Herzensjunge

herzensjungeCarmen Korn
Herzensjunge

cbt-Verlag, München, Originalausgabe: 12/2009
TB, Jugendbuch, Drama, Romance
ISBN 9783570306505
Titelgestaltung von Zeichenpool, München unter Verwendung eines Motivs von Corbis/Sutterstock
Autorenfoto von Foto DIVA

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Die 13-jährige Antonia fühlt sich wohl im Kreis ihrer Lieben, bei denen es immer turbulent zugeht. Zwar ist der Vater, ein Grundschullehrer, ein Kontrollfreak und Gesundheitsfanatiker und die Mutter als Klatsch-Journalistin ständig auf Achse, Adrian nervt wie alle kleinen Brüder, aber der etwas ältere Andreas und die lebenslustige Großmutter sind immer zuverlässige Verbündete, wenn es darum geht, die Grenzen der familiären Regeln aufzuweichen oder auch mal ein Alibi zu bekommen, nachdem die Grenzen stärker perforiert wurden, als die Eltern hinnehmen würden.

Etwas Kummer hat Antonia wegen ihrer Freundin Hanna, die kaum noch Zeit für sie hat und immer ihre ‚Erfahrungen’ raushängen lässt, seit sie mit Kalli zusammen ist. Antonia hätte auch gern einen Freund, aber mit 176 cm ist sie den Jungen in ihrer Klasse zu groß, und außerdem interessieren sich die Spätentwickler bloß für das neueste Egoshooter-Game. Unverhofft trifft dann doch Amors Pfeil: Jan, ein neuer Freund von Andreas, gefällt ihr auf Anhieb. Aber wieso sollte sich ein Sechzehnjähriger mit ihr abgeben? Und doch wird sie von Jan bemerkt, und es dauert nicht lange, bis er sie fragt, ob sie mit ihm gehen möchte. Antonia schwebt im siebten Himmel, und das Glück scheint perfekt, als die Oma für die Zeit ihres Krankenhausaufenthalts den beiden den Wohnungsschlüssel übergibt. Allerdings muss Antonia versprechen, nichts Unüberlegtes zu tun und den Eltern keine Sorgen zu bereiten.

Natürlich läuft dann doch nichts so, wie Antonia es sich ausgemalt hat. In der Ehe der Eltern scheint es zu kriseln, und während sich die Mutter neue Freiheiten erkämpft, kontrolliert der Vater die Familie umso strenger. Auch die Oma gibt Anlass zur Sorge, da sie sich von der Operation nicht so schnell erholt, wie erhofft. Jan möchte weder über die Narbe an seinem Kopf sprechen, die er meist unter einer Mütze verbirgt, noch über den tragischen Tod seiner Mutter, bis er zusammen mit seinem Vater vor Gericht geladen wird…

Dank des lebhaften, lockeren Tons zieht Carmen Korn Leserinnen ab 13 Jahren schnell in die Geschichte hinein. Fast jedes Mädchen kann sich in Antonias Denken, in ihre Sorgen und Träume hineinversetzen, wenngleich sie eine Bilderbuchfamilie und keine Schwierigkeiten in der Schule hat, ihre Figurprobleme gar keine sind und die Romanze trotz einiger Geheimnisse glatt und glücklich verläuft. Es ist eigentlich alles viel zu schön, um wahr zu sein – und doch hat man Spaß an der Erzählung, vielleicht gerade weil die Konflikte klein gehalten werden, alles von selber seinen Gang geht und nicht dieses ganze unterhaltsame Drumherum den Schwerpunkt ausmacht sondern das Verhalten der Protagonisten. Antonia, Andreas und Jan zeigen, dass auch schon Kinder und Teenager verantwortungsbewusst handeln können und dabei nicht nur ihre eigenen Interessen verfolgen, sondern ebenso das Wohl anderer berücksichtigen.

Tatsächlich steckt Andreas so manches Mal zurück, um Antonia ihre Dates mit Jan zu ermöglichen, und als dieser spurlos verschwindet, setzt er alle Hebel in Bewegung, um eine Spur zu finden und Antonia beruhigen zu können. Jan gibt Antonia zwar anfangs einige Rätsel auf, aber häppchenweise gibt er ‚die Geheimnisse’, die ihn und seinen Vater belasten, preis. Obwohl er seiner Freundin näher kommen möchte, nimmt er Rücksicht auf ihr Alter und drängt nicht. Auch um seinen Vater kümmert er sich aufopferungsvoll, obwohl er selber Hilfe bräuchte. Antonia zeigt sich dankbar für jedes Entgegenkommen und missbraucht nicht das Vertrauen, das die Oma und Andreas in sie setzen, und auch als sich die Situation zuspitzt, lässt sie Jan nicht fallen.Anders sieht es bei Hanna aus, die ihrem Kalli gefallen und ihn an sich binden will, egal zu welchem Preis. Als per Handy ein Video von ihnen die Runde macht, bekommen sie nicht nur Ärger mit den Eltern, und ihre Beziehung droht darüber zu zerbrechen, sondern sie erfahren auch, was Mobbing bedeutet. Andere Schüler nehmen sich eine Menge heraus, und sogar Lehrer vergreifen sich im Ton – auch das ist ein trauriger Alltag, der vielen Lesern bekannt sein dürfte. Allerdings kommen die beiden noch einmal mit einem blauen Auge davon, und für die Lehrerin hat das beleidigende Fehlverhalten Konsequenzen, so dass die heile Welt des Buchs wieder hergestellt ist.

Überdies wird daran erinnert, dass auch die Erwachsenen Probleme haben und Fehler begehen, die sich später nur schwer korrigieren lassen. So nimmt die Oma die Schuld auf sich, dass Antonias Vater extrem überkorrekt geworden ist, die Mutter gibt schließlich ihre geheimen Sehnsüchte preis und arbeitet auf einen Kompromiss hin, und auch Jans Vater hat etwas zu bereuen. Eigentlich wollen die Eltern ihren Kindern nur unschöne Erfahrungen ersparen, die sie einst machen mussten, und schießen dabei über das Ziel hinaus, denn manche Einsichten kann ein junger Mensch nur selber erlangen, auch wenn es schmerzhaft ist.

Allen Protagonisten ist gemein, dass sie sehr genau wissen, was sie aneinander haben, wie viel ihnen das Glück der Familie bedeutet, das auch ihr eigenes ist – und wie furchtbar es ist, dieses zu verlieren. Die Autorin wirbt für Verständnis in beide Richtungen: Kinder müssen begreifen, dass auch Eltern Menschen sind, die sich irren können und die noch immer Träume haben. Nur weil man eine Familie gegründet hat oder in Rente geht, ist das Leben noch lange nicht vorbei. Die Eltern wiederum sollten lernen loszulassen, wenn ihre Kinder langsam erwachsen werden, und Vertrauen zu haben.

„Herzensjunge“ ist eine schon fast märchenhafte Romanze, die trotz des Heile-Welt-Hintergrundes, des Happy Ends und den deutlichen Messages nicht in den Kitsch abgleitet, da die Geschichte unterhaltsam und schlüssig erzählt wird, sich die Autorin eines für Jugendliche überzeugenden Stils bedient, ohne in einen künstlich wirkenden Jargon abzugleiten – und man gern auch mal ein Buch in Händen hält, das nicht in den finstersten Farben Schreckensszenarien malt.

Irene Salzmann (IS)
 
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Herzensjunge

Comments

  1. Ich fand dieses buch sehr Romantisch und da steht dass mann mit der liebe warten kann es ist auch nicht schlimm mit 13 oder 14 ein freund zu haben

  2. das „mann“ oder das „man“ mit mit der liebe warten kann?

    Ich glaube, die Liebe kommt ungeplant, wenn sie sich ergibt, oder meintest du garnicht Liebe sondern Sexualität?

    Könnte das gemeint sein?

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