Blumen für sein Grab

Ann Granger
Blumen für sein Grab
(Mitchell-&-Markby-Serie, Bd. 7)

Originaltitel: Flowers for His Funeral (London : Headline 1995)
Übersetzung: Axel Merz
Deutsche Erstausgabe: Oktober 2002 (Bastei-Lübbe-Verlag/Allgemeine Reihe 14787)
397 S.
ISBN-13: 978-3-404-14787-8
eBook: März 2011 (Bastei Entertainment)
3516 KB
ISBN-13: 978-3-8387-0694-8

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Das geschieht:

Mit seiner neuen Lebensgefährtin Meredith Mitchell besucht Chief Inspector Alan Markby von der Kriminalpolizei Bamford eine Blumenausstellung in London. Meredith trifft dort ihre Schulfreundin Rachel, die sich als Markbys erste Gattin entpuppt, von der sich dieser nicht friedlich getrennt hatte. Rachel ist heute mit dem reichen Geschäftsmann Alexis Constantine verheiratet und lebt auf Malefis Abbey, einem feudalen Landsitz in Lynstone, gar nicht weit von Bamford entfernt. Alex ist ein netter Mann, den Alan und Meredith nicht richtig kennenlernen, da er vor ihren Augen stirbt.

Die gramgebeugte Rachel bittet Ex-Mann und Freundin um Hilfe. Markby schlägt ein; er leidet darunter, dass der Mörder in seiner Gegenwart zuschlug und entkam, was ihm auch der mit dem Fall betraute Superintendent Hawkins unter die Nase reibt. Meredith hingegen wird von ihrem Arbeitgeber – sie arbeitet für das Außenministerium – um einen ‚Gefallen‘ gebeten: In Lynstone soll sie unauffällig Näheres über den verblichenen Constantine in Erfahrung bringen. Der hieß nämlich eigentlich Georges Wahid und stammte aus dem Nahen Osten, was die Behörden stets beunruhigt.

Meredith, die das Detektivspiel liebt, zieht bei Rachel ein. Markby quartiert sich in einem Hotel nieder. Gemeinsam erkundet man Lynstone, wo sich die Trauer um den freundlichen, spendablen Alexis und der Zorn auf seine hochmütige, bei der heimischen Männerwelt gar zu beliebte Gattin die Waage halten. Ganz oben auf der Liste der Verdächtigen steht Nevil, der von seiner Besitz ergreifenden Mutter unterdrückte Sohn der Tierpensionsbesitzerin Molly James. Oder treiben Terroristen aus Constantines dunkler Vergangenheit ihr Unwesen, wie der inzwischen ebenfalls angereiste Hawkins vermutet?

Eine neue, sinnlose Runde

Totgesagte leben bekanntlich länger. Manchmal müssen sie das sogar, denn man lässt sie nicht sterben, obwohl ihre Zeit sichtlich gekommen ist. Die Markby-&-Mitchell-Serie von Ann Granger gehört zu diesen bemitleidenswerten Patienten. Manchmal erhellt ein kurzer Hoffnungsstrahl das Elend – hier zuletzt Bd. 6 („Ein schöner Ort zum Sterben“), aber dann bricht sich altes Elend wieder oder sogar verstärkt Bahn.

In unserem Fall bedeutet dies eine logisch schwer nachvollziehbare ‚Überraschung‘, die den weiblichen Gaststar in die Ex-Gattin der männlichen Hauptfigur verwandelt, der gleichzeitig Lebensgefährte der weiblichen Primär-Figur ist. Wie sich im Verlauf der Geschichte herausstellt, ist diese abenteuerliche Konstruktion völlig unerheblich; der Plot hätte auch ohne funktioniert. Aber Granger bringt auf diese Weise ein, was ihr mindestens ebenso wichtig wie der Kriminalfall ist: Zwischenmenschliches, das unter ihrer Feder freilich umgehend in Gefühlsdusel und Herzschmerz gerinnt.

Bleiben wir zunächst beim Plot. Der wird von der Autorin mit fast verzweifelter Emsigkeit durch Sackgassen, falsche Fährten und Ablenkungsmanöver vernebelt. Das hat er auch bitter nötig, denn er ist, endlich aufgelöst, so schwachbrüstig und -sinnig, dass Kopfschütteln angesagt ist. Da funktioniert einfach gar keine ‚Erklärung‘ für das langatmig und spannungsarm entwickelte Geschehen, das bei aller Toleranz einem Feierabend-Krimi gegenüber die gleiche Wahrscheinlichkeit wie ein Science-Fiction-Roman beanspruchen kann. Nahost- und Serienkiller-Thematik werden jedenfalls nur um des Klischee-Effektes beansprucht.

