Killervirus

Rip Gerber
Killervirus

(sfbentry)
Heyne
ISBN 978-3-453-43476-9
Thriller
12/ 2010
Übersetzung: Thomas Merk
Umfang 546 Seiten

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Über den Autor

Rip Gerber, geboren 1962 in Washington, ist Diplom-Biochemiker. Er arbeitete zunächst beim CIA, dann 20 Jahre in der High-Tech Branche. In seinem Romandebüt Pharma bekommt es der Held Ben Maxwell im brasilianischen Dschungel mit genmanipulierten Killerpflanzen zu tun.

Physiker und Astronomen schreiben in der Regel Science-Fiction. Wenn ein Biochemiker einen Thriller schreibt, dann darf man erwarten, auch hier gewisse Eigenheiten vorzufinden. So ist es auch beim vorliegenden Roman, der seinen Ausgangspunkt in der FDA nimmt. Ein Prüfungsverfahren der amerikanischen Food and Drug Administration scheint zunächst einmal nicht sonderlich spektakulär. Doch Gerber lässt seinen Protagonisten auf eine gentechnische Verschwörung apokalyptischen Ausmaßes treffen. Vielleicht ist es seiner Vergangenheit beim CIA geschuldet, dass verschiedene Terroristen, Ritualmorde und allerlei Fanatiker eine tragende Rolle im Roman spielen. Insbesondere die Idee, dass christliche Apokalyptiker für ihren Feldzug ahnungslose Islamisten rekrutieren, um die Drecksarbeit zu erledigen, dürfte wohl aus der Kategorie Alpträume des CIA stammen.

Wie bei vielen Thrillern lässt Gerber seine Geschichte langsam beginnen und streut dabei diverse Hinweise ein, die später noch wichtig werden. Als die Protagonisten nach dem ersten Drittel des Romans die Gewalt der Terroristen zum ersten Mal am eigenen Leib erleben, beginnt ein Katz und Maus Spiel, das auf die finale Konfrontation zusteuert. Während sich die Handlungsfäden verdichten und nach und nach die entscheidenden Hinweise offen gelegt werden, tanzen der Held und seine Verbündeten auf Messers Schneide. Dass dabei immer wieder das entscheidende Quentchen Glück für ihr Überleben notwendig ist gehört dabei wohl zum Genre.

In seiner Reinform gibt es an der Geschichte nichts auszusetzen. Gerbers Plot ist sauber konstruiert und auch wenn manches Element ein klein wenig weit hergeholt erscheint. Manchmal beschleicht mich fast der Eindruck, dass Dinge hier ein wenig zu sauber sind. Die Geschichte liest sich stellenweise wie ein Plot aus dem Lehrbuch und wird damit fast schon wieder vorhersehbar. Tatsächlich geschieht in der zweiten Romanhälfte wenig Überraschendes, auch wenn der Adrenalinspiegel nach oben geht. Auffällig ist allerdings die Identität des Erzschurken, dessen Identität erst auf den letzten Seiten enthüllt wird. Gerber streut diese Enthüllung so beiläufig ein, dass ich im ersten Moment an einen Druckfehler glauben wollte. Durch diesen sprachlichen Kniff gelingt es, den Leser die Überraschung spüren zu lassen, welche seinen Figuren aufgrund ihrer besonderen Konstellation nur bedingt möglich ist.

Das was sich beim Plot nur als sanfter Kritikpunkt andeutet, zeigt sich leider bei den Figuren in aller Deutlichkeit. Die Charakterisierung der Protagonisten fällt derart pointiert aus, dass man fast schon von Karikaturen sprechen könnte. Der Erzschurke ist abgrundtief böse, die Politikerin so skrupellos und machtgeil, dass sie buchstäblich über Leichen geht. Selbst Ben Maxwell wird über seine unanfechtbare Integrität, seine ungesunde Lebensweise und seine gestörte Vater-Sohn-Beziehung außerordentlich klar charakterisiert. Sicher tut es dem Format gut, wenn nicht alle Figuren eines dramatischen Thrillers ständig mit einer komplexen Motivation oder vielschichtigen Persönlichkeit ringen müssen. Dennoch hätte ich mir beispielsweise im Finale eine etwas rationalere Handlungsweise des Schurken gewünscht oder an irgendeinem Punkt des Romans so etwas wie Moral bei der Senatorin Neal entdecken wollen.

Fazit

Mit seinem zweiten Roman liefert Rip Gerber einen ordentlichen Thriller ab, der jedoch zu kantig ist, um wirklich packend zu sein. Die Vermengung aktueller Themenfelder wie Gentechnik und religiös motivierten Terrorismus werden sicher dafür sorgen, dass Killervirus bei einer breiten Zahl von Lesern gefallen findet. Die treffende Sprache bleibt auch in der Übersetzung erhalten und es zeugt wohl auch von einem gewissen Humor, den brutalen Killer hinter der Verschwörung ausgerechnet mit dem Decknamen ‚Samariter‘ zu ehren. Wer weniger Wert auf wissenschaftliche Hintergründe legt, die hier immer wieder kompetent geschildert werden, wird bei Gerber vermutlich die literarische Raffinesse vermissen. Es bleibt abzuwarten, ob der Autor diese Fähigkeiten im weiteren Schaffen noch kultivieren kann. Allen anderen dürften mit Killervirus einen Thriller in den Händen halten, der den Ansprüchen genügt, ohne sie zu übertreffen und dabei in jedem Fall aktuelle Themen aufgreift.

Copyright © 2010 by Johannes Heck

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