Party Girl

party-girlBrigitte Blobel
Party Girl

Arena Verlag, Würzburg, 1. Auflage: 07/2009
PB mit Klappbroschur, Jugendbuch, Drama, Krimi
ISBN 9783401063065
Titelgestaltung von knaus.Büro für konzeptionelle und visuelle identitäten,
Würzburg unter Verwendung eines Fotos von Thomas Northcut/gettyimages
Autorenfoto von N. N.

www.arena-verlag.de

Mona Preuss ist 15 Jahre alt – ein behütetes, schüchternes Mädchen. Obwohl sie vorgibt, gut mit ihrem Leben zurechtzukommen, leidet sie unter dem frühen Tod ihres Vaters und dem hektischen Leben ihrer Mutter, einer Schauspielerin, die nur wenig Zeit für die Tochter hat. Der Umzug nach München macht es für Mona nicht einfacher, denn sie muss so manches aufgeben und hält sich in der neuen Klasse zurück, die vor allem neugierig auf ihre Mutter, den Star, ist.

Zufällig begegnet Mona ihrem Märchenprinzen: Mirko stellte ihr unmittelbar vor der Haustür ganz frech ein Bein, um mit ihr ins Gespräch zu kommen. Warum er keinen subtileren Weg gefunden hat, interessiert Mona nicht weiter – sie ist glücklich, weil sich ein attraktiver Junge für sie interessiert und er sagt, dass er ihr Beschützer sein möchte. Obwohl es einige Dinge gibt, die Mona misstrauisch machen, kann sie sich Mirkos Zuckerbrot und Peitsche-Charme nicht entziehen. Er lädt sie auf eine Party ein, und sie geht mit. Er bietet ihr eine Pille an, die locker machen soll, und sie schluckt diese. Er kauft ihr alkoholische Getränke, und sie trinkt. Plötzlich wird Mona ohnmächtig, und Mirko ist zur Stelle, um sie fürsorglich nach Hause zu bringen. Notgedrungen überlässt sie ihm den zweiten Wohnungsschlüssel und verrät ihm den Türcode. Danach beginnt der Albtraum: Mirko will den Schlüssel nicht zurückgeben und erpresst Mona mit einem peinlichen Foto. Beides soll sie erst bekommen, wenn sie Drogen an ihrer Schule verkauft und Kontakte für ihn hergestellt hat. Notgedrungen willigt Mona ein, aber das ist Mirko noch nicht genug. Er quartiert Susi, eine süchtige Ausreißerin, bei ihr ein und deponiert seine Drogen in der Wohnung. Allmählich begreift Mona, dass Mirko sie nie in Ruhe lassen wird …

Von Brigitte Blobel sind bei Jugendbuch-Verlagen wie Arena und cbt bereits mehrere Jugendbücher erschienen, darunter „Jeansgröße 0“ und „Böses Spiel“. Ihnen gemein ist, dass fast immer ein junges Mädchen in eine ausweglos scheinende Situation gerät – durch falsche Freunde, den Druck ihres Umfelds, zu hohe Erwartungen und fehl geleitete Ambitionen. Es sind Mädchen aus ‚normalen’ oder ‚besseren’ Verhältnissen, die behütet aufwuchsen, schüchtern und naiv sind und darum zu leichten Opfern für die Verführer und Verführungen werden. Mal können sich die Eltern nicht ausreichend um sie kümmern, mal tun sie es im Übermaß. In Folge sind die Handlungen der Teenager Reaktionen, z. B. die Suche nach einer Ersatzfamilie oder –befriedigung bzw. ein Ausbruch und der Versuch, sich zu beweisen.

Als Leser weiß man sogleich, dass sich die Protagonistin in große Schwierigkeiten manövrieren wird, und hilflos kann man bloß Seite für Seite umblättern – und das Buch erst aus der Hand legen, wenn man das Ende kennt. Während der Lektüre hat man das Gefühl, als schnüre einem eine unsichtbare Hand den Hals zu; so nahe geht einem die Geschichte. Dabei bemüht die Autorin sattsam bekannte Klischees: Mona wohnt in Bogenhausen, einem Stadtteil Münchens, das wie die Maxvorstadt den ‚Reichen’ und ‚Berühmten’ vorbehalten ist, während Mirko, vom Hasenbergl stammt, einem Krisenherd wie Perlach. Natürlich kann niemand etwas für die Gegend, in der er wohnt, oder für seine Nachbarn, aber die Wahl ist schon sehr bezeichnend. Zudem spielt in Monas Familie Geld keine große Rolle, während Mirko sich als Kind einer Problemfamilie outet und auch sprachlich seine Herkunft verdeutlicht. Dass die ‚Vorzeige-Familien’ ebenfalls Probleme kennen, wird zwar immer wieder betont (der Vater, der ins Bett seiner Tochter schlüpft, die Drogenprobleme von Star-Kindern usw.), geht aber in der vordergründigen Erzählung etwas unter.

Trotzdem die Handlung wirklich einfach gestrickt ist und die allgemeinen Vorstellungen bestätigt, funktioniert die Geschichte und wirkt eindringlich. Freilich sind Drogen nicht erst seit den letzten Jahren ein ernstzunehmendes Problem, nur wurde früher nicht im gleichen Maße darüber geschrieben („Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“), und vielleicht war die Welt doch etwas heiler. Der Druck auf Kinder und Jugendliche ist in den letzten zwanzig Jahren gewaltig gewachsen (gute Noten bereits in der Grundschule, der angestrebte Wechsel an eine höhere Schule, ein guter Abschluss, eine Ausbildungsstelle oder ein Studienplatz mit Aussicht auf einen guten Job – hohe Erwartungen seitens der Familie, die Rivalität mit Gleichaltrigen, Ablenkung durch die modernen Medien/Freizeitstress…). Wer selber Kinder hat, die hin und wieder erwähnen (aber den Eltern natürlich nie alles erzählen), dass Mitschüler etwas einnehmen, ahnen, dass dies nur die Spitze vom Eisberg ist und die Schwierigkeiten gravierender sind, als befürchtet.

Wer kann schon ausschließen, dass er oder eine ihm nahe stehende Person nicht selber in eine Situation gerät, die ihn zu Dingen zwingt, die er sich überhaupt nicht hätte vorstellen können? Genau das passiert Mona und wahrscheinlich vielen anderen jungen Menschen. Die Warnsignale werden übersehen, die Hilfen sind begrenzt, die Täter sind mit ihren Möglichkeiten der Justiz oft einen Schritt voraus. Kein Wunder, dass sich die Protagonistin nach schlechten Erfahrungen auf Mirkos Forderungen einlässt, um ihre Mutter zu schützen. Und nicht immer passiert wie im Roman etwas, das dem Opfer die Augen öffnet und ihm die Kraft gibt, die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

„Party Girl“ ist trotz der Klischees erschütternd und ergreifend – eine empfehlenswerte, hoffentlich aufklärende Lektüre für Teenager, die auch im Unterricht eingesetzt werden kann. Wer das Buch gelesen hat, wird es nicht so schnell vergessen.

Copyright © 2010 Irene Salzmann
 
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