Spring in den Himmel

Lotte Kinskofer
Spring in den Himmel

dtv-Verlag/dtv junior, München, 01/2013
TB, dtv pocket 78271
Jugendbuch, Drama
ISBN 978-3-423-78271-5
Titelgestaltung von Balk & Brumshagen und Büro Jorge Schmidt, München unter Verwendung eines Fotos von plainpicture
Autorenfoto von Elisabeth Wiesner

www.dtvjunior.de
www.dtv-dasjungebuch.de
www.lotte-kinskofer.de

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Ausgerechnet als Jamina einmal ihre Fahrkarte vergessen hat, gerät sie in der U-Bahn an Kontrolleure. Unverhofft wird sie von einem gleichaltrigen Mädchen, das sich als Yo-Yo vorstellt, vor dem Bußgeld gerettet. Von diesem Moment an hat Jamina eine neue, äußerst unkonventionelle Freundin, durch die ihr geordnetes Leben viel bunter und aufregender wird. Aber so manches an Yo-Yo ist auch seltsam: ihre extremen Stimmungsschwankungen und die traurigen Geschichten, die sie erzählt, wenn sie nach einigen Tagen des Abtauchens wieder vor Jamina steht. Ob das wirklich alles wahr ist? Aber was wäre sie für eine Freundin, würde sie an Yo-Yo zweifeln und hinter ihr her schnüffeln! Schließlich gewinnt Yo-Yo sogar das Herz von Jaminas Eltern und ihrem kleinen Bruder Rafik und übernachtet regelmäßig in der kleinen Wohnung der Familie.

Doch zunehmend hat Jamina das Gefühl, dass sie immer mehr von Yo-Yo an den Rand gedrängt wird. Die Mitschüler finden ihre exzentrisch wirkende Freundin interessant, mit ihrer besten Freundin Sophia, die Yo-Yo nicht leiden kann, hat sie sich deswegen verkracht, die Eltern ergreifen im Zweifelsfall Partei des Gasts, Rafik ist ganz vernarrt in die neue Spielkameradin, selbst Jaminas Freund Alexander kritisiert sie, sobald sie ihm gegenüber andeutet, dass mit dem Mädchen etwas nicht stimmt, und hat immer weniger Zeit für Jamina…

Aber es kommt noch schlimmer. Yo-Yo liest Jaminas Tagebuch, in dem sie nicht allein die schönen Erlebnisse mit ihr festgehalten hat, aber Yo-Yo ist nicht bereit, das keimende Misstrauen zu zerstreuen, ihren wahren Namen und ihre wahre Geschichte zu verraten – im Gegenteil. Jaminas letzter Versuch, mit Yo-Yo zu reden, lässt die Situation unaufhaltsam eskalieren.

Welches Mädchen hatte nicht irgendwann eine Freundin, der es gern nachgeifert hätte, weil sie so viel mehr Selbstbewusstsein besaß und ein viel spannenderes Leben führte? Vielleicht ließ man sich sogar ein bisschen von ihr mitreißen, wurde dadurch selbst ein wenig abenteuerlustiger – aber das war auch schon alles. So muss es jedoch nicht immer ablaufen. In „Spring in den Himmel“ lernt die ruhige Jamina Yo-Yo kennen, die so ganz anders ist als sie selbst, praktisch das gegenteilige Extrem verkörpert. Während Jamina von dieser vermeintlich starken, lebenshungrigen Persönlichkeit fasziniert ist, erkennt sie lange nicht, dass Yo-Yo sie insgeheim um ihr geordnetes Familienglück beneidet.

Das Publikum mit Leseerfahrung ahnt, was nun kommt. Yo-Yo versucht, Jamina das wegzunehmen, was sie selbst gern hätte, und wenn das nicht funktioniert, dann will sie es zerstören. Sophia ist die einzige, die von Anfang an skeptisch ist und Jamina warnt, ihr sogar den Kontakt zu einem anderen Mädchen vermittelt, das eine ganz ähnlich bittere Erfahrung machen musste. Sie will aber immer noch nicht glauben, dass Yo-Yo und Moo ein und dieselbe Person oder zumindest ähnlich psychisch gestört sind. So gern sich Jamina jemandem anvertraut hätte, plötzlich ist sie ganz allein: Die Eltern hören ihr nicht zu und nehmen Yo-Yo ob ihrer Probleme in Schutz, für Rafik ist Jamina die Böse, weil sie Yo-Yo vertrieben hat, Alexander hat wegen der Abiturprüfung keine Zeit, Sophia ist in Urlaub gefahren, und das Verhältnis zu anderen Mitschülern ist nicht eng genug, um bei ihnen Hilfe suchen zu können.

Notgedrungen nimmt Jamina die Angelegenheit selbst in die Hand und muss noch so manche hässliche Überraschung verdauen, bevor sie die Wahrheit, die Yo-Yo zu verbergen versucht, wenigstens ansatzweise aufdeckt. Und selbst jetzt bleiben noch viele Fragen offen, allen voran: Welches ist Yo-Yos wahres Gesicht, welche der vielen ‚Wahrheiten‘ die echte? Natürlich steckt eine Tragödie hinter dem unberechenbaren Verhalten, und letztlich macht die Autorin daraus die Geschichte des ‚armen, reichen Mädchens‘: Eltern, die zwar reich sind, aber keine Zeit für die Tochter haben, der Verlust eines wichtigen Familienmitglieds – was ausreicht, dass die Pubertierende völlig den Halt verliert und sich in ein Leben flüchtet, das sie sich nach Bedarf zurechtbiegt und in dem sie sich nimmt, was sie will, ohne Rücksicht auf jene zu nehmen, die sie dadurch verletzt.

In seiner Eindringlichkeit erinnert das Buch an die Jugendromane von Brigitte Blobel („Jeansgröße 0“, „Böses Spiel“ etc.), die ebenfalls Themen aufgreift, die junge Leser bewegen, und ungeschönt schlimme Vorkommnisse schildert, welche jedem passieren können. Das Ziel der Autorinnen ist es, Geschehnisse, die oft totgeschwiegen werden, in Worte zu fassen und Betroffenen Mut zu machen, mit ihren Problemen möglichst schnell Hilfe zu suchen bzw. Beobachter dazu anzuhalten, diesen Menschen beizustehen, statt wegzusehen. Von daher möchte man „Spring in den Himmel“ einer Leserschaft ab 13 Jahre empfehlen. Vor allem Mädchen können sich leicht in Jaminas Situation hineinversetzen und dadurch vielleicht auch lernen, die echten von den falschen Freunden zu unterscheiden. Lotte Kinskofer schreibt lebendig und realistisch, so dass man den Band zweifellos ‚auf einen Rutsch verschlungen wird‘, da man einfach wissen möchte, wie er endet.

Die Handlung spielt in München, an tatsächlich existierenden Orten, wenngleich dem Lokalkolorit keine große Bedeutung zukommt; das alles könnte sich genauso in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder sonst wo ereignen. Auch hätte man durchaus die Protagonistinnen durch Jungen ersetzen können. Alles in allem ist „Spring in den Himmel“ ein fesselndes Jugendbuch, das man nicht so schnell vergisst und das sich auch als Lektüre im Schulunterricht sehr eignet!

Copyright © 2013 by Irene Salzmann (IS)

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