Gotland

Håkan Östlundh
Gotland
Fredrik Broman 4

Blot, Schweden, 2008
Piper Verlag, München
ungekürzte TB-Ausgabe: 01/2011, HC: 2009
TB, Krimi
ISBN 978-3-492-25992-7
Aus dem Schwedischen von Katrin Frey
Titelkonzept von semper smile, München, Gestaltung von Hauptmann & Kompanie Werbeagentur,
Zürich, Marc Refior unter Verwendung eines Fotos von Captureworkx
Autorenfoto von Benno Hjälmruf

www.piper.de
www.hakanostlundh.se

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

In der Villa der reichen Familie Traneus werden zwei Leichen gefunden: die der Hausherrin Kristina und die eines Mannes, dessen Gesicht regelrecht zertrümmert wurde, so dass eine Identifikation zunächst nicht möglich ist. Schließlich stellt sich heraus, dass es nicht ihr Gatte Arvid ist, sondern dessen Cousin Anders, der vor der Hochzeit der beiden mit Kristina liiert war und dessen Ehe an seinen beständigen Gefühlen für seine große Liebe zerbrach. Nun stellt sich den ermittelnden Beamten das nächste Rätsel: Wo hält sich Arvid verborgen, der kurz vor dem Verbrechen von einem längeren beruflichen Auslandsaufenthalt zurückgekehrt ist? Ist er der Täter? War es Mord aus Eifersucht? Die Familie gibt nur widerwillig Auskünfte, doch wird deutlich, dass die meisten Arvid nicht mochten, ja, ihn sogar hassten. Dann wird zufällig eine weitere Leiche entdeckt …

Skandinavien-Krimis erfreuen sich schon seit einer geraumen Weile großer Beliebtheit: Das nordische Ambiente und die unterkühlte Art der Ermittler, die – anders als viele ‚amerikanischen Kollegen‘ – nicht ständig herumballern, ‚coole‘ Sprüche von sich geben und die ganze Welt retten müssen, sondern meist im Spießbürger-Milieu durch den Einsatz ihres Verstandes und forensischer Mittel nachvollziehbare Verbrechen aufklären, wissen zu gefallen. Allerdings braucht man für den ausführlichen Erzählstil oft eine Menge Geduld. Die Handlung entwickelt sich auch in „Gotland“ sehr langsam und überrascht damit, dass aus einem Verbrechen zwei werden. Der Autor nimmt sich viel Zeit, seine Figuren vorzustellen und ihnen individuelle Züge zu verleihen, so dass der Leser ihre Motive versteht. Warm mit ihnen wird er jedoch nicht, denn die Protagonisten wahren Distanz, selbst Fredrik Broman, dessen Handlungsanteile geringer sind, als man zunächst annimmt.

Der Kriminalfall ist in eine Rahmenhandlung eingebettet: In der Jetztzeit-Ebene erholt sich Fredrik Broman von einer schweren Verletzung. Wie er sie sich zuzog, hängt mit dem Fall zusammen, der in Rückblenden aufgerollt wird und die eigentliche Handlung stellt. Trotz dieses Stilmittels und gelegentlicher unerwarteter Wendungen bleibt die Geschichte träge, stellt sich keine wirkliche Spannung ein. Darum hinterlässt der Roman einen zwiespältigen Eindruck: einerseits etwas zäh – aber doch interessant, stimmungsvoll und überzeugend geschrieben. Von daher dürfte „Gotland“ wirklich nur etwas für die eingefleischten Fans der Skandinavien-Krimis sein, die wissen, worauf sie sich einlassen.

Der Krimi ist der vierte in sich abgeschlossene Band der „Fredrik Borman“-Reihe und der erste, der in Deutschland erschienen ist. Auch ohne Vorkenntnisse findet man leicht in die Handlung hinein, und vielleicht hat man nach der Lektüre Appetit auf mehr.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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