Kunstschützen

Hailey Lind
Kunstschützen
Die Fälle der Annie Kincaid 2

(sfbentry)

Feder & Schwert Taschenbuch (2011)
400 Seiten, ISBN 978-3-86762-080-2
Originaltitel: Shooting Galery (2006)
Übersetzung: Dorothee Danzmann
Lektorat: Andrea Bottlinger
Korrektorat: Lars Schiele
Umschlaggestaltung: Oliver Graute

http://www.feder-und-schwert.com/
http://www.haileylind.com
http://www.startnext.de/kunstblut

Ziemlich zügig hat der Verlag Feder & Schwert nun auch den zweiten Kriminalroman aus der Reihe „Die Fälle der Annie Kincaid“ auf den Markt gebracht. Bereits der erste Band („Kunstfehler“) sorgte für gute Laune und Spannung. Band 2, mit dem Titel „Kunstschützen“, schließt nahtlos an die Vorlage an. Der Titel ist dann auch schon das erste Ärgernis, denn mit einem Blick auf den geplanten dritten Band („Kunstblut“) kristallisiert sich im deutschen eines dieser blöden Wortspiele heraus, die überhaupt nicht witzig sind.

Aus „Feint of Art“ wurde „Kunstfehler“, aus „Shooting Galery“ wurde „Kunstschützen“ und aus „Brush with Death“ soll „Kunstblut“ werden. Die englischen Titel sind ganz witzig, aber die deutschen Titel wirken altbacken, mit einer Priese staubigem Wortspiel. Das ist Schade, denn die Geschichten haben es in sich. Auch der Umschlag mit dem Titelcover ist grausig. Viel zu dunkel, viel zu antiquiert und viel zu seriös. Das ist weitab vom Charakter der Annie Kincaid oder des Romans.

Der spielt zwar im San-Francisco-Kunstmilieu und erneut ist ein altes und teures Gemälde mit von der Partie, aber Hailey Lind versteht es sehr gut die alten Meisterwerke frisch und modern einzubinden, vom Staub der Museen zu befreien. Überhaupt dreht sich die Geschichte diesmal um Bildhauerei und Annies persönliche Dramen.

Annie entdeckt nämlich bei einer Ausstellung die Leiche eines Künstlers – und sofort ist die Aufregung groß. Dann wird aus dem Brock-Museum ein Bild gestohlen – und erneut ist Annie mit von der Partie. Überhaupt, Annie scheint das Unglück geradezu anzuziehen. Da taucht auch noch ihre Mutter auf, denn der Ermordete war ein alter Bekannter. Und dann ist da noch die Mafia, eine Rockerbraut, ein Haufen Künstler und zwei Kerle, die unheimlich charmant sind und heftig mit Annie flirten.

Und die geht diesmal einen Schritt weiter und lässt es zum heißen Fummeln kommen. Immerhin sind die Kerle verdammt knackig. Da wäre Michael, dessen wirklichen Namen wohl niemand kennt. Er ist ein Kollege und Freund von Annies Großvater – der sich seine Brötchen als Kunstfälscher verdient. Und somit ist klar: Michael ist ein Krimineller und steht auf der falschen Seite des Gesetzes. Doch seine wilde und unkonventionelle Art macht Annie ganz wuschig. Auf der richtigen Seite des Gesetzes steht Frank, Annies Vermieter, ein ruhiger und besonnener Mann. Er leitet eine Sicherheitsfirma und flirtet ebenfalls heftig mit Annie, aber auf eine kultivierte Art. Die Kunstdetektivin kommt beiden Männern natürlich näher, verstrickt sich nebenbei in allerlei Abenteuer und muss wohl herausfinden, was ihr Herz will. Aber weder Annie, noch die Leserschaft können sich da wohl entscheiden.

Wie bereits herauszulesen, ist „Kunstschützen“ natürlich ein romantischer Kriminalroman, der sich vor allem an das weibliche Geschlecht richtet. Annie ist eine sympathische Person mit Ecken und Kanten. Obwohl sie eigentlich ziemlich feige ist, beweist sie im richtigen Augenblick oftmals Heldenmut, steht treu zu ihren durchgeknallten Freunden und meistert die Tücken des Alltags – oder erleidet gnadenlos Schiffbruch. Trotzdem macht sie weiter, gibt nie auf und entwickelt sich. Das macht diese Frau – und ihren Humor – unheimlich liebenswert.

Hailey Lind – im übrigen das Pseudonym zweier Schwestern – liefert eine spannende Geschichte ab. Diesmal wurde das Fachwissen stark zurückgeschraubt und konzentriert sich die Autorin stärker auf die Personen und Beziehungsgeflechte. Das macht den Krimi noch spannender, denn die Figuren sind es, die den besonderen Reiz ausmachen. Obwohl sie stellenweise überzeichnet sind, wirken sie glaubhaft und zaubern ein Schmunzeln ins Gesicht – spätestens wenn Annie in ein Fettnäpfchen tritt.

„Kunstschützen“ ist ein toller und lustiger Roman, der mit Spannung, Dramatik und Herzschmerz aufwartet. Dazu eine ordentliche Priese Mord und Totschlag – einfach gelungen! Der Roman wird übrigens mit einer Anleitung zum Vergolden abgerundet. Das ist ziemlich witzig und – für Leser die mit dem Gedanken spielen einen Gegenstand mit Blattgold oder anderen Metallen zu überziehen – auch nützlich.

Was die Fortsetzung der Reihe angeht, so setzt der Verlag Feder & Schwert bei Band 3 („Kunstblut“) übrigens auf Crowdfunding und hat den nächsten Annie-Kincaid-Roman als Projekt bei Startnext.de ausgeschrieben. Nur wenn sich bis Mitte September 2011 genügend Unterstützer finden, soll das Buch auf deutsch verlegt werden. Der Stand Ende August 2011 sieht allerdings ernüchternd aus, da gerade einmal 465 Euro der benötigten Summe von 4500 Euro erreicht wurden.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

Bei Buch24.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.