Gottesopfer

Tanja Pleva
Gottesopfer

Piper Verlag, München, 05/2010
PB, Thriller
ISBN 978-3-492-25867-8
Titelgestaltung von Pepperzak Brand unter Verwendung einer Abbildung
von Peter Starmann/Getty Images und Rebecca McEntee/Corbis Sygma

www.piper.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Profiler Sam O’Connor erhält von Europol den Auftrag, einen brutallen Mord in Rom zu untersuchen. Das Opfer wurde gefesselt und verbrannt; es hat den Anschein, als hätte der Mörder ein grausames Ritual vollzogen. Bei seinen Ermittlungen stößt Sam auf einen ähnlichen, zwei Jahre zurückliegenden Fall in Hamburg, und spätestens nach einem weiteren Mord in Salzburg scheint das Motiv des Täters klar zu sein: Im Stile der Hexenverbrennungen des Mittelalters sollen die Seelen der Frauen befreit werden. Die Morde geschehen vermeintlich im Auftrag Gottes. Die damit verbundenen Ermittlungen im Kreis der Kirche sind allerdings für den Profiler mehr als nur ein kleines Problem. Recht unvermittelt verliert er beim Verhör eines Pfarrers die Geduld, wird ausfallend und laut und verschiebt die Vernehmung ohne weiteren Grund und Kommentar auf den nächsten Tag, inklusive einer Vorladung des Pfarrers auf die Dienststelle. Obwohl der ganze Fall ‚FBI-like„ ganz Europa umfassen soll, spielt sich der Großteil in Deutschland, Hamburg, ab.

Die Polizei bzw. viele der dargestellten Polizisten sind korrupt und im Großen und Ganzen nicht angetan, das Vertrauen des Bürgers zu erlangen. Dass der Ermittler oder Profiler nahezu nebenbei seine kranke Schwester und einen sterbenden Freund zu betreuen hat, soll ihm wohl Tiefe verleihen und ihn sympathischer erscheinen lassen. Erreicht wird eher das Gegenteil. Der Leser fragt sich dann schon, wie jemand auf die Idee kommen kann, seine kranke Schwester ohne Aufsicht in einem Hotel unterzubringen. Dass Sam O’Connor unter Flugangst leidet, ist nur ein paar Sätze wert. Letztlich fliegt er gerade im ersten Teil des Romans von einem Land ins nächste und scheint dann doch gar keine Probleme damit zu haben.

Sprachkenntnisse werden erwähnt, aber nicht eingesetzt. Ausbaufähige Amouren werden angedeutet, bleiben dann aber auf der Strecke. Insgesamt erinnert die Geschichte an einen umfangreicheren Heft-Roman mit FBI-Agenten. Leider fehlt hier, in Buchform, sowohl die Spannung als auch die Charakterisierung der Protagonisten. Einzig der Mörder bekommt eine recht ausführliche Hintergrundgeschichte, ansonsten machen sowohl der Rahmen als auch die handelnden Personen einen eher skizzenhaften Eindruck. Europol als Gegenstück zum FBI zu beschreiben, klingt im ersten Moment gut, dürfte aber mit der Realität nicht so viel zu tun haben. Die Strukturen werden gar nicht herausgearbeitet, so dass der Anschein entsteht, O’Connor arbeite mehr oder weniger allein oder gar auf eigene Rechnung. Die innere Organisation, die Zusammenarbeit mit diversen Bereichen und Kollegen wird vollkommen außer Acht gelassen. Da mit dem vermeintlichen Helden aber auch kein echter Sympathieträger gestaltet wurde, fehlt eine gewisse Nähe, die durch entsprechende Personen zwischen Leser und Roman hätte aufgebaut werden können. Man wird nicht Teil der Ermittlungen, sondern bekommt nur hier und da Informationsbrocken aus Gegenwart und Vergangenheit vorgesetzt.

„Gottesopfer“ ist ein insgesamt zwar durchaus lesbarer Roman. Die Spannungsmomente die man von einem Krimi oder Thriller erwartet, sind aber nur in geringen Spuren vorhanden.

Copyright © 2010 by Thomas Folgmann (ft)

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