Eisblut

eisblutMarina Heib
Eisblut
Christian Beyer 2

Piper Verlag, München, 7/2009
PB, Krimi
ISBN 9783492254038
Titelgestaltung von Büro Hamburg: Anja Grimm, Stefanie Levers
unter Verwendung eines Fotos von Hans Nelemann/Getty Images

www.piper.de

Müllbeseitiger finden eine übel zugerichtete Frauenleiche. Der Fall wird der Soko (Pete Altmann – Profiler, Eberhard Koch, Volker Jung, Yvonne – Assistentin), der früher Christian Beyer vorgestanden hat, übertragen. Mittlerweile ist er vom Dienst suspendiert. Pete, immer elegant im Designer-Anzug, hatte früher eine Affäre mit Anna Maybach, Psychologin und Ex-Geliebte von Christian, und ist bei der Soko nun Christians Nachfolger. Anna kehrt aus Kanada zurück nach Hamburg (besitzt eine kleine Stadtvilla im Generalsviertel) und wird von Pete am Flughafen abgeholt. Er bittet sie in dem neuen Fall um Hilfe, doch sie lehnt ab. Christian hat nach der Suspendierung den Kontakt zur Soko abgebrochen, außer zu Volker, mit dem er sonntags Schach spielt. Von ihm hört er auch von dem neuen Fall und dem Opfer: Uta Berger, eine 20jährige Studentin, die grauenvoll verstümmelt wurde.

Anna hat eine Dozentenstelle an der Uni angenommen und erfährt, dass der Toten Salz in die Wunden gerieben wurde und sie mittels Elektroschocks – auch an den Genitalien – gefoltert, sie vergewaltigt und ihr die Brustwarzen mit einer Schere abgeschnitten wurden. Unter ihren Studenten fällt ihr Martin Abendroth auf, der ihr gegenüber ein provokantes Auftreten an den Tag legt. Der attraktive junge Mann (Typ Jude Law) hat augenscheinliches Interesse an Anna, doch sie behandelt ihn distanziert und verweist ihn in seine Schranken. Christian besucht seine ehemaligen Kollegen der Soko, weil ihm diese Unterlagen des Falls geschickt haben, in der Hoffnung, dass ihn diese veranlassen würden, zur Soko zurückzukommen. Da Christian die Tote, durch seine Affäre mit deren Mutter kannte, brennt er tatsächlich darauf, den Mörder zu fassen. Er wird offiziell wieder eingestellt. Durch den Fall begegnen sich Anna und Christian wieder. Christian liebt Anna immer noch, und auch sie vermisst ihn und wäre gerne wieder mit ihm zusammen.

Uta Berger hat im Nebenfach Orientalistik studiert und ist kurz vor ihrem Tod in eine WG mit einem Paar gezogen. Dort findet die Soko ein Tagebuch der Ermordeten, das offenbart, dass die ermordete Studentin ein Doppelleben und eine SM-lastige Beziehung geführt hat. Ihre Mutter Manuela Berger, sucht nach dem Mord an ihrer Tochter Christian auf, mit dem sie vor Jahren eine Affäre hatte und für den sie ihre Familie aufs Spiel setzte, und der sie schnöde abservierte. Auch sie fordert Christian auf, den Mörder ihrer Tochter zu suchen. Dann finden die Ermittler die Leiche eines gewissen Georg Dassau, der sich als ehemaliger Arzt entpuppt, welcher dank Approbationsentzug einen sozialen Abstieg durchlebt hat und zuletzt als Obdachloser in Hamburg sein Dasein fristete. Auch er wurde vor seinem Tod u. a. mit Elektroschocks gefoltert. Volker geht einer der weiteren Spuren nach: der Theatergruppe, in der Uta mitgewirkt hat, und trifft dort auf die lesbische Regisseurin Kiki, die in Uta verliebt war und nicht nur Männer sondern auch ‚Bullen’ verachtet. Auch sie hätte ein Motiv – Eifersucht.

Christian spricht mit Anna über seine Affäre mit Manuela Berger und wie abrupt er sie beendete. Er liest ihr Auszüge aus Utas Tagebuch vor, aus der das problematische Mutter-Tochter-Verhältnis der Toten hervorgeht. Auch Yvonne, quirlig und mit großer Klappe, taucht an der Uni auf, und nimmt an Annas Seminar teil, da sie Profilerin werden will. Sie hat eigentlich ein Auge auf ihren Soko-Kollegen Daniel geworfen, doch der hat eine Freundin, und so bändelt Yvonne aus Frust mit Martina Abendroth an – mit fatalen Folgen. Aber Anna trifft an der Uni auf noch eine weitere Person: Professor Gellert – und sie stößt wieder an ihre psychischen Grenzen, die Vergangenheit holt sie mehr ein, als ihr lieb ist. Und alles spitzt sich immer mehr zu, alles scheint miteinander verwoben – und doch wartet die Autorin zum Schluss mit der einen oder anderen Überraschung auf. Das alles ist so dicht, mit so vielen Einzelplots, die die Handlung dennoch nicht zerfasern, sondern rasant immer mehr zusammenfinden, dass es eine reine Freude ist, diesen Roman zu lesen.

Die Fragmente aus der Sicht des Täters sind die einzigen, die im Handlungsverlauf ein wenig zu kurz kommen, denn die wenigen eingestreuten Stellen lesen sich äußerst spannend und unterstützen die Mehrdimensionalität des Romans. Davon hätte er durchaus mehr geben können. Der Stil der Autorin ist erfrischend – da ist nichts schwafelig, nichts Seiten schindend, nichts überflüssig. Vor allem zeigt sich in diesem Roman wieder deutlich, wie intelligent und dennoch leichtfüßig Unterhaltung sein kann. Die Autorin zieht nicht nur politische Info-Fäden, sondern vermittelt auch interessante Einblicke in den Zerfallprozess nach dem Tod, aber besonders in menschliche Abgründe. Auch die Charaktere um Christian Beyer und sein Team sowie aus deren Umfeld (z. B. Annas Eltern und Annas Vergangenheit) erhalten immer mehr Potential, immer mehr Mosaiksteine dazu – das Bild rundet sich immer mehr.

Die Aufmachung des Titels ist ohne Fehl und Tadel, das Lektorat weist zwar kleine Mängel auf (da werden Dialoge gelächelt, heißt es am gleichen Abend, gibt es eine Vielzahl von unschönen ganz-Kombinationen – z. B. ganz offensichtlich…) und bei den kursiven Tagebuchpassagen ist der Blocksatz verlustig gegangen – aber das stört den Lesegenuss in keiner Weise! Auf jeden Fall bleibt dem Leser zu wünschen, dass die Autorin und Piper noch so manchen Krimi mit diesem Team anbieten – es wäre eine Schande wenn nicht. „Eisblut“ ist ein großartiger, spannender und intelligent erzählter Krimi mit einem fulminanten Finale. (5xPRT)

Alisha Bionda (AB)

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