Karkloof Blue – Maggie Cloete 2

Charlotte Otter
Karkloof Blue – Maggie Cloete 2

Karkloof Blue, GB, Originalausgabe, weltweite Erstveröffentlichung 09/2015
Argument Verlag, Hamburg, 09/2015
TB, Ariadne Krimi 1209, 9783867542098, 288/1300
Aus dem Englischen von Katrin Kremmler und Else Laudan
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Motivs von midlandsconservanciesforum.wordpress.com

www.argument.de

www.ariadnekrimis.de

http://charlotteotter.com

www.martingrundmann.de

Karkloof Blue

 

Die Investigationsreporterin Maggie Cloete zieht von Joburg zurück nach Pietermaritzburg, wo sie bei der ‚Gazette‘ eine Stelle Nachrichtenredakteurin antritt. Dort hat sie einen schweren Stand, denn die Chefredakteurin Tina Naidoo hatte sich jemand anderen für den Job gewünscht, und die Mitarbeiter haben Wetten am Laufen, wie lange es Maggie machen wird.

Dass sie die Zähne zusammenbeißt und trotzdem gute Arbeit leisten will, hat zwei Gründe: Zum einen ist sie in Joburg hohen Tieren empfindlich auf die Zehen getreten und musste aus der Stadt verschwinden; zum anderen wurde ihr jüngerer Bruder Christo aus der Psychiatrie entlassen, hat vor Ort Anstellung und Wohnung gefunden, und sie möchte ihn im Auge behalten aus Sorge, er könne einen Rückfall erleiden.

Dann geht es auch schon Schlag auf Schlag: Die Leiche von Dave Blomm, ein Mitarbeiter des Unternehmens ‚Sentinel‘, wird tot aufgefunden. Angeblich hat er Selbstmord begangen, doch wer ihn kannte, behauptet, dass der Tote keineswegs depressiv war, er im Gegenteil viel hatte, wofür es sich zu leben lohnte. Wenig später stoppt die Entdeckung eines Massengrabs, in dem vor gut zwanzig Jahren einige Jugendliche verscharrt worden waren, die Rodungsarbeiten von ‚Sentinel‘ im Waldgebiet ‚Karkloof Sektor 7‘. Die Biologin Hope Phiri, die in der ‚Gazette‘ zitiert wurde, dass das im Bau befindliche künstliche Habitat für den vom Aussterben bedrohten Schmetterling ‚Karkloof Blue‘ keine optimale Lösung sei und das Waldstück erhalten werden solle, wird entführt und nach schwerer Misshandlung freigelassen. Bei einem Raubüberfall verliert Maggie Laptop und Handy mit wichtigen Daten.

In der Redaktion wird es prompt noch enger: Tina kanzelt Maggie ab, weil die jüngste Berichterstattung ‚Sentinel‘ in einem schlechten Licht erscheinen lässt und das Unternehmen der Zeitung droht, sie durch höhere Papierpreise zu ruinieren. Nach außen hin gibt sich Maggie reuig, aber die Rüge hält sie nicht davon ab, weiterhin ihre Nase in die Angelegenheit zu stecken, denn offenbar hat ‚Sentinel‘ mehr Dreck am Stecken, als es zunächst den Anschein hatte.

Außerdem wird der Fall persönlich. Einen Tag, nachdem Christo wegen erheblicher Differenzen mit seinem Boss zu ihr zog, stößt ihm etwas Schreckliches zu, und noch mehr Schlimmes erwartet Maggie …

 

Charlotte Otter nimmt den Leser mit nach Südafrika, in ein Land, dessen Bewohner jahrelang unter der Apartheitspolitik und einem grausamen Bürgerkrieg zu leiden hatten. Obwohl nun Gleichberechtigung und Demokratie das Miteinander von Weißen und Farbigen regeln, tragen die meisten von ihnen immer noch schwer an der Vergangenheit. Kaum eine Familie hat keine Verluste hinnehmen müssen. Uralte Traditionen, Korruption und Gewalt verhindern, dass jeder am Fortschritt und Wohlstand teilhaben kann. Wer es geschafft hat, schottet sich aus Angst um sein Leben ab vom Leid und Elend der Armen in den Slums.

Wie überall mehren die Firmen ihren Reichtum, indem sie die Menschen ausbeuten: harte Arbeit, schlechte Bezahlung, kaum Gesundheitsfürsorge, Enteignung bzw. geringe Abfindungen für Dörfer mit Grundbesitz sowie rücksichtloser Raubbau der Natur (Brandrodung, Monokulturen, Vernichtung von Lebensraum), der durch geschickte PR-Strategien als umweltfreundlich und sozial dargestellt wird (Greenwashing). ‚Sentinel‘ geht allerdings noch einen Schritt weiter, denn sie wollen nicht nur die Papierindustrie als Segen für die Region propagieren, sondern stellen außerdem ganz andere Experimente an, die bloß durch einen Zufall und Maggie Cloetes Hartnäckigkeit aufgedeckt werden.

Im Zusammenhang mit ihren Recherchen zeigt sich auch, wie anfällig die Presse für Manipulationen durch dritte ist. Da es der Geschäftsleitung in erster Linie ums Geld geht, lässt sie sich von ‚Sentinel‘ schmieren. Einvernehmen und günstige Papierpreise sind wichtiger als gute journalistische Arbeit und das Aufklären von Verbrechen. Wer sich den Maulkorb nicht anlegen lassen will, wird degradiert, abgemahnt, bedroht, überfallen, beraubt, entführt, gefoltert, vergewaltigt und schlimmer.

Die Autorin schildert ungeschönt den gefährlichen Alltag der Protagonistin und ihrer Mitmenschen, die sich in einer – trotz der politischen Wende – brodelnden Zwei-Klassen-Gesellschaft, bestehend aus Privilegierten und Armen, behaupten müssen. Auf sachliche, nicht wertende Weise berichtet sie, dass Menschen aus der Unterschicht oft keine andere Wahl haben, als zu betteln oder zu stehlen, um zu überleben. Ihre persönliche Ansicht, dass man etwas gegen die Armut tun sollte, bringt sie durch Maggie zum Ausdruck, die Bedürftigen Lebensmittel und Geld zusteckt. Ein weiteres schreckliches Phänomen, sind (Massen-) Vergewaltigungen, durch die Männer, die immer unterdrückt wurden, versuchen, selbst einmal Macht auszuüben, wobei es ihnen nicht einmal darum geht, Frauen zu diskriminieren und zu quälen, vielmehr wollen sie vor anderen Männern dadurch stark erscheinen.

Und Südafrika ist gewiss nicht das einzige Land mit solchen Problemen …

 

„Karkloof Blue“ ist ein eindringlicher und beeindruckender Roman, der einerseits Einblicke in ein Land gewährt, über das man wenig weiß, andererseits spannend einen verschlungenen, vielschichtigen Kriminalfall beleuchtet, bei dem auch das Menschliche nicht zu kurz kommt. Maggie Cloete ist eine selbstbewusste, toughe Frau, die durchaus ihre Fehler hat bzw. welche begeht, die aber immer aus der Überzeugung heraus handelt, das Richtige zu tun und durch ihre Arbeit anderen zu helfen versucht.

Nach „Balthasars Vermächtnis“ ist dies der zweite in sich abgeschlossene Politkrimi mit Maggie Cloete – und hoffentlich nicht der letzte.

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

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