Tote Mädchen lügen nicht

Jay Asher
Tote Mädchen lügen nicht

Thirteen Reasons Why, USA, 2007
cbt-Verlag, München, 3. Auflage: 3/2009
HC mit Schutzumschlag, Jugendbuch, Drama, Thriller, 978-3-570-16020-6, 284/1494
Aus dem Amerikanischen von Knut Krüger
Titelgestaltung von zeichenpool, München unter Verwendung eines Motivs von shutterstock
Autorenfoto von Jayson Mellom

www.cbt-jugendbuch.de
www.myspace.com/jay_asher
www.thirteenreasonswhy.com/
www.zeichenpool.de/
www.shutterstock.com/

Als Clay Jensen ein Paket ohne Absender erhält, ahnt er nicht, dass seine nächsten Stunden der reinste Horror-Trip werden. In dem Karton findet er 7 Audio-Kassetten mit 13 kurzen Geschichten, die von ebenso vielen Menschen erzählen, die eine Teilschuld am Tod von Hannah Baker tragen.

Clay ist verwirrt. Was wirft ihm das Mädchen vor, das er kaum kannte und in das er heimlich verliebt gewesen war? Ebenso wenig wie die anderen hatte er die Zeichen erkannt, die den Selbstmord ankündigten. Hat er unwissentlich einen Fehler begangen und sie in den Tod getrieben? Hätte er den Suizid verhindern können? Von Schuldgefühlen und Ängsten geplagt, hört Clay ein Tape nach dem anderen, besucht die Schauplätze der Tragödie und setzt das Puzzle Stück für Stück zusammen.

Hannah war erst vor wenigen Monaten mit ihren Eltern hergezogen. Schon bald gab es Gerüchte, denen sie einen gewissen Ruf verdankte – aufgebracht von falschen Freunden, sensationslüsternen Mitschülern und solchen, die Hannah als Werkzeug für kindische Racheaktionen und egoistische Ziele missbrauchten. Es fing harmlos an und steigerte sich weiter und weiter, bis Hannah keinen anderen Ausweg mehr sah, denn auch sie hatte plötzlich Schuld auf sich geladen…

„Tote Mädchen lügen nicht“ ist ein ergreifendes Drama, das schildert, wie ein junges Mädchen in den Suizid getrieben wird.

Wie so oft beginnt alles ganz harmlos mit Freundschaften, Scherzen, Eifersüchteleien und Rache. Die Spirale hört jedoch nicht auf, sich für die Protagonistin immer weiter abwärts zu drehen, denn andere, die mit dem Konflikt gar nichts zu tun haben, schenken den Gerüchten Glauben, tragen selber noch ihren Teil zu den Lügen bei, um im Rampenlicht stehen zu können, oder sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, zu gedankenlos, um die ersten stummen Bitten um Hilfe zu hören.

Als sich endlich jemand unvoreingenommen mit Hannah unterhält, ist es bereits zu spät. Längst kann sie nicht mehr ertragen, beschmutzt worden zu sein, obwohl nie etwas passiert ist, das man ihr zum Vorwurf hätte machen können – und es kommt noch schlimmer: Nachdem sie selber zweimal versäumte einzugreifen, als sie eine Vergewaltigung und einen Unfall mit Todesfolge hätte verhindern können, macht sie sich den Vorwurf, keinen Deut besser zu sein als jene, die Gerüchte über sie verbreiteten, als Spanner vor ihrem Fenster lauerten oder sie als leichte Beute betrachteten.

Mit ihren letzten Handlungen bestraft sie sich selbst und bedient sich dabei anderer genauso, wie sie selber immer wieder benutzt wurde. Sie lässt die Situation gezielt weiter eskalieren, da sie nicht mehr gerettet werden will. Der letzte Versuch, der Spirale zu entrinnen, ist nicht wirklich einer; vielmehr holt sich Hannah bei der Gelegenheit die Bestätigung, dass ihr Vorhaben richtig sei.

Clay ist nicht der Einzige, der die Kassetten hören muss. Jeder Beteiligte soll das Paket an den nächsten in der Liste weiterreichen, und es gibt sogar jemanden, der darüber wacht, dass Hannahs letzter Wille ausgeführt wird. Dreizehn Menschen sind gezwungen zu erfahren, warum sich die Mitschülerin umbrachte und auf welche Weise jeder von ihnen involviert ist. Für einige sind die Gemeinheiten und das Fehlverhalten nur peinlich, andere dagegen haben eine Straftat begangen oder sich unterlassener Hilfeleistung schuldig gemacht und müssen damit zurechtkommen, dass sie Mitwisser haben. Welche Konsequenzen jeder daraus ziehen wird, bleibt offen.

Clay ist nach den Enthüllungen zutiefst erschüttert, obwohl seine Rolle eine ganz andere war und er nur in Bruchstücken das eine oder andere geahnt hatte. Das macht es jedoch nicht einfacher für ihn. Er hätte helfen können, aber Hannah lehnte ab, und er war nicht beharrlich genug. Somit ist auch sein Gewissen belastet, doch hat er daraus gelernt, um den gleichen Fehler kein zweites Mal zu begehen.

Das Buch ist düster, intensiv und sehr verstörend. Der Autor weist niemandem an dem Selbstmord eindeutig die Schuld zu, denn erst die Summe der Ereignisse trieb Hannah zu diesem Schritt. Man darf spekulieren, ob ihr rechtzeitig geholfen worden wäre, wenn sie sich jemandem anvertraut hätte – anders als viele Mobbing-Opfer war sie nicht isoliert, sie erkannte die Situation und hätte Möglichkeiten gehabt.

Stattdessen ließ sie sich treiben, steigerte sich in die Opferrolle hinein, lehnte jegliche Hilfe ab und forcierte das Ende sogar noch, nachdem sie ihre Entscheidung gefällt hatte.

Der Roman ist nicht einfach zu lesen, denn es gibt zwei Ich-Erzähler: Hannahs Schilderungen in kursiver Schrift wechseln sich mit den Gedanken von Clay ab, der alles, was er erfährt, reflektiert und stellenweise einen stummen Dialog mit der Toten führt. Da viel Aufmerksamkeit erforderlich ist, wird man nicht zu sehr in die Handlung hineingezogen; man soll sich auch gar nicht mit den Beteiligten identifizieren, sondern Distanz wahren und nüchtern beobachten, um eigene Schlüsse ziehen zu können.

Trotzdem ist der Band ein Pageturner. Man kennt das Resultat, will aber wissen, wie es zu der Tragödie hatte kommen können.

Zweifellos gehört „Tote Mädchen lügen nicht“ zu den Titeln, die man nicht so schnell vergisst. Sie erschüttern ohne billige Horror-Effekte und sollen sensibilisieren, damit niemand die Augen verschließt, wenn sich im Umfeld ein vergleichbares Drama langsam aufbaut.

Der Band wendet sich an Mädchen und Jungen ab 14 Jahren und ist auch als Schullektüre sehr zu empfehlen. (IS)

Titel bei Amazon.de
Tote Mädchen lügen nicht

BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
.
www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
.
Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
.
Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
.
Die Gewinner der Preisrätseltitel:
.
1. Joachim Bargen
2. Josef Scherreiks
3. Christof Mühlenweg
.
Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.