Wir beide, irgendwann

Jay Asher & Carolyn Mackler
Wir beide, irgendwann

(sfbentry)
The Future of Us, USA, 2012
cbt-Verlag, München, 08/2012
HC mit Schutzumschlag
Jugendbuch, Drama, Romance, SF
ISBN 978-3-570-16151-7
Aus dem Amerikanischen von Knut Krüger
Titelgestaltung von N. N.

www.cbt-jugendbuch.de
www.wir-beide-irgendwann.de
www.facebook.com/wir.beide.irgendwann
http://jayasher.blogspot.de/
www.carolynmackler.com/

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„Ich lasse die Maus um den Bildschirm kreisen, verwirrt von der Vielzahl an Fotos und Mitteilungen. Ich hab keine Ahnung, was all diese Dinge zu bedeuten haben: „Status“, „Freunde finden“ und „anstupsen“. Dann entdecke ich etwas direkt unter dem blauen Balken, das mich stutzen lässt. Neben dem kleinen Porträt einer Frau, die an einem Strand sitzt, steht „Emma Nelson Jones“. Die Frau ist in den Dreißigern, hat lockige braune Haare und braune Augen. Ein eigenartiges Gefühl überkommt mich, weil diese Frau mir vertraut erscheint.
Allzu vertraut.” (Sonntag, 1://Emma)

Es ist 1996. Die Verbreitung des Internet steckt noch in den Kinderschuhen, und die Internetprovider der ersten Stunde werben mit Installations-CD-ROMs und damit verbundenen freien Onlinestunden als Postwurfsendungen um Kunden. Emma Nelson ist 16 Jahre alt. Urplötzlich steht Emmas Nachbar und Jugendfreund Josh mit einer AOL-CD-ROM vor der Tür. Josh, der sie gemieden hat, seit er nach einem Besuch von „Toy Story“ Emmas Anlehnungsbedürfnis falsch interpretiert hat. Er hat erfahren, dass Emma von ihrem Vater einen neuen PC bekommen hat, nachdem dessen neue Frau ihm ein Kind geschenkt hat. Nach der Installation der Internet-Software öffnet sich eine Webseite namens „Facebook“, die Emma sogleich Daten einer gewissen Emma Nelson Jones anzeigt, die zufällig dieselbe Highschool besucht hat wie sie selbst, dieselben Gerichte und Filme mag wie sie und deren Foto ihr sogar verblüffend ähnlich sieht. Nur ist Emma Nelson Jones 31, ihre Abschlussklasse der High School ist 1997. Und diese Emma Nelson Jones scheint alles andere als glücklich zu sein. Langsam begreift Emma, dass sie hier einen Blick in die Zukunft erhält. Eine mögliche Zukunft, wie sich herausstellt, denn ihr Profil ändert sich von Tag zu Tag. Ist es ihr möglich, ihre unglückliche Zukunft durch gegenwärtige Handlungen quasi vorab ungeschehen zu machen? Emmas einziger Vertrauter in dieser Sache ist Josh, dessen verlässliche Nähe und Vertrautheit ihr nun mehr als gut tut. Sein zukünftiges Facebook-Profil enthüllt allerdings, dass er in 15 Jahren mit dem begehrtesten Mädchen der Schule glücklich verheiratet sein wird.

„Es sieht so aus, als habe Emma diese Webseite als Hausaufgabe erstellt und sich dafür ihre Fantasiezukunft ausgedacht. Dort heißt es, Emma Nelson Jones sei mal auf unsere Highschool gegangen und habe später einen Mann namens Jordan Jones Jr. geheiratet. Der Name ihres Ehemanns hört sich ziemlich erfunden an, aber zumindest hat sie sich nicht Emma Nelson Grainger genannt, nach diesem Leichtathletik-Typ. Oder Emma Nelson Wilde, nach ihrem momentanen Freund. Apropos Graham, wollte sie nicht längst mit ihm Schluss machen?“ (Sonntag, 2://Josh)

