Mademoiselle muss heute sterben

Claude Izner (Liliane Korb und Laurence Lefèvre)
Mademoiselle muss heute sterben
Victor Legris 3

(sfbentry)
Le carrefour des Écrasés, Frankreich, 2003
Piper Verlag, München, 01/2014
TB, Paris-Krimi, Histo-Krimi,
ISBN 978-3-8661231-82
Aus dem Französischen von Gaby Wurster
Titelgestaltung von Mediabureau Di Stefano, Berlin unter Verwendung
dreier Abbildungen von iStockphoto (jpa 1999, nicoolay, Russell Tate)

www.piper.de
http://claudeizner.free.fr

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Paris 1891: Die junge Èlisa, die das Mädchenpensionat von Mademoiselle Bontemps besucht, kehrt unerwartet zu ihrer Mutter zurück – angeblich. Ein Ziegenhirte bringt einen der Schuhe des Mädchens in die Buchhandlung, die Victor Legris und sein Adoptivvater Kenji Mori leiten, denn darin befand sich ein Zettel mit der Adresse. Für Victor ist klar, dass sich Iris, die er für Kenjis geheime Geliebte hält, in großer Gefahr befindet, denn es ist ihr Schuh, den sie der verschwundenen Freundin und Mitschülerin anlässlich eines Rendezvous‘ geliehen hatte.

Damit konfrontiert, dass Victor von Iris‘ Existenz weiß, bringt Kenji das Mädchen in dessen Wohnung unter, denn sein Zögling hat ein neues Domizil gegenüber dem Atelier seiner Geliebten, der Malerin Tasha Kherson, gefunden. Dennoch hält Kenji es immer noch nicht für notwendig, die ganze Wahrheit über Iris zu enthüllen, was das gewitzte Mädchen schließlich selbst erledigt und dadurch für große Verblüffung sorgt. Aber das ist nebensächlich, denn es gibt einen Mörder, der eine alte Rechnung begleichen will und die Ermittler lange an der Nase herumführt. Die Spur führt ins verrufene ‚Moulin Rouge‘ und bringt sowohl Victor als auch Tasha in Gewissensnöte, da sie einander nicht alles von sich verraten und es ihnen schwerfällt, den Mittelweg zwischen persönlicher Freiheit und einem gemeinsamen Leben zu finden.

„Mademoiselle muss heute sterben“ ist der dritte in sich abgeschlossene Roman der „Victor Legris“-Serie. Man muss nicht, sollte aber die vorherigen Bände kennen, da die Handlung immer komplexer wird und Claude Izner alias die Schwestern Liliane Korb und Laurence Lefèvre regelmäßig auf frühere Ereignisse Bezug nehmen. Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht der Buchhändler Victor Legris, der ganz gern dem staubig-eintönigen Alltag entflieht, wenn in seinem Umfeld ein Verbrechen geschehen ist, das er aus Neugierde, aber auch um seine Freunde zu schützen, aufklären möchte. Trotzdem er gern Krimis liest und bereits zwei Fälle zum Abschluss bringen konnte, ist er kein versierter Detektiv, sondern eine Person mit viel Zeit und den notwendigen finanziellen Mitteln, einigen Verbindungen und dem notwendigen Glück, wodurch er immer wieder neue Hinweise entdeckt und die richtigen Schlüsse zieht.

Ihm zur Seite steht sein Angestellter Joseph Pignot, der mindestens so neugierig ist und zu gern ein Detektiv wäre. Regelmäßig leistet er wichtige Recherchearbeit, was auf die übrigen Charaktere – Kenji Mori, Tasha Kherson, Iris – leider nicht zutrifft. Aufgrund ihrer Handlungsanteile haben sie die Rollen wiederkehrender Statisten inne, was sich leider auch diesmal nicht ändert, obwohl die oberflächliche Verstrickung von Kenji und Iris in die Angelegenheit die Vermutung nahelegte, dass diesmal die Geheimnisse des Japaners beleuchtet würden. Tasha bleibt gleichfalls die selbstbewusste, freiheitsliebende Gefährtin, die als ‚moderner Typ Frau‘ ihre eigenen Wege geht und eine Bindung nur bis zu dem Punkt akzeptiert, der ihre Unabhängigkeit nicht gefährden könnte.

Die persönlichen Konflikte der Protagonisten ergänzen die Handlung, ohne sie zu vereinnahmen, denn die Aufklärung der Morde ist das Hautanliegen. Das Drumherum liefert die stimmungsvolle Kulisse für die Geschehnisse. Hinzu kommen immer wieder Verweise auf seinerzeit populäre Bücher, die im Anhang, auf das Nachwort folgend, sorgfältig gelistet sind, sodass der interessierte Leser ein  passendes Literaturverzeichnis erhält – wie Victor und Kenji sind auch die Autorinnen im Buchhandel tätig. Der Roman endet mit einer kleinen Überraschung, denn nicht alles ist so, wie es zunächst erschien. Infolgedessen rätselt man gespannt mit den Charakteren, was warum passiert ist, und legt das Buch erst zur Seite, nachdem die letzte Seite umgeblättert wurde. Anschließend hofft man, dass es in „Monsieur weilt nicht mehr unter uns“, dem vierten Band, genauso packend weitergeht.

Die „Victor Legris“-Reihe entführt die Leser nach Paris in das ausgehende 19. Jahrhundert. Schätzt man getragene Krimi-Unterhaltung mit viel historischem Flair, wird man viel Vergnügen an der Lektüre haben. Da die Romane bereits eine große Fangemeinde finden konnten, stellt sich die Frage, wann sie als Film-Stoff entdeckt werden, denn Victor Legris dürfte das Publikum genauso begeistern wie „Sherlock Holmes“, „Charlie Chan“ und „Hercule Poirot“.

Copyright © 2014 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.