Mit dem Motorschlitten auf Verbrecherjagd

Renate Bock
Mit dem Motorschlitten auf Verbrecherjagd

Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen, 1/2007
HC, Jugendbuch, Krimi, 978-3-7888-1126-6, 192/1495
Titelbildgestaltung von neue formen, Kassel
www.neumann-neudamm.de

„Mit dem Motorschlitten auf Verbrecherjagd“ von Renate Bock versteht sich als Jugendkrimi, auch wenn das von außen nicht klar erkennbar ist. So liegt es auf der Hand, dass dem Jungen Timo eine besondere Rolle in dem Abenteuer zukommt, das eigentlich eine aufregende Reise in das finnische Weihnachtsdorf Rovaniemi sein sollte.

Conny ist Angestellte in einem Hamburger Frachtunternehmen. Kurz vor Weihnachten ist viel zu tun, damit alle Schiffe, die direkt nach den Feiertagen auslaufen sollen, versorgt sind. Da sie aber direkt am ersten Weihnachtstag in Urlaub fahren wird, nimmt sie den Stress gut gelaunt in Kauf. Nur eine Sache ist wirklich ärgerlich und bringt auch ihren Chef auf die Palme: Zwei Kunden verlangen, dass sie Frachtpapiere ausstellen, ohne dass bekannt ist, was eigentlich auf dem Schiff verladen werden soll. schließlich bleibt Conny nichts anderes übrig, als die Papiere so zu unterschreiben, wie sie sind, um den Auftrag nicht zu verlieren. Besonders makaber an der Sache ist, dass das Ziel des Frachters und Eisbrechers auch noch in unmittelbarer Nähe zu ihrem Ferienort liegt.

Doch kaum ist sie wieder zu Hause, verdrängt sie die düsteren Gedanken und genießt die freie Zeit mit ihrem Sohn Timo und ihrem Freund Ronny.

Im Weihnachtsdorf Rovaniemi angekommen, verbringen sie gemeinsam eine schöne und romantische Zeit, bis Conny eher unfreiwillig und zufällig beobachtet, wie zwei Männer einen anderen bedrängen und niederstechen. Kurze Zeit später wird sie entführt. Und während sie erkennen muss, dass der Ärger ihres letzten Arbeitstages sie eingeholt hat, macht sich ihr Sohn zusammen mit Reyka, der Tochter des Husky-Farmers, im tief verschneiten Finnland auf die Suche nach seiner Mutter.

„Mit dem Motorschlitten auf Verbrecherjagd“ hat zwar ein interessantes und zeitlos aktuelles Thema, aber die Autorin verschenkt viele Möglichkeiten, die in einem Thriller für Erwachsene besser aufgehoben wären. Sie vereinfacht viele Fakten, damit sie auch für junge Leser verständlich sind und verfällt dabei all zu leicht in die üblichen Klischees, die man russischen Verbrecherbanden und Waffenschiebern gerne zuordnet. Ebenso oberflächlich dargestellt sind auch die anderen Figuren, ihr Verhalten und ihre Gefühle. Selbst bei den Beschreibungen der finnischen Landschaft will keine Spannung aufkommen.

Die Geschichte ist auf weite Strecken durchschaubar und leider auch nicht so flüssig und locker erzählt, dass man über die inhaltlichen Schwächen hinwegsehen könnte. Das liegt einerseits an dem umständlichen und behäbigen Stil der Autorin, der vor allem bei den Dialogen auffällig wird, da fast jede wörtliche Rede mit einem ‚sagte, ‚antwortete’ und vergleichbaren Worten abgeschlossen wird.

Ebenso neigt sie dazu, Nebensächlichkeiten wie den Verlauf des Heiligen Abends, der absolut keine Auswirkungen auf die Geschichte hat, ausführlich zu beschreiben, während wichtige Geschehnisse wie der Mordanschlag eher wie eine Inhaltsangabe wirken, statt wirklich mitreißen und fesseln zu können.

Das Lesen wird zudem durch den sehr sparsamen Einsatz von Absätzen erschwert. Weder bei Szenenwechseln, noch bei wörtlichen Reden sind Leerzeilen oder wenigsten Zeilenwechsel eingefügt.

„Mit dem Motorschlitten auf Verbrecherjagd“ erweist sich inhaltlich wie auch stilistisch als Enttäuschung. Hier hätte vielleicht eine gründliche Überarbeitung Wunder gewirkt, denn das Thema und die in die Geschichte eingeflossenen Ideen sind durchaus interessant. Aber in dieser Form ist die Geschichte wenig präsentabel und ohne Stimmung oder Spannung. (CS)

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