Nachdem Emma festgestellt hat, dass sich ihre Profilangaben von einem auf den anderen Tag geändert haben, ist sie überzeugt davon, dass sich die Zukunft durch ihre Entscheidungen in der Gegenwart beeinflussen lässt. Doch Emma wird durch die neuen Erkenntnisse immer unsicherer und beginnt fast verzweifelt, ihre gegenwärtigen Handlungen auf ihre Wirkung in der Zukunft hin zu planen. Warum sollte sie es nicht riskieren, ihren Schwarm Cody anzusprechen, der sie kürzlich das erste Mal auf dem Flur gegrüßt hatte? Sie könnte die Auswirkungen ja auf Facebook verfolgen. Doch da sind ebenfalls ihre verwirrenden Gefühle für Josh. Die Tatsache, dass er mit Sydney verheiratet sein wird, berührt sie mehr, als sie sich und ihm eingestehen will. Und warum ist es ihr unangenehm, dass er sie mit ihrem derzeitigen Freund in trauter Zweisamkeit sieht? Josh dagegen wird durch die Weissagung, einst das begehrteste Mädchen der Schule zur Frau zu haben, immer selbstsicherer, verhält sich dem entsprechend, was ihm nochmals die erhöhte Aufmerksamkeit seiner Mitschülerinnen einbringt.

„Wir beide, irgendwann“ spielt mit der fast klassischen Science Fiction-Prämisse, dass die Protagonisten irgendwie einen Blick in ihre Zukunft erhaschen, und mit der Frage, ob und wie diese zu beeinflussen ist. Hier wird das allseits bekannte soziale Netzwerk „Facebook“, das es freilich 1996 noch nicht gab, für Emma und Josh zu ihrer persönlichen Kristallkugel. Dankenswerterweise starten die beiden Autoren gar nicht den Versuch einer Erklärung, wie denn eine Facebook-Seite 15 Jahre in die Vergangenheit reisen kann. Dies muss einfach hingenommen werden, um diese außergewöhnliche Liebesgeschichte zu erleben. Der große Reiz der Geschichte liegt darin, dass die einzelnen Kapitel abwechselnd aus den Ich-Perspektiven von Emma und Josh erzählt werden, wobei Jay Asher („Tote Mädchen lügen nicht“) und Carolyn Mackler sich die beiden Protagonisten geteilt haben dürften (laut. Interview auf www.randomhouse.de allerdings mit nachträglicher gemeinsamer Überarbeitung der einzelnen Kapitel).

Aus der Verquickung dieser unterschiedlichen Sichtweisen ergibt sich – auch wenn das Happy-End von Anfang an fast schon vorgeschrieben ist – schließlich die kurzweilige Spannung des Romans, dessen Frage nicht lautet, ob, sondern wie sich Emma und Josh trotz einiger Irrwege schließlich doch kriegen. In diesem Zusammenhang ist der deutsche Titel „Wir beide, irgendwann“ auch deutlich vielsagender und passender als der eher nüchterne Originaltitel „The Future of Us“. „Wir beide, irgendwann“ richtet sich primär an Teens ab 12 Jahre, eben die ‚Generation Facebook‘. Doch auch ältere Leser – speziell diejenigen, die 1986 im Alter von Emma und Josh waren und sich an die ersten Stunden des öffentlichen Internets erinnern können – werden ihren Spaß an der Geschichte haben. Dass der Roman für beide Altersgruppen durchgehend sympathisch daherkommt, ist vor allem den liebevoll und nachvollziehbar gezeichneten Figuren geschuldet. Fast jeder ältere Leser wird zurückblicken und einige Szenen aus seiner eigenen Jugend, der Sturm-und-Drang-Zeit verwirrender Gefühle, wiedererkennen.

Vorhersehbare, aber kurzweilige und sehr sympathische Teen-Love-Story mit SF-Touch und einigen Irrungen und Wirrungen der Gefühle. Außerdem gefällt die Idee, die Ereignisse abwechselnd aus Sicht der beiden Hauptpersonen zu erleben.

Copyright © 2013 by Elmar Huber (EH)

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