Dusel-Wusel statt Krimi-Spannung

Geht solche Kritik nicht von einer falschen Voraussetzung aus? „Blumen für sein Grab“ ist kein ‚richtiger‘ Kriminalroman und soll auch gar keiner sein. Tatsächlich macht das weiter oben erwähnte Beiwerk den eigentlichen Roman: eine Liebesgeschichte mit harmlos-humorvollen Einschüben und sachten tragischen Spannungselementen. Unterhaltend, nicht aufregend im Sinne von erschreckend soll sie sein, wobei der achtsam gemiedene Schrecken offenbar auch aus jener inhaltlichen Originalität erwachsen kann, die man hier vergeblich sucht.

Also plätschert die Handlung für den einen belanglos dahin, während sie für den (bzwl vor allem die) andere/n eine ideale Feierabend-Lektüre darstellt, die seitenweise vor dem Einschlafen genossen werden kann, ohne dass man jemals in Gefahr geriete, am nächsten Abend den Faden zu verlieren. Alles ist voraussehbar, allerliebst zwitschern die Sommervöglein in traumhafter englischer Landschaft, züchtig umkreisen sich Markby & Mitchell, die beiden Königskinder, die nicht zueinander finden können – oder dürfen, weil unerfüllt bleibender Liebe ein dramatisches Potenzial innewohnt.

Womit wir bei unseren Hauptpersonen gelandet sind. Die hat man im siebten Band ihrer gemeinsamen Odyssee gründlich satt, denn es gibt keinerlei Weiterentwicklung. Markby ist der gutherzige Kerl, der seine kleine Welt und ihre kriminellen Elemente liebt, zu viel arbeitet und sich in halbherzig erwiderter Liebe zu seiner Meredith verzehrt. Die arbeitet weiterhin in London und bastelt feierabendlich an ihrem Bamforder Knusperhäuschen. Zwischendurch gerät sie wie üblich in allerlei kriminelles Treiben. Obwohl sie stets Stein und Bein schwört, es nie darauf anzulegen, sieht man sie umgehnd bei eigenen Ermittlungen. Im Hintergrund schimpft Alan, bis er schließlich doch an die Seite der Geliebten eilt, die mindestens einmal pro Fall in Lebensgefahr gerät (und sei es nur deshalb, weil sie sowohl den Täter/die Täterin, als auch ihre Leser im Großen Enthüllungs-Finale mit weitschweifigen Berichten über seine oder ihre Untaten zu Tode zu öden droht).

So geht es immer weiter, Band für Band. Notfalls müssen die Nebenfiguren für dringend nötige Ablenkung sorgen. Auf drollig-bauernschlaues Landvolk mag Granger auch dieses Mal nicht verzichten, aber es mischen sich sacht düstere Untertöne ein. Auch in der Provinz ist die Welt nicht mehr heil; eine Binsenweisheit, aus der sich einige Funken schlagen ließen, würde sich Granger nicht auch hier ausschließlich auf ausgefahrenen Gleisen bewegen. Die herrschsüchtige Mutter, die nur das Beste für ihren Sohn will; der verbitterte Greis, der seine Tochter verliert; die auch ihr Stück vom Glückskuchen wollte und es mit dem Leben büßen musste … So geht es klischeestark fort und fort, aber es lässt kalt, während das Zielpublikum wohlig seufzt und sich auf die Fortsetzung freut: ein Mirakel, das zumindest dieser Rezensent nicht auflösen kann!

Autorin

Patricia Ann Granger wurde 1939 in Portsmouth in England geboren. Sie studierte moderne Sprachen in London (Royal Holloway College), wurde Lehrerin und ging für ein Jahr nach Frankreich, wo sie ihre Muttersprache verbreitete. Da sie das nicht recht ausfüllte, arbeitete sie dann – Meredith Mitchell ward geboren! – für britische Konsulate in damals noch existierenden Ländern wie Jugoslawien, der Tschecholowakei sowie in Österreich.

Granger heiratete einen Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes und begleitete ihn u. a. ins afrikanische Sambia und nach Deutschland. Nach England zurückgekehrt (und inzwischen Mutter zweier Kinder) begann sie zu schreiben. Ann Granger begann nicht als Krimi-Autorin, sondern (unter dem Namen Ann Hulme) mit historisierenden Schmalzromanen, bis Granger im Jahre 1991 mit den „Mitchell-&-Markby“-Romanen der Durchbruch gelang.

Irgendwann fiel auch Ann Granger auf, dass sich diese nicht endlos strecken lässt Deshalb begann sie 1997 eine neue Serie um die erfolglose Gelegenheits-Schauspielerin und Muss-Geld-verdienen-Amateurdetektivin Fran Varady, deren Originalität sich jedoch ebenfalls in Grenzen hält. Mitchell & Markby fanden endlich in Band 15 ehelich zueinander und die Serie 2004 ein Ende, Fran Varady verstummte nach Band 7 drei Jahre später. Mitchell ersetzte sie durch das Detektivpaar „Ben & Lizzie“ (Plätscher-Krimi und Liebe im viktorianischen Zeitalter) bzw. die in den gegenwärtigen Cotswolds ermittelnden Inspector Jess Campbell und Superintendent Ian Carter.

Website der Autorin

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