Parasiten

Marina Heib
Parasiten
Christian Beyer 7

Piper Verlag, München, 12/2011
PB, Hamburg-Krimi
ISBN 978-3-492-27300-8
Titelgestaltung von N. N.

www.piper.de
www.marinaheib.de

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Es geht wieder nach Hamburg zu Christian Beyer, Chef der Soko Bund, der bundesweit agierenden Kriminalabteilung. Marina Heib weist Neuleser geschickt in die Charaktere ein, indem sie auf den ersten Seiten die Soko vorstellt, sodass dieser Krimi jedem verständlich ist, der die vorherigen nicht gelesen hat. Die Soko ermittelt in einem sonderbaren Fall: Eine Putzfrau findet ihren Arbeitgeber Dr. Benedikt tot in seinem Haus. Sein Körper wurde mit Schnitten übersät, auf seiner Haut und in seinem Mund krabbeln Würmer und Insekten. Und das zweite Opfer lässt nicht lange auf sich warten. Es handelt sich um Henning Petersen, einen Volontär der Hamburger Morgenpost. Petersen war schwul und hat es ordentlich krachen lassen, hatte sich aber kurz vor seinem Tod verliebt und wollte sein Leben ändern – sein Lover war Danylo Savchenko.

Anna Maybach, Psychologie-Dozentin und Christian Beyers Lebensgefährtin, besucht ein Konzert von Sofia Suworow (Geigerin) und Danylo Savchenko (Pianist). Doch Danylo erscheint nicht zu dem Konzert, was Sofia wütend macht. Doch schon bald ist sie in Sorge, denn Danylo scheint wie vom Erdboden verschluckt. Dem nicht genug, wird Sofia auch noch in ihrer Wohnung in Bremen überfallen, zusammengeschlagen und bedroht. Sie soll etwas über eine Kassette verraten, von der sie aber keinen blassen Schimmer hat. Der Mann, der sie übel zurichtet, warