Kein Kuss für Finn

Brigitte Melzer
Kein Kuss für Finn
My Story, streng geheim! 3

cbj-Verlag, München, Originalausgabe: 8/2008
PB mit Klappbroschur
Jugendbuch, Romance
ISBN 9783570135419
Titelgestaltung von zeichenpool, Milena Djuranovic unter Verwendung von Motiven von zeichenpool und Shutterstock
Vignetten von N. N.
www.cbj-verlag.de
www.brigitte-melzer.de
www.zeichenpool.de
www.shutterstock.com

Da der Vater eine neue Stelle gefunden hat, zieht Charlies Familie nach München. Das gefällt weder der Vierzehnjährigen noch ihren beiden Geschwistern, und sie beschließen, alles zu tun, um die Eltern davon zu überzeugen, dass der Umzug rückgängig gemacht werden muss. Sehr bald jedoch ist Charlie die Einzige, die an dem Plan festhält, denn ihre große Schwester darf zum Schüleraustausch nach England, und der kleine Bruder ist selig, da es in der Nähe eine Skaterbahn gibt. Aus Protest verwandelt sich Charlie in eine Goth, zieht sich von allen zurück, täuscht Krankheit vor – aber nichts hilft.

In ihrem düsteren Outfit hat Charlie selbst an einer Münchener Schule einen schlechten Start. Vor allem Lukas und seine Kumpane nehmen sie aufs Korn. Hilfe bekommt sie überraschenderweise von dem coolen Finn und von Mehli, der ebenfalls ein Außenseiter ist. Obwohl Charlie gar keine Freundschaften schließen will, kommt sie nach und nach mit immer mehr Schülern in Kontakt und tritt sogar der Theater-AG bei. Einer der Gründe dafür ist, dass ihre liebste Freundin schon angefangen hat, Charlie zu vergessen und ausgerechnet mit einem Mädchen abhängt, das sie beide zuvor für eine Zicke gehalten haben.

Trotzdem gibt es keine Rückverwandlung, denn so leicht will Charlie es den Eltern nicht machen, und inzwischen gefällt ihr der Gothic-Look, durch den sie zu einer Trendsetterin geworden ist. Allerdings entwickelt sich Lukas zu einem richtigen Problem: Er stiehlt Charlie den iPod, den sie sich von der Schwester geliehen hatte, und erpresst sie. Wenn Charlie nicht dafür sorgt, dass Finn vor allem Mitschülern blamiert wird, bekommt sie das teure Gerät nur als Schrott wieder.

Charlie hat keine andere Wahl, als das böse Spiel mitzumachen. Dabei ahnt sie nicht, wie gemein Lukas tatsächlich sein kann…

Brigitte Melzer kreiert ein Szenario, in das sich jedes Mädchen zwischen 11 und 16 Jahren leicht hinein versetzen kann: Charlies Eltern ziehen Hals über Kopf um, es bleibt nicht einmal Zeit für eine Abschieds- oder gar eine Geburtstagsparty mit den langjährigen Freunden, diese haben Charlie in Nullkommanix vergessen, jeglicher Protest wird von den Eltern ignoriert, die Geschwister sind gleich Feuer und Flamme für die Möglichkeiten, die ihnen die neue Umgebung bietet – und Charlie steht ganz allein da. Schließlich gibt sie ihre Pläne, die Heimkehr zu erzwingen, auf, denn die neue Clique ist doch ganz nett.

Ein Love-Interest ist gleich gefunden, immer mehr Schüler und Schülerinnen stören sich schon bald nicht mehr an Charlies Outfit, mit der Theater-AG hat sie riesigen Spaß… Alles könnte so prima laufen, wäre da nicht Lukas. Er liefert den eigentlichen Konflikt, der für eine spannende Handlung sorgen soll, und da sich Charlie auf seine Erpressung einlässt, klappt das auch. Von den Lehrern hat sie ohne Beweise keine Hilfe zu erwarten, und Finn, der sich um den gestohlenen iPod kümmern wollte, scheint sein Versprechen vergessen zu haben. Das wirkt nun doch etwas konstruiert. Außerdem hätte Charlie die Möglichkeit, Finn und auch die Eltern ins Vertrauen zu ziehen, denn der Schwester das Gerät zu ersetzen und eine Weile kaum Taschengeld zur Verfügung zu haben, wäre immer noch das kleinere Übel gewesen.

So ist die Misere hausgemacht, und es kommt, wie es kommen muss. Zunächst schlagen Charlies Streiche fehl bzw. kann Finn sie stets für sich zum Vorteil kehren. Als jedoch sein Geheimnis von Lukas gelüftet und überall verbreitet wird, hält Finn Charlie für die Schuldige und will nichts mehr mit ihr zu tun haben. Nun ist guter Rat teuer, denn wie soll sie Finn davon überzeugen, dass sie mit dieser Gemeinheit nichts zu tun hat? Zusammen mit den Freunden von der Theater-AG tüftelt sie einen Racheplan aus. Ob es genügen wird, Lukas einen Denkzettel zu verpassen, damit Finn ihr wenigstens zuhört? Was Charlie, Mehli, Anne und die anderen einfädeln, ist ein lustiger, aber kein boshafter Spaß, und man genießt so richtig die Schilderungen von dem, was Lukas passiert – der gelungene Höhepunkt des Buchs.

Die trotz der kleinen Schwächen amüsante Geschichte wartet mit Charakteren und gängigen Problemen auf, wie man sie aus dem Schul-Alltag kennt. Lukas mobbt Charlie, Mehli und andere, doch wird darauf nicht weiter eingegangen, denn das Buch soll unterhalten und nicht aufklären – schade, denn Mobbing ist ein sehr ernstes Thema, das hier sehr oberflächlich, wenn nicht gar verharmlosend abgehandelt wird. In der Realität leiden Betroffene weit mehr und finden selten einen solchen Rückhalt, wie ihn Charlie hat.

Die Autorin verpasst durch den Verzicht, deutlich Stellung zu beziehen, eine Chance, und „Kein Kuss für Finn“ ist in Konsequenz ‚nur’ ein unterhaltsames Mädchenbuch, das die Tiefe und meinungsbildende Message missen lässt, die es hätte haben können. (IS)

Titel bei Amazon.de:
My Story. Streng geheim. Kein Kuss für Finn

BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
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www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
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Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
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Die Gewinner der Preisrätseltitel:
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1. Britta Blum
2. Hartmuth Richter
3. Klaus-Dieter Stoffhänger
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Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

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