch schlimmer wird es, wenn man an falsche Freunde gerät, wenn derjenige, dem man vertraut hat, nicht der ist, der er vorgab zu sein. So wie bei Lisa, die Trost bei Daniel sucht, der psychische Probleme hat, die keiner erkannte. Für seine Eltern ist er ein Loser, andere Jugendliche und insbesondere die Mädchen schenken ihm nicht die Beachtung, nach der er sehnt; nach einigen Enttäuschungen ist er voller Wut und Hass. Spielt Lisa nicht nach seinen Regeln, soll sie büßen. Man kann sich sehr leicht in Lisas Denken hineinversetzen, wenngleich reifere Leser hin und wieder finden werden, dass sie in manchen Momenten überreagiert und wirklich zu blauäugig in Daniels Falle tappt. Markus Showe möchte durch dieses realistisch erzählte Schicksal auf die vielen Gefahren hinweisen, in die arglose (junge) Menschen geraten können. Er warnt, verzichtet aber darauf, Patentlösungen anbieten zu wollen, denn die gibt es nicht. Jede Situation und auch die Beteiligten sind anders. Man kann bloß vorsichtig und wachsam sein.

Nur ganz behutsam wird durch Lisas Dialoge mit den Eltern angedeutet, dass die Kinder selten merken, wie egoistisch sie sein können, da sie nur an sich selber, nicht aber an die anderen denken, die in einer solchen Krise ebenfalls leiden. Könnten die Eltern mit neuen Partnern ihr Glück finden, wird es ihnen missgönnt, dabei sind es die Kinder, die früher oder später aus dem Haus gehen, eine Familie gründen und Mutter oder Vater allein lassen – die vielleicht ihre Chance verpasst haben und einsam bleiben, nachdem sie für die Kinder ständig zurücksteckten.

„Flirtline“ ist ein fesselndes und zugleich einfühlsam geschriebenes Buch für Leserinnen und Leser ab 12 Jahre, das durchaus am Verhalten der Eltern und auch vorsichtig an dem der Kinder Kritik übt. Der Titel kann als Unterrichtslektüre empfohlen werden, denn er bietet neben einer realistischen, vordergründig spannenden Geschichte einen aufklärenden und diskussionswürdigen Inhalt. Als besonderes Extra ist eine URL angegeben, die zu einer Bonus-Geschichte führt, in der Daniels weiteres Schicksal behandelt wird.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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