Mit der Flut kommt der Tod

Kari Köster-Lösche
Mit der Flut kommt der Tod

Sönke Hansen 1
Knaur Verlag, München, 5/2006
TB, Krimi, 978-3-426-63353-3, 400/895
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Motivs von Mauritius Images/FinePic, München

www.knaur.de
http://home.arcor.de/koeloe/

Sönke Hansen, Wasserbauinspektor in Husum, beklagt das spurlose Verschwinden seiner dänischen Verlobten Gerda, die der preußischen Obrigkeit stets die Stirn gezeigt hatte – und daran gescheitert ist, somit das Land und auch Hansen verlassen musste. Mit unbekanntem Ziel.

An einem warmen Frühlingstag des Jahres 1894 findet eine Besprechung im Preußischen Amt für Wasserbau statt, an dem außer Sönke Hansen, dem jüngsten Mitarbeiter, und seinem Chef noch Baron von Holsten, der Oberdeichgraf, teilnimmt. Schnell wird klar, dass zwischen ihm und Hansen eine unterschwellige Animosität herrscht. Sönke Hansen wird auf die Halligen ausgesandt, um mit den Bewohnern in Kontakt zu treten – und den Erhalt und die Nützlichkeit der Halligen vor Ort in Augenschein zu nehmen.

Doch vorher nimmt Hansen einen Tag Urlaub, um seine Schwiegereltern in spe zu besuchen, um vielleicht mehr über Gerdas Aufenthaltsort zu erfahren. Lars Rasmussen, ihr Vater, weiß jedoch nichts über den Verbleib seiner Tochter. Auf der Spurensuche nach seiner Verlobten trifft Hansen auf Nils Christiansen, Prokurator des ‚Rum-Kontors’ in Lübeck. Von einem Hafenarbeiter erfährt Hansen, dass der Dampfer ‚Olivia’ (wurde zur Bark umgerüstet) des Kontors den Hafen verlassen hat und verkauft worden ist. Hansen vermutet, dass damit Flüchtlinge geschmuggelt werden und sich vielleicht auch Gerda unter ihnen befunden hat.

Auf der Hallig angekommen besichtigt Hansen als Erstes die Westseite und stellt fest, dass die Zerstörung der Hallig zügiger voranschreitet als er gedacht hatte. Und nun macht er auch mit den unterschiedlichsten Halligbewohnern Bekanntschaft.

Wirk Bandick, einen Jungen, den er beim Nacktbaden trifft, sowie die Ratmänner Mumme Ipsen und Tete Friederichsen, der sofort eine offene Feindschaft zu Hansen erkennen lässt.

Vorurteile wie wer nicht in Anzug und Hut als Amtsperson daherkommt, ist keine Respektperson, aber auch der offene Konfrontationskurs, den Tete Friederichsen einschlägt, machen es Hansen nicht leicht. Tetes Worte Ratschläge von Klugschnackern aus der Stadt brauchen wir nicht, wir regeln seit Jahrhunderten unsere Angelegenheiten sind eine deutliche Warnung.

Doch es gibt auch Halligbewohner, die ihm freundlich begegnen und seine Vorschläge, die Hallig zu retten, unterstützen. Der Lehrer Carsten Boysen, den Sönke Hansen auf einem Spaziergang kennen lernt, Mumme Ipsen und Jorke Payens, eine junge, sympathische und resolute Frau, die Sönke Hansen sichtlich ‚unter die Haut’ geht. So sehr, dass er sich auf eine Nacht mit ihr einlässt und sich daran erinnern muss, dass er Gerda treu ist (auch wenn das wohl nicht mehr vollends zutrifft).

Dann wird ein Toter am Strand gefunden, dessen Kleidung darauf schließen lässt, dass es sich um einen Städter handelt. Tete Friederichsen streut schnell das Gerücht, der Tote habe Sönke Hansen ähnlich gesehen, es läge eventuell eine Verwechslung vor, und Hansen hätte ermordet werden sollen, somit träfe diesen eine Mitschuld an dem Mord. Auch dem Reporter Hajo Clement von den ‚Föhrer Nachrichten’ erzählt Friederichsen, dass Hansen ein Ärgernis und Unglücksbringer sei.

Robert Schliemann, Polizeiwachtmeister von Wyk auf Föhr befragt Hansen und befiehlt ihm, sich zur Verfügung zu halten. Hansen gelingt es, dass er bei der ersten Begutachtung des Toten dabei ist. Es stellt sich heraus, dass dieser mit einem Spitzgeschoss (aus einer Militärwaffe) in der Hand gefunden wurde. Die Leiche wird nach Föhr überführt. Hansen bemerkt an der Stelle, an der der Tote gefunden wurde, einen Ring.

Diesen nimmt er mit, als er einer Einladung von Wirks Großeltern folgt.

Nummen Bandick, der Großvater, erklärt Hansen, dass der Ring von keinem hiesigen Boot stamme. Von einem Wirt erfährt Hansen dann jedoch, dass es solche Ringe auf Seglern gab, die mit Sklaverei zu tun hatten. Bei einem erneuten Besuch im ‚Rum-Kontor’, sieht er dort in einer Vitrine einen solchen Ring und findet heraus, dass solche bei renitenten Sklaven benutzt wurden.

Seit Sönke Hansen in dem ‚Rum-Kontor’ aufgetaucht ist, wo alle Fäden zusammenzulaufen scheinen, mehren sich die Unglücksfälle, in die er verwickelt wird, so dass es offensichtlich wird, dass man ihm nach dem Leben trachtet. Und dann geschieht ein weiterer Mord! Sönke Hansen sieht sich immer neuen Rätseln gegenüber.

Was hat es mit der Gewehrfabrik auf sich, die er entdeckt? Ist der Sklavenhandel wirklich vorbei? Was geht in dem ‚Rum-Kontor’ tatsächlich vor sich? Und da ist noch Jorke, die ihn gedanklich nicht loslässt, trotzdem er sich weiterhin zu seiner verschwundenen Verlobten Gerda zugehörig fühlt.

Kari Köster-Lösche versteht es, auf stilistisch filigrane Art ein Szenario zu schaffen, eine Stimmung und Atmosphäre, die den Leser von den ersten Seiten an mit in die Handlung nimmt. Die Personen agieren nicht nur, sie leben und wecken Zu- und Abneigungen in einem. Und zeigen auf, welche Vorurteile noch vorherrschen: Die Schwarzen sind ja irgendwie auch Menschen.

Die Autorin zeichnet ein Gesellschaftsbild, das nah ‚am Menschen’ ist. Sehr feinfühlig berichtet sie über die Ängste und Sturheit der Halligbewohner, aber auch darüber, wie bescheiden die Fischer leben, wie hart sie um ihr Überleben kämpfen müssen. Und immer lebt ihr ‚Bild’, das sie vermittelt, durch die zarten Nuancen, die das Leben, die Menschen, ihre positiven und negativen Eigenschaften und ihr Handeln beschreiben.

Somit ist “Mit der Flut kommt der Tod“ nicht nur ein Krimi, sondern ein stimmungsvoller Landschaftsroman und ein Gesellschaftsbild dieser Zeit.

Auch der Knaur Verlag hat seine Arbeit gut gemacht: Die Aufmachung des Bandes ist erstklassig. Das Covermotiv stimmig zu Landschaft und Atmosphäre des Romans passend, Satz und Lektorat sind ohne Fehl und Tadel, und auch das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.

Ein stimmungsvoller Krimi, bei dem viel zwischen den Zeilen schwingt und der Appetit auf weitere „Hansen“-Fälle macht! (AB)

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Mit der Flut kommt der Tod

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