Lindenköngin

Heike Reiter
Lindenköngin

Mörderisches Franken – Theresa Vincenzos 2. Fall
DüsselART-Verlag, Düsseldorf, 12/2008
TB, Krimi, 978-3-9809938-5-5, 164/1480
Titelfotos und Farbtafeln mit Fotos von Artur Kittlitz jr.
31 Seiten mit Farbfotos von den Schauplätzen

www.duesselart-verlag.de
www.heike-reiter.de

Mit „Madame Juliette” begründete die 1969 geborene Autorin Heike Reiter ihre Serie „Mörderisches Franken“, in der Theresa Vincenzo den Mord an ihrer Vermieterin im beschaulichen Örtchen Endersdorf aufklärte. Wie sich nun zeigt, sollte das nicht die erste Begegnung mit dem Tod und Verbrechen bleiben. Mit „Lindenkönigin“ ist nun der zweite Band der Reihe erschienen.

Aufregung herrscht kurz auf dem Lindenfest am Kolbenhof bei Alfershausen (in der Nähe von Thalmässing), denn die Wahl der Lindenkönigin, die im kommenden Jahr bei allen Festen rund um den Baum auftreten soll, steht kurz bevor. Wie immer haben sich einige Frauen – ungeachtet ihres Alters oder Aussehens – zur Wahl gestellt, denn das Amt ist heiß begehrt und die Wahl allein von der Kraft der persönlichen Ausstrahlung abhängig.

Die Menschen sind guter Laune und feiern ausgelassen bei Speis und Trank, Tanz und Musik, bis spielende Kinder an dem Ort, an dem eigentlich das goldene Lindenblatt enthüllt werden sollte, einen Toten entdecken. Damit findet das muntere Treiben ein jähes Ende, denn der leblose Mann ist ausgerechnet einer der Angehörigen des Festkomitees.

Theresa Vincenzo, die ihrem Mann gerade erst gebeichtet hat, dass sie die Künstler-Stiftung von Madame Juliette übernehmen will, ist zwar neugierig und beobachtet die weiteren Geschehnisse sehr genau, will aber zunächst nichts weiter tun, bis sie in der Nacht nach dem Fest von einem Einbrecher überrascht und überfallen wird.

Schon auf dem Fest ist ihr eine sehr männliche wirkende und schroffe Frau aufgefallen, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Da sie von ihrer redefreudigen Nachbarin nun auch noch erfährt, dass diese Frau – eine gewisse Magdalena Rurik – nicht nur über Jahre als Mörderin im Gefängnis gesessen hat, sondern sich vor Jahren einerseits auch schon einmal als Lindenkönigin beworben hatte und andererseits auch ein Stipendium von Madame Juliette haben wollte, wird Theresa hellhörig. Kann es sein, dass die Vorkommnisse enger zusammen hängen als es im ersten Moment scheint?

Sie beschließt, der Sache nachzugehen. Unterstützt wird sie dabei einerseits von ihrer Nachbarin und ihren Freundinnen, die nun auch neugierig geworden sind, andererseits von ihren Schwager Maurizio, der ein wenig auf sie aufpassen soll, damit sie nicht wieder fast ums Leben kommt.

Das ist leichter gesagt, als getan, denn Theresa gerät mehrfach in buchstäblich brenzlige Situationen. Jemand sabotiert die Bremsleitungen der Wagen, in die sie steigt, zündet ihr die Dächer über dem Kopf an oder versucht, sie zu vergiften. Und all diese Attentate tragen die Handschrift von Magdalena Rurik, als wolle sie nun Rache für das Unrecht nehmen, das man ihr angeblich angetan hat. Doch Theresa weiß auch, dass die Wahrheit oft komplizierter ist, als sie auf den ersten Blick scheint.

„Lindenkönigin“ hat alles, was einen guten Regionalkrimi ausmacht: lebendige und gut vorstellbare Beschreibungen der Handlungsschauplätze, liebenswerte Nebenfiguren und kauzige Typen, die die Menschen dieses Landstrichs charakterisieren, eine Hauptfigur, die sich weiter entwickelt, und nicht zuletzt eine so spannende wie dynamische Geschichte.

Im Gegensatz zu „Madame Juliette“ besitzt „Lindenkönigin“ wesentlich mehr Action, ohne dabei aber das vermissen zu lassen, was schon den ersten Fall von Theresa Vincenzo so unverwechselbar machte. Die Personen und Alltäglichkeiten wirken auch diesmal wieder, wie aus dem Leben gegriffen. Man hat durchaus immer wieder das Gefühl, dass hier von der Autorin das eine oder andere Erlebnis oder eine entsprechende Begegnung im Roman verarbeitet wurde.

Diesmal kann sich Theresa nicht ganz so viel Zeit nehmen, mit den Leuten zu sprechen und ihre Schlüsse zu ziehen. Sie wird stellenweise auch ganz gut von ihrer Umgebung beeinflusst. Es sind hier wieder die kleinen, aber feinen Details, die nicht nur die Heldin stutzig machen, sondern sich nach und nach zu der Wahrheit zusammenfügen, die am Ende sogar Theresa Vincenzo überrascht.

Die Figurenzeichnung ist wie immer gelungen, man kann Protagonisten wie Maurizio, der weitaus munterer und neugieriger als sein Bruder ist, oder die vom Leben verbitterte Magdalena Rurik regelrecht sprechen hören. Und diese kraftvolle Art der Darstellung wirkt sich auch auf kleinere Nebencharaktere aus, die nur einmal auftauchen, wie zum Beispiel die anderen Kandidatinnen für das Amt der Lindenkönigin.

Heike Reiter beweist damit, dass sie auch in einer dynamischeren Handlung die Fäden sicher in der Hand und den Spannungsbogen bis zum Ende aufrechterhält. Sie wagt wesentlich mehr als im ersten Roman, um den Leser auf falsche Fährten zu locken, und kann dabei problemlos überzeugen, so dass man gespannt auf weitere Krimis aus ihrer Feder sein darf. (CS)

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