Kennedys Hirn

kennedys-hirnHenning Mankell
Kennedys Hirn

Kennedys hjärna, Schweden, 2/2006
dtv-Verlag, München, Nachdruck /2008
TB, Krimi 21025
ISBN 9783423210256
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt
Titelillustration von Giovanni Battista Tiepolo („Sala Capitolare“).

www.dtv.de
www.henningmankell.se/

In „Kennedys Hirn“ schlägt Mankell eine Brücke zwischen einem Verbrechen in Schweden und der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Situation Afrikas. Das ist in seinem Werk einmalig, auch wenn der „Wallander“-Roman „Die weiße Löwin“ (u. a. als dtv-TB 20150) ebenfalls zu einem großen Teil in Afrika, d. h., in Südafrika spielt. In „Die weiße Löwin“ kommt Wallander einem politischen Komplott auf die Spur. Das Thema von „Kennedys Hirn“ ist vielmehr die Ausbeutung der Menschen Afrikas. Der Titel des Romans ist eine Metapher.

Die Archäologin Louise Cantor will die Teilnahme an einem Seminar zu einem Besuch ihres Sohnes Henrik in Stockholm nutzen – und findet ihn tot in seinem Bett vor. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus, doch Louise Cantor zweifelt keinen Augenblick daran, dass ihr Sohn getötet wurde. Obwohl sie in Henriks Wohnung auf einige Aspekte seines Lebens stößt, die ihr bislang unbekannt waren, findet sie keine Anhaltspunkte, die ihre Meinung über Henriks Tod stützen würden. Erst der Besuch bei ihrem Ex-Mann Aron in Australien bringt sie weiter. Die Spur führt Louise und Aron nach Barcelona, wo Henrik eine weitere Wohnung angemietet hatte. Dort findet Louise Informationen über eine Frau namens Lucinda, mit der Henrik befreundet war und die in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, lebt. Aron verschwindet in Barcelona spurlos.

Bis zu diesem Abschnitt der Handlung verlief „Kennedys Hirn“ nach dem klassischen Krimi-Muster: Fakten und Daten werden ermittelt, führen zu weiteren Informationen usw. usf. In der Darstellung solcher Handlungsabläufe ist Mankell im Laufe seiner „Wallander“-Romane zu einem Meister geworden. Das Foto von und die Infos über Lucinda tauchen dagegen unvermittelt auf – Louise muss einen Anlass haben, ihre Reise über Südafrika nach Mosambik fortzusetzen und das Geschehen voranzutreiben. In Maputo sucht Louise Cantor sofort Lucinda auf. Louise erfährt weitere Details aus dem Leben ihres Sohnes, so auch, dass er in einem der Dörfer, die der Geschäftsmann Christian Holloway für Aids-Kranke eingerichtet hat, tätig war. Und auch, dass Henrik wahrscheinlich das Geheimnis der Dörfer aufgedeckt hat, nämlich, dass sie tatsächlich Experimenten mit Aids-Kranken dienen.

Das ist natürlich ein sehr gewagter Plot, was wohl auch dem Autor bewusst ist, denn er schreibt in dem Nachwort: „Doch eine Grenze zwischen dem, was wirklich geschah, und dem, was hätte geschehen können, ist oft nahezu nicht-existent. Ich grabe natürlich auf andere Weise als ein Journalist.“ (S. 396). Als Thema literarischer Fiktion ist selbstverständlich auch der Missbrauch Todgeweihter zulässig. Wenn ein erfahrener Autor sich darauf einlässt, sollte ein Leser keine Bedenken haben, ihm zu folgen. Ein Anliegen Mankells ist immerhin die Darstellung der Situation der afrikanischen Menschen, die am Rande ihrer Gesellschaft leben, und die sich nicht nur auf die Aids-Gefahr beschränkt.

„Kennedys Hirn“ ist während der Geschehnisse, die in Maputo spielen, zeitweise Dialog lastig. Das dient zwar der Informationsvermittlung zwischen Autor und Leser, was aber auch anders realisierbar gewesen wäre, wie Mankell in „Kennedys Hirn“ in anderen Passagen zeigt. Immerhin wird die Plausibilität der Handlung nicht mehr zu intensiv gedehnt. Kleinere Handlungsteile erscheinen unnötig kompliziert; wie z. B. jene Szene, in der Louise von (der inzwischen erkrankten) Lucinda im Aids-Dorf Holloways einen Zettel mit einem Hinweis auf einen Treffpunkt erhält, an dem sie später eine Unterhaltung führen werden. Warum schleichen sie sich nicht gemeinsam aus dem Dorf?!

Die „Wallander“-Romane Mankells zeichnen u. a. eine gewisse Stringenz aus, die „Kennedys Hirn“ teilweise fehlt. Vielleicht hat Mankell der Zorn, von dem er in dem Nachwort spricht, zu sehr übermannt, so dass er sein Handwerk als Autor vernachlässigte…?! (armö) (5xPRT)

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