Waldesruh

waldesruhSusanne Mischke
Waldesruh

Arena Verlag Würzburg, 1. Auflage: 1/2009
PB mit Klappbroschur, Jugendbuch, Thriller, Drama
ISBN 9783401063362
Titelgestaltung von Frauke Schneider unter Verwendung eines Fotos von gettyimages

www.arena-verlag.de
www.susannemischke.de

Nach dem Umzug freundet sich die 14-jährige Emily mit Marie an, die wie sie ein Außenseiter in der Klasse ist, denn das jüngere Mädchen durfte eine Klasse überspringen. Marie lebt mit ihrer älteren Schwester Janna und dem kleinen Bruder Moritz bei der Großmutter in einem abgelegenen Haus am Waldrand. Emily weiß nur, dass der Vater der Kinder tot ist und über die Mutter ungern gesprochen wird. Als Emily Marie unangemeldet besucht, trifft sie die Geschwister im Schockzustand an: Die Oma liegt nach einem Herzanfall tot im Garten! Wenn sie den Vorfall melden, müssen Janna, Marie und Moritz in ein Heim oder zu Pflegeeltern, was sie nicht noch einmal durchmachen möchten. Marie hat eine Idee: Wenn sie die Oma im Wald beerdigen, können sie vielleicht so weiterleben wie bisher, bis Janna in zwei Jahren alt genug ist, die Vormundschaft zu beantragen.

Emily schwört, dass sie niemandem etwas verraten wird, denn auch sie möchte nicht von Marie getrennt werden. Zum Glück beginnen gerade die Sommerferien, die Eltern begeben sich für vier Wochen auf eine Segeltörn, und Emily kann durchsetzen, dass sie diese Zeit bei ihrer Freundin verbringen darf, denn sie will die drei nicht im Stich lassen. Schon bald merken die Kinder, dass es gar nicht so einfach ist, den Schein der Normalität zu wahren, denn es gibt lästige Pflichten zu erfüllen, das Haus und der Garten dürfen nicht verwahrlosen – und obwohl sie alle dasselbe wollen, gibt es regelmäßig Zoff, weil sich Janna teure Klamotten kauft, die sie ihren Geschwistern nicht bewilligt, oder mit Freunden eine Party im frisch renovierten Haus feiert und die älteren Jungen Moritz Bier geben. Aber es kommt noch schlimmer, denn ‚der schwarze Mann’, von dem Moritz erzählt hat, ist kein Hirngespinst, sondern ein Obdachloser, der sich bei den Kindern einnistet, sehr wohl wissend, dass sie die Polizei nicht einzuschalten wagen. Was hofft er, in dem Haus zu finden? Glücklicherweise können die Kunstlehrerin Frau Kramp und ihr Hund Ringo den unerwünschten Gast verscheuchen. Aber er kommt wieder, diesmal mit einer Waffe…

Das Buch ist wirklich voll gepackt mit Inhalt; es gibt keinen Moment Leerlauf. Ständig passiert etwas, das das Leben der Kinder durcheinander wirbelt, und man fragt sich, wie lange sie die Täuschung aufrechterhalten können, bis die Ausreden nicht mehr geglaubt werden von Lehrern, Verkäufern und anderen Personen, die die Großmutter, so zurückgezogen sie auch gelebt haben mag, kannten, ihnen ein Fehler unterläuft oder etwas passiert, das Janna und Marie überfordert. Spätestens als der vermeintliche Landstreicher auftaucht, fühlt man sich an den Film „Das Mädchen am Ende der Straße“ (1976, mit Jodie Foster und Martin Sheen) erinnert, denn die Handlung schlägt eine vergleichbare Richtung ein. Allerdings setzt die Autorin noch gewaltig eins drauf: Die vier Kinder, die schließlich noch Unterstützung von Jannas Freund Alex bekommen, legen sich mit Gangstern an, Moritz wird entführt, und sogar die Nazis kommen ins Spiel.

Natürlich ist die Story spannend, und man möchte das Buch nicht aus der Hand legen, bevor man die letzte Seite gelesen hat, aber das alles ist doch schon sehr dick aufgetragen – als ob die Kinder nicht schon genug Probleme hätten, ihr Leben nach dem plötzlichen Tod der Großmutter in den Griff zu bekommen. Die Mädchen befinden sich voll in der Pubertät, müssen füreinander Verantwortung übernehmen und sehr schnell erwachsen werden. Bald traumatisiert ein zweiter Todesfall alle vier, und die Situation eskaliert immer weiter. Am Schluss scheint es keinen Ausweg mehr aus dem Desaster zu geben – aber „Waldesruh“ ist eine Lektüre für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren, so dass man kein großes Geheimnis verrät, wenn man preisgibt, dass Deus ex Machina zur Rettung kommt. Die Lösungen sind manchmal schon etwas zu unkompliziert und die Fügungen zu glücklich. Die Kinder agieren einerseits sehr naiv, dann wieder tough und unbeeindruckt von der Tragweite ihres Tuns. Überdies verfügen sie über Talente, die ihnen weiterhelfen und sie zeitweilig wie kleine Superhelden erscheinen lassen.

Klar, junge Leser bevorzugen Lektüren, in denen die Erwachsenen den Hauptfiguren nicht im Weg stehen oder ihnen unterlegen sind, die Story muss spannend, rasant und frei von ausufernden psychologischen Analysen sein, die Protagonisten sollen sympathisch sein und zur Identifikation einladen. All diese Anforderungen erfüllt „Waldesruh“, aber ein bisschen weniger wäre in diesem Fall mehr und glaubwürdiger gewesen. Trotzdem wird man von dem Thriller sehr gut unterhalten, da die dramatische Geschichte jeden Leser schnell in den Bann zieht, so dass man leicht über diese kleinen Schwächen hinweg sehen kann. Vor allem Leserinnen, die zeitgenössische Romane und das Genre Krimi/Thriller schätzen, kommen auf ihre Kosten. (IS)

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