Wenn er kommt, dann laufen wir

wenn-er-kommt-dann-laufen-wirDavid Klass
Wenn er kommt, dann laufen wir

Dark Angel, USA, 2005
Arena Verlag, Würzburg, 2006, 2. Auflage: 1/2008
TB 50018, Jugendbuch, Thriller, Drama
ISBN 9783401500188
Aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst
Titelgestaltung von Frauke Schneider

www.arena-verlag.de

Das ruhige Leben in dem verschlafenen Küstenstädtchen Pineville nimmt für Jeff und seine Eltern ein jähes Ende: Troy, der ältere Bruder von Jeff, der wegen Mordes eine lange Zeit im Gefängnis absitzen sollte, kommt überraschend nach nur fünfeinhalb Jahren frei. Während die Eltern glauben, dass Troy genug gelitten hat und eine zweite Chance verdient, bleibt Jeff misstrauisch. Er ist überzeugt, dass sich sein Bruder nicht geändert hat und durch sein angepasstes Verhalten alle um den kleinen Finger zu wickeln versucht. Zunächst soll Troy nur wieder auf die Füße kommen. Was hat Pineville auch schon einem hoch intelligenten jungen Mann zu bieten? Eher früher als später wird er sich eine Existenz in einer Großstadt aufbauen wollen und seine Familie zurücklassen. Aber weit gefehlt! Troy findet einen Job und nimmt sich bald darauf im Nachbarort ein Zimmer.

Für Jeff werden die schlimmsten Befürchtungen wahr: Nachdem er seiner Freundin Beth die Wahrheit über Troy erzählte, verbietet der Vater dem Mädchen den weiteren Umgang mit Jeff. Als nach einem Streit mit den Brüdern ein Mitschüler spurlos verschwindet, fällt der Verdacht sofort auf Troy. Die Presse deckt seine Vergangenheit auf, und für die Familie beginnt eine harte Zeit, denn selbst gute Freunde und Nachbarn wenden sich von ihnen ab. Jeff begreift, dass Troy ihr Leben zerstören wird, wenn ihn niemand aufhält. Aber der Vater schließt die Augen, die kränkelnde Mutter flieht mit Hilfe von Tabletten in ihre eigene kleine Welt, und Jeff ist weder stark noch gerissen genug, um es mit seinem Bruder aufnehmen zu können. Trotzdem wagt Jeff einen Vorstoß, um herauszufinden, was Troy plant. Damit geht das Katz’ und Maus-Spiel erst richtig los…

„Wenn er kommt, dann laufen wir“ ist ein spannender Thriller für Jungen und Mädchen ab 12 Jahren. Aus der Perspektive des 17-jährigen Jeff wird aufgerollt, was die Familie durchmachen musste, seit Troy immer unberechenbarer wurde und schließlich einen Jungen tötete. Kaum ist er wieder zu Hause, scheint sich das Drama zu wiederholen. Die Polizei und viele Bekannte glauben, dass Troy am Verschwinden eines Schülers Schuld ist und seine Angehörigen Mitwisser sind. Selbst als neue Beweise Troy entlasten, kehrt keine Ruhe ein. Das liegt auch an Jeff, der sein Misstrauen nicht ablegen kann. Mag man anfangs noch geglaubt haben, dass der Jüngere übertreibt und sich vieles einbildet, so wird man bald schon eines Besseren belehrt. Es sind nur Kleinigkeiten, die gerechtfertigen, das Jeff auf der Hut ist, und als er die Zusammenhänge endlich erkennt, ist die Tragödie nicht mehr aufzuhalten. Das Ende überrascht und setzt einen realistischen und gelungenen Schlusspunkt.

Als Leser wird man schnell in die Handlung hinein gezogen, denn das Milieu ist vertraut, die Protagonisten sind sympathisch und nachvollziehbar. In das Idyll einer kleinen Ortschaft zieht eine Bedrohung ein – real oder nicht? Nur langsam eskaliert die Situation, denn vor allem die Konsequenzen für die Betroffenen werden beschrieben, und erst später wird enthüllt, was tatsächlich passiert ist. Die Angst um die Menschen, die ihm wichtig sind, aber auch der Rat eines Lehrers und Vorfälle an der Schule, die den Rahmen eines harmlosen Scherzes sprengen, lassen Jeff den Mut finden, etwas zu unternehmen. Dadurch mutiert er keineswegs zum Helden, denn auf das komplizierte Spiel, durch das er Troy in Widersprüche verwickelt und ihm einige Male die Maske abreißt, folgen die Erkenntnis und dann eine Art Kurzschlussreaktion.

Troy wird als Einzelfall und losgelöst von anderen Straftätern behandelt. Der Protagonist erweist sich als skrupelloser, verbitterter Blender, denn er nutzt seine Intelligenz und seine Erfahrungen, um seine Situation zu verbessern. Reue, Einsicht und den Wunsch, sich zu ändern, zeigt er nicht. Der Autor will allerdings nicht verallgemeinern, sondern anregen, über Gut und Böse und die Konsequenzen nachzudenken. Der Roman ist flüssig und packend erzählt. Bis um Schluss nimmt die Spannung kontinuierlich zu, und auch das Ende überzeugt. Schätzt man realistische Thriller, dann wird man von „Wenn er kommt, dann laufen wir“ bestens unterhalten. (IS)

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Wenn er kommt, dann laufen wir

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