Secret Book for Girls – Das einzig wahre Handbuch für Mütter und ihre Töchter

secret-book-for-girls1Andrea J. Buchanan & Miriam Peskowitz
Secret Book for Girls – Das einzig wahre Handbuch für Mütter und ihre Töchter

The Daring Book for Girls, GB, 2007
cbj-Verlag, München, 1. Auflage: 9/2008
ISBN 9783570134979
HC, Sachbuch für Mädchen zu verschiedenen Themen
Ratgeber, Lexikon, Geschichte, Naturwissenschaft, Sport & Spiel, Handarbeiten
Aus dem Englischen von Martin Kliche
Titelgestaltung von Basic-Book-Design, Karl Müller-Bussdorf
Illustrationen im Innenteil von Alexis Seabrook
Abbildungen und Fotos aus verschiedenen Quellen

www.cbj-verlag.de
www.miriampeskowitz.com/
www.alexisseabrook.com/

Die Mütter und Großmütter von heute sind ganz anders aufgewachsen als nun ihre Töchter. Die Regeln und Pflichten, was ein Mädchen früher tun durfte oder musste und was nicht, waren strenger, die Freiheiten weniger. Nach der Schule half man beispielsweise durch Geschirrabtrocknen oder Aufpassen auf jüngere Geschwister, man las und bastelte oder spielte draußen und ließ seiner Phantasie freien Lauf, maß seine Kräfte und Kenntnisse im sportlich-spielerischen Wettstreit. Das Fernsehen war in zahlreichen Haushalten schwarz-weiß, es gab weniger als vier Programme, die erst am späteren Nachmittag starteten und um Mitternacht endeten. Auto und Telefon waren nicht selbstverständlich; ein eigener Plattenspieler und Kassettenrecorder galten als große Sache. Bekam man eine schicke Jacke oder Hose, die eine ältere Cousine abgelegt hatte und wie sie einem die Mutter bestimmt nicht gekauft hätte, freute man sich riesig.

Inzwischen wird die Freizeit nach der Schule von ehrgeizigen Sport- und Musikkursen bestimmt. Ohne telefonische Anmeldung und Terminvereinbarung sind Treffen untereinander kaum möglich. Internet-PC, iPod und Handy sind Standard in jedem Kinderzimmer; statt selber kreativ zu sein, lässt man sich rund um die Uhr von Radio- und TV-Sendern berieseln, chattet, tauscht sich per SMS aus, spielt PC-Games. Hippe Klamotten, möglichst angesagte Markenprodukte, und Make-up haben einen höheren Stellenwert denn je. Der kleine Wettstreit findet nicht mehr im Bereich ‚Wissen und Können’ statt, sondern das neueste Handy und die modischeren Stiefel zählen. War die Kindheit damals besser? Oder ist sie heute schöner? – Auf jeden Fall ist vieles anders. Die modernen Mädchen können sich vieles, woran sich die Erwachsenen noch gut erinnern, gar nicht vorstellen. Anderes, was früher noch gar nicht verfügbar war oder als etwas Besonderes galt, gehört zum Grundbedarf.

Zweifellos hätten die Mädchen, die vor 1990 geboren wurden, auch ihren Spaß an den Dingen gehabt, die man mittlerweile gar nicht mehr aus dem täglichen Leben wegdenken kann. In die andere Richtung zu blicken, scheint hingegen schwieriger zu sein. Aber was tun, wenn ein Stromausfall die ganze Unterhaltungselektronik längere Zeit lahm legt? Wie kann man sich beschäftigen, wenn die gewohnten Dinge nicht zur Verfügung stehen? Ist es wirklich unzeitgemäß, etwas zu können und zu wissen, was für die Mütter und Großmütter Gang und Gäbe war und was Gleichaltrigen mit begrenztem Horizont bestenfalls ein Schulterzucken entlockt?

Andrea J. Buchanan und Miriam Peskowitz, die Autorinnen von „Secret Book for Girls“, finden: Nein, man kann gar nicht genug wissen und können, egal, was die so genannten Freundinnen und Freunde sagen. Mit diesem Sachbuch soll jungen Leserinnen ab 8 Jahren Mut gemacht werden, damit sie selbstbewusst ihren eigenen Weg gehen, offen für alles sind und für sich Bereiche erschließen, die ihnen für immer fremd bleiben würden, wenn sie sich zu Einzelgängerinnen, deren bester Kumpel der PC ist, entwickeln würden. Darum findet man im vorliegenden Band mehrere Beispiele für ungewöhnliche Frauen aus allen Jahrhunderten, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten bis an die Grenzen der gesellschaftlichen Konventionen und darüber hinaus gingen, z. B. Kleopatra, Elisabeth I und Marie Curie. Auch den wenigen Piratinnen, berühmten Spioninnen und Frauen, die an der Spitze eines Staates (man beachte: Es gibt den Begriff ‚Staatsmann’, nicht aber die ‚Staatsfrau’ – und das Fehlen der weiblichen Form ist in vielen Bereichen traurige Tatsache!) gestanden haben oder noch stehen, sind Kapitel gewidmet.

Ferner vermittelt das Buch kurze Informationen – sie hätten durchaus länger sein dürfen – zu den Ländern der Erde, es wird erklärt, was Demokratie ist, worum es bei Zinsen und Aktien geht, einige der bekanntesten einheimischen Vogelarten werden vorgestellt, englische und französische Redewendungen sind einige Seiten wert, und das Periodensystem wird knapp erläutert. Darüber hinaus gibt es viele praktische Tipps zu Sport und Spiel, Basteln und Handarbeiten. Ball- und Hüpfspiele sind genauso vertreten wie Anleitungen zum Anfertigen von Papierfliegern, Buchumschlägen aus Stoff, Papier schöpfen und Reifen wechseln. Auszüge aus Gedichten, Theaterstücken, Liedern u. ä. sind ebenfalls vorhanden. Das alles und vieles mehr ist anschaulich erklärt, meist durch Illustrationen, Abbildungen und Fotos (oft in Farbe) ergänzt, so dass man sich Beschreibungen, wie man z. B. die Haare mit einem Bleistift aufsteckt oder Freundschaftsbänder knüpft, besser vorstellen kann.

Alles in allem ist „Secret Book for Girls“ ein interessanter Titel für aufgeschlossene Mädchen. Je jünger sie sind, umso eher dürften sie neugierig auf die hier gesammelten Anregungen sein. Auf jeden Fall werden viele Mütter beim Blättern in nostalgischen Erinnerungen schwelgen und womöglich noch mehr Spaß an dem Band haben als ihre Töchter. Wie so oft bei Büchern dieser Art sollte man das Kind, dem man den Titel mitbringen möchte, gut kennen, um zu wissen, ob man damit Freude bereitet oder nicht. Und probiert man die Ideen gemeinsam aus, dann ist das Vergnügen doppelt so groß.

Irene Salzmann (IS)

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