Müllers Morde

Monika Geier
Müllers Morde

Argument Verlag, Hamburg, 08/2011
TB, ariadne krimi 1200,
Rheinland-Pfalz-Krimi
ISBN 978-3-86754-200-5
Titelgestaltung von Martin Grundmann, Hamburg

www.argument.de
www.ariadnekrimis.de
www.martingrundmann.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Müller ist aufgeregt – und davon überzeugt, das perfekte Verbrechen zu begehen. Die Entführung von Dr. Steenbergen, Umweltmanager eines großen Stromkonzerns, gelingt ebenso wie der Mord. Um seine Spuren zu verwischen und die Tat als Unfall zu tarnen, deponiert er die Leiche am Totenmaar, einem Eifelsee, dessen Umgebung für starke Kohlendioxidemissionen bekannt ist. Als die Polizei außer dem Toten auch einige verendete Kühe vorfindet, ist sie davon überzeugt, dass der Spaziergänger und die Tiere einem tragischen Unfall zum Opfer fielen.

Nur Peter Welsch-Ruinart, Anwalt und Freund Steenbergens, hat Zweifel an dieser simplen Lösung und beauftragt den Historiker Richard Romanoff, der für ihn schon so manches mehr oder minder wertvolle ‚Atlantis-Artefakt‘ beschaffte, die Angelegenheit zu untersuchen. Zwar ist Romanoff kein Detektiv, aber das Geld kann er gut gebrauchen, und er will es sich auch nicht mit seinem vermögenden Auftraggeber verscherzen. Es reicht schon, dass er auf dessen Avancen ablehnend reagierte. Es ist dann der glückliche Zufall, der Romanoff auf Müllers Spur bringt, unmittelbar nachdem dieser einen zweiten Mord begangen hat, den die Polizei am liebsten Romanoff in die Schuhe schieben möchte. Müller, dem schnell klar wird, dass der Detektiv wider Willen der einzige ist, der ihm gefährlich werden könnte, heckt einen perfiden Plan aus, um den Gegner weiter zu belasten und, als das nicht ausreicht, um Romanoff von seinen Ermittlungen abzuhalten, ihn ebenfalls zu töten …

Bisher erschienen von Monika Geier im Argument Verlag fünf Romane um die Kommissarin Bettina Boll. „Müllers Morde“ ist das erste Buch der Pfälzer Autorin (von Beiträgen in diversen Anthologien einmal abgesehen), in denen die Beamtin nicht als Hauptfigur agiert, denn – Überraschung! – unerwartet hat sie dann doch einen kleinen Auftritt. Warum auch nicht, schließlich ist einmal mehr Rheinland-Pfalz Ort eines Verbrechens, und weshalb sollte man Figuren neu erfinden, wenn bereits vorhandene auch anderweitig verwendbar sind? Das Wiedersehen erfreut zudem die treuen Leser.

Die Vorkommnisse werden im Wechsel aus zwei Perspektiven beleuchtet:
Müller erweist sich als selbstbewusster, intelligenter Mörder mit vielseitigen Kenntnissen und Talenten. Ist er bei seinem ersten Verbrechen noch aufgeregt, so werden seine Skrupel mit jedem kleinen Erfolg, der seinen Plänen beschieden ist, immer weniger. Seine Motive bleiben lange unklar und werden erst von Romanoff, mit dem sich Müller auf ein richtiges Katz‘ und Maus-Spiel einlässt, aufgedeckt. Durch seine Taten gerät Müller jedoch in einen Strudel, der ihn zwingt, immer weiter zu machen, denn durch sein eigenmächtiges Handeln zieht er sich den Zorn von jemandem zu, der weit gefährlicher als Romanoff ist.

Romanoff hadert mit einer unglücklichen Vergangenheit, die ihn nicht loslassen will und einer der Gründe ist, weshalb er für den exzentrischen Welsch-Ruinart arbeitet. Auch er ist intelligent und ein guter Beobachter, was ihn für Müller zu einem würdigen Gegner macht. Tatsächlich bringt Romanoff den angeblichen Mann von den Stadtwerken mit den Verbrechen in Verbindung und deckt sogar dessen komplizierte Motive auf. Allerdings stößt er dabei auch auf etwas, was seine zögerlich keimenden Gefühle für Welsch-Ruinart belastet, der der einzige ist, der ihn vielleicht noch retten kann. Zum Schluss hin überschlagen sich die Ereignisse, während man Romanoffs Enthüllungen noch gar nicht ganz verdaut hat. Das Ende überrascht, da es nicht dem entspricht, was man erwartet hätte. Es bleibt offen, ohne dem Leser das Gefühl zu geben, dass da etwas fehlt. Stattdessen darf man hoffen, dass es nicht bei diesem Oneshot bleibt. Und was die Gerechtigkeit betrifft, nun, auch im ‚wahren Leben‘ läuft nicht alles so, wie es sein sollte.

Das geschickt eingefädelte Verbrechen und die Suche nach dem Täter und seinen Beweggründen stehen im Vordergrund der komplexen Handlung. Interessante Protagonisten mit allerlei Schrullen, aber auch typische Charaktere wie den trägen, mit Vorurteilen behafteten Polizeibeamten und die Nachbarin mit Zivilcourage beleben die spannende Story. Die komplizierte Beziehung, die sich zwischen Romanoff und Welsch-Ruinart entwickelt, bleibt dezent im Hintergrund und kann durchaus als kleiner Probelauf der Autorin im Bereich der Gay Romance gesehen werden – oder als Zugeständnis an den Argument Verlag, der diesbezüglich eine Vorreiterrolle innehatte. Seit dem Boys Love-Hype, den Mangas und Animes auslösten, spricht das Thema zudem ein breiteres Publikum an, als man jemals erwartet hätte.

Passend gewählt ist das Cover von Martin Grundmann, das auf schwarzem Grund (Schwarz ist die Grundfarbe der ariadne krimis) die graue Silhouette eines bewaffneten Unbekannten zeigt – der undurchsichtige, lange gesichtslos bleibende Müller -, darüber der Titel in Blutrot, seine Morde symbolisierend.

„Müllers Morde“ ist ein rundum gelungener Krimi, der immer wieder zu überraschen weiß – ein weiterer Volltreffer von Monika Geier!

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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