Leonie surft auf Wolke sieben

Sandra Schönbein
Leonie surft auf Wolke sieben

Sternzeichen Liebe: Löwe
Egmont Franz Schneider Verlag, München/Köln, 1/2009
PB mit Klappbroschur, Kinder-/Jugendbuch, Romance, 978-3-505-12508-9, 188/895
Titelgestaltung von Yvonne Skowronek, München unter Verwendung eines Motivs von Sandra Engelke
Vignetten und Autorenfoto von N. N.

www.schneiderbuch.de
www.sandra.engel-ke.de/index2.html

Vor einigen Jahren zog die fast 15-jährige Leonie mit ihrer Familie in die Stadt.

Es dauerte nicht lange, und die frühere Clique war vergessen. Seither genießt es Leonie, mit Nele und den anderen Klassenkameradinnen zu shoppen, im Café zu sitzen und die heißeste Musik zu hören. Als sich auch noch der 18-jährige Tino, der in verschiedenen Clubs als DJ arbeitet und jede Menge Verehrerinnen hat, für sie zu interessieren beginnt, scheint das Glück perfekt zu sein. Aber Tinka, Leonies um zwei Jahre jüngere Schwester, warnt: Tino ist ein Schütze und Draufgänger, mit ihm wird es nicht gut gehen – aber ein Krebs würde zu Leonie, die Löwe ist, bestens passen.

Zufällig begegnet Leonie auf einem Konzert in ihrem Heimatnest Luca. Auch er gehörte früher zur Clique und ist längst nicht mehr der pummelige Junge von einst.

Da Leonie nichts Besseres vorhat, lässt sie sich an den Surfbeach einladen und ist sofort Feuer und Flamme für den Wassersport. Luca bringt ihr alles bei, was er weiß, und Leonie lernt schnell. Die beiden kommen einander wieder näher, aber dann erfährt sie, dass er eine Freundin namens Vanessa hat – und sie selber ist doch in Tino verknallt?

Wie auch die anderen Bände der „Sternzeichen Liebe“-Reihe ist „Leonie surft auf Wolke sieben“ eine vergnügliche Lektüre für Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren. Wie der Titel bereits verrät („Leonie“ in Anspielung auf „Löwe“) geht es diesmal um eine Protagonistin, die im Zeichen des Löwen geboren wurde und die Freude am Surfsport entdeckt. Alles, was mit Astrologie und Surfen zu tun hat, wird sehr ausführlich und kompetent erklärt – die Autorin war Chef-Redakteurin der Zeitschrift „Astro Luna“ und ist selber begeisterte Windsurferin.

Von daher wundert es auch nicht, dass die Horoskope überaus ernst genommen werden und Tinka, die in die Rolle des allwissenden Orakels schlüpft, mit ihren Voraussagen Recht behält. Sieht man diese Dinge mit einer gewissen Skepsis, findet man auch eine andere Erklärung für die Irrungen und Wirrungen der Liebe, die ein vorhersehbares, glückliches Ende nehmen: Hobbys können zwei Menschen trennen oder verbinden. Es liegt stets an den Betroffenen, wie sie damit umgehen, denn Egoismus und mangelndes Feingefühl als Charaktereigenschaft hat kein Sternzeichen nur für sich gepachtet.

Nimmt man es genau, verhält sich kaum einer der Protagonisten einwandfrei. Leonie entwickelt sich zu einem Mädchen mit ‚zwei Persönlichkeiten’. In der Stadt ist sie der hippe Glitzer-Teenie und hat Spaß daran, in Tinos Fußstapfen als DJane zu treten, während sie auf dem Land zur natürlichen Sportlerin mutiert und sich in Luca verliebt. Tino ist zwar vordergründig ein toller Typ, aber für ihn gibt es nur die Musik und den Fußball, so dass er wenig Zeit für Leonie hat; außerdem flirtet er mit anderen Mädchen. Nele hält treu zu Leonie, hat aber keinerlei Verständnis für die Surfer und kritisiert sie, insbesondere Luca, heftig, bis sie später einen der Jungen näher kennen lernt. Dafür dass Luca bereits eine Freundin hat, bemüht er sich viel zu sehr um Leonie, steht dann aber nicht zu seinen Gefühlen und läuft erst einmal feige davon, nachdem er den Stein ins Rollen brachte. Vanessa ist die typische Zicke, die sich überhaupt nicht für Lucas Hobby interessiert und ihn immer nach ihrer Pfeife tanzen lassen will; sie ist die Antwort auf Tino. Tinka wirkt altklug und gerissen, denn sie knöpft ihrer Schwester regelmäßig das Taschengeld ab, indem sie ‚teure Horoskope’ erstellt.

Angesichts dieser Charaktere ahnt man, was kommen muss, und man wird auch nicht enttäuscht – oder vielleicht doch, wenn man es gern etwas weniger Klischee beladen gehabt hätte. So schöpft die Story ihre Spannung einzig aus dem Hin und Her von Leonie und Luca, zwischen denen vom ersten Moment an deutlich mehr Funken sprühen als zwischen Leonie und Super-Tino. Allerdings stimmt man in einem Punkt Nele zu:

Luca ist unreif, weil er so lange zögert, bis er klare Verhältnisse schafft. Durch sein Verhalten verletzt er Leonie und Vanessa. Im Vergleich findet man einige der Nebenfiguren wie Sascha oder Keks, die ohne Hintergedanken zu den Mädchen freundlich sind, sehr viel sympathischer.

Etwas unglaubwürdig wirkt zudem, dass sich ein Achtzehnjähriger mit einer Vierzehnjährigen einlässt. Zwar bleibt es bei Händchenhalten und Küsschen, aber ein verantwortungsbewusster Erwachsener wird sich schon aus Gesetzesgründen hüten, mehr als einen kleinen Flirt zu wagen. Auch in den Club kommen die Mädchen viel zu leicht hinein. Sind sie entsprechend aufgebrezelt, mag man ihr Alter nicht immer korrekt schätzen zu können, doch der Türsteher eines seriösen Hauses wird sich die Ausweise zeigen lassen und Jugendliche unter 16 Jahren, die keine erwachsene Begleitperson bei sich haben (und als solche zählt der DJ, der sie auf die Gästeliste setzte, nicht), heim schicken.

Trotz aller Kritik ist das Buch unterhaltsam und flott geschrieben, so dass es den Nerv der Zielgruppe treffen wird. Die Gestaltung des Bandes ist identisch mit der der anderen Titel: Paperback mit Klappbroschur, ein Anhang mit Informationen rund um das Sternzeichen, das jeweils vorgestellt wird. Von Sandra Schönbein ist in der gleichen Reihe außerdem der Roman „Können Fische besser küssen?“ erschienen. (IS)

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Sternzeichen Liebe Löwe. Leonie surft auf Wolke sieben

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