Long-Lost Friend

Sara Zarr
Long-Lost Friend

Sweethearts, USA, 2008
dtv-Verlag/dtv junior, München, Neuausgabe: 01/2013 (2009)
TB, dtv pocket, 78269, Jugendbuch, Drama
ISBN 978-3-423-78269-2
Aus dem Amerikanischen von Eva Riekert
Titelgestaltung von Balk & Brumshagen und Marion Sauer unter Verwendung eines Motivs von plainpicture
Autorenfoto von Quinn Jacobson

www.dtvjunior.de
www.dtv-dasjungebuch.de
www.sarazarr.com

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Jennifer Harris hatte keine schöne Kindheit. Die Mutter ging Arbeiten und zur Fortbildung, um sie beide durchbringen zu können. In der Schule wurde das Mädchen gemobbt und fand auch bei den Lehrern kein Verständnis. Der einzige Lichtblick war ihr Mitschüler Cameron Quick, ein Außenseiter wie sie, der sich mit den anderen Kindern anlegte, wenn diese besonders gemein zu Jennifer waren. Doch plötzlich war Cameron fort, und es hieß, er sei gestorben. Jenna Vaughn ist 17 Jahre alt, lebt mit ihrer Mutter und dem Stiefvater in einem schönen Haus, besucht die Abschlussklasse einer guten Schule, hat Anschluss an eine nette Clique gefunden, und der begehrte Ethan ist ihr Freund. Niemand kennt ihre Vergangenheit oder nennt sie gar „die fette Jenny“. Doch dann kehren alle Erinnerungen unverhofft zurück, als sie einen Jungen sieht, der sie an Cameron erinnert.

Schon bald muss Jenna feststellen, dass ihre Fantasie ihr keinen Streich gespielt hat. Aber wie ist das möglich? Wo war Cameron in den vergangenen acht Jahren, während denen Jenna geglaubt hatte, er sei ums Leben gekommen? Wieso ist er nun zurückgekehrt? Was will er von ihr? Ethan ist alles andere als begeistert, dass seine Freundin nun mit einem anderen ihre Zeit verbringt und sich außerdem zu verändern beginnt. Jenna findet nicht die richtigen Worte, um ihm und den anderen zu erklären, was Cameron ihr bedeutet, wie sehr sie ihn vermisst und um ihn getrauert hat, denn sie weiß selbst nicht, was sie füreinander sind – ob da mehr ist, als ein furchtbares Erlebnis, durch das sie miteinander verbunden sind …

Das Buch beginnt etwas träge und lässt den Leser zunächst im Unklaren, ob die Verfasserin eine Jugendromanze mit einer Dreiecksbeziehung und typischen Intrigen, in denen die traumatische Vergangenheit zweier Protagonisten gegen diese eingesetzt wird, schildern und zum Happy End führen will. Zunächst stellt sie die Handlungsträger vor, young adults, die ein einigermaßen angenehmes Leben führen, Stress und Spaß in der Schule, mit der Familie und den Freunden haben. In Jennas Fall wird durch winzige Rückblenden, die sich mit den laufenden Geschehnissen vermischen, nach und nach enthüllt, dass sie sehr darunter gelitten hat, als kleines Mädchen ein Außenseiter gewesen zu sein, das obendrein noch den einzigen Freund verlor, der zu ihr gehalten hatte.

Das alles hat Jenna hinter sich gelassen und ist zu einer Person geworden, wie sie es immer hatte sein wollen: nicht das it-girl der Schule, aber auch nicht unbeliebt, eine durchschnittliche Schülerin, für andere eine Freundin, auf die man sich verlassen kann, an ihrer Seite ein netter Junge, der in sie verliebt ist, und Eltern, mit denen sie gut zurechtkommt. Aber hinter dieser Fassade verbirgt sich immer noch Jennifer, die damals verletzt wurde und diese Wunde nicht hatte heilen können. Cameron ist, als er wieder in Jennas Leben tritt, für sie nicht wirklich eine Hilfe, das Vergangene bewältigen zu können. Er ist verschlossen und geht seinen Weg, der den ihren immer wieder kreuzt. Schließlich verrät er, dass er nicht bloß gekommen ist, um sie wiederzusehen, sondern weil er auch den Ort besuchen möchte, an dem es passierte. Allerdings ist Jenna dafür noch nicht bereit, und so muss noch das eine oder andere geschehen, bevor sie sich ihren Eltern anvertraut. Zwar wusste die Mutter um Dinge, die sich in Camerons Familie ereignet hatten, über die sie mit Jennifer nie sprechen wollte, doch was nun ans Tageslicht kommt …

Interessanterweise wird nie konkret ausgesprochen, was Jennifer und Cameron Schlimmes vom Vater des Jungen angetan wurde. Man muss sich selbst eine Meinung bilden anhand der verstreuten Informationsfetzen. Das Thema wird von der Gesellschaft gern tabuisiert, genauso wie das Mobbing, das darüber in den Hintergrund tritt. Betroffene tun sich schwer, um Hilfe zu bitten – und sie anzunehmen, wenn sie welche erhalten. Das Beispiel macht es deutlich. In Folge dessen überrascht das Ende nicht, denn es passt zu den Charakteren und dem Handlungsverlauf. Nicht alle Fragen werden bis ins letzte Detail beantwortet, genauso wenig, wie das reale Leben sämtliche Antworten parat hält. So ist der Roman in sich stimmig und so faszinierend zu lesen, dass man den schleppenden Beginn vergisst und das Buch nicht aus der Hand legen will, bevor man die letzte Seite umgeblättert hat.

Nein, „Long-Lost Friend“ ist alles andere als eine konventionelle Geschichte über eine tragische Kindheit, Schülerliebe, Intrigen und Entscheidungen – vielmehr entpuppt sich der Titel als ein ungewöhnliches Jugendbuch für ein Publikum ab 14 Jahre und ist durchaus als Schullektüre empfehlenswert.

Copyright © 2013 by Irene Salzmann (IS)

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