Stachelbeerjahre

Inge Barth-Grözinger
Stachelbeerjahre

Thienemann Verlag
ISBN 978-3-522-20081-3
Jugendroman
1. Auflage 18. Januar 2011
Empfohlenes Alter: 13-16 Jahre
Umfang: 352 Seiten, Hardcover

www.thienemann.de

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Zur Autorin:

Inge Barth-Grözinger, Jahrgang 1950, wurde in Bad Wildbad im Schwarzwald geboren. Seit 25 Jahren unterrichtet sie am Peutinger-Gymnasium in Ellwangen die Fächer Deutsch und Geschichte.

Zur Handlung:

Nach dem 2.Weltkrieg wachsen die beiden Schwestern Marianne und Sieglinde mit ihrer verwitweten Mutter im Hause der Großeltern auf. Marianne erkennt schon relativ schnell, dass sie nicht viele Gemeinsamkeiten mit ihrer restlichen Familie hat, zudem scheint ihre Großmutter nicht viel von ihr zu halten, während sie ihre ältere Schwester bevorzugt behandelt. Schon bald erfährt sie den Grund: Sie ist ein so genanntes Franzosenkind, da ihre Mutter sich nach dem Tod ihres Mannes im Krieg auf einen französischen Soldaten eingelassen hat, von dem sie nur den Namen kennt. Dies stürzt die junge Marianne in eine große Unsicherheit, da nun die Familie eigentlich nicht mehr wirklich ihre Familie ist.

Sie versucht sich mit anderen Dingen abzulenken, ist wissbegierig in der Schule, freundet sich mit den Nachbarsmädchen, von denen eine behindert ist, an und gestaltet sich so ihren eigenen Lebensweg. Ihr großes Ziel ist es, auf die weiterführende Schule gehen zu können, was für Kinder der Arbeiterklasse oft finanziell nicht möglich war. Während ihre Schwester immer mehr Ähnlichkeiten der Mutter annimmt und in der Schule keinen großen Sinn erkennt (man heiratet ja eh), der Großvater seinen Frust an den Kaninchen auslässt und einen Tunnel aus Angst vor der Atombombe gräbt, die verbitterte Großmutter seit dem Tod des Sohnes keine richtige Lebensfreude mehr findet und alles Neues argwöhnisch und kritisch beäugt und die Mutter zwanghaft versucht, durch abendliche Besuche des Cafe Wiesler den richtigen zahlungskräftigen Mann zu finden, betrachtet die kluge Marianne ihr Umfeld mit sehr wachen Augen.

Sie findet einen Koffer voll Bücher auf dem Dachboden und vertieft sich in der literarischen Welt, immer unterstützt von ihrem Lehrer, der ihr weiteres Lesefutter besorgt. Eines Tages vermietet die Großmutter – unwissend, wer dort kommen mag – ein Zimmer im Haus an den attraktiven italienischen Gastarbeiter Enzo, der mit seinem südländischen Temperament zunächst frischen Wind in die eingefahrene Familienstruktur bringt. Doch er versteht es nicht nur, in kurzer Zeit die Mutter zu vereinnahmen, sondern fängt auch parallel etwas mit Sieglinde an…und bahnt eine Katastrophe an. Doch hieraus soll auch Marianne ungeahnt einen Nutzen ziehen können…         

Mein Fazit:

Dieses Buch hat mich sehr begeistert, da es mich als Leserin in die 50er Jahre mit vielen Details und in die damalige Stimmung versetzt. Die Probleme der Nachkriegszeit, der Umgang der Menschen untereinander, ihre scheinbar unerreichbaren Träume und Wünsche, das ewig fade Essen, fehlendes Geld und bescheidene Lebensverhältnisse spiegeln sich in diesem Buch sehr gut wieder. Man sieht die Familie Holzer in all ihren Facetten förmlich vor sich, ekelt sich wie Marianne vor dem Geruch des gekochten Kaninchens und versteht auch die Suche der Mutter nach Liebe und dem Wunsch, versorgt zu sein und sich als ehrbare Frau dem bösen Gerede der „Leute“ zu entziehen. Man teilt die Freude über den ersten Fernseher, den die Nachbarn erwerben, erinnert sich hierbei an die Fußball-WM 1954 mit dem Wunder von Bern und beobachtet den Bau des ersten Kinos in der Stadt mit.

Doch zu allem kann man sich gut in die Gefühlswelt der Menschen hineinversetzen, die versuchen, mit dem langsamen Aufschwung klarzukommen. Wohnungen für Aussiedler werden unter dem neidischen Auge errichtet, der Schuldirektor bekommt ein neues Haus mit einem gekachelten Badezimmer und in dieser Euphorie kehren als totaler Gegensatz Kriegsgefangene nach Jahren in Russland heim und stellen fest, dass sie sich in diese Art von Leben mit ihren Erlebnissen schlecht einfügen können. Ein Stück Zeitgeschichte Deutschland, das hier im Rahmen der Familie Holzer und den aufmerksamen Beobachtungen Mariannes vermittelt wird. Zur Untermalung der geschichtlichen Daten befindet sich am Ende des Buches eine Liste, in der alle wichtigen Ereignisse zeitlich festgehalten sind. Diese findet man auch grob als Hintergrund im Roman „Stachelbeerjahre“ wieder.
   
Copyright © 2011 by Sandra Stockem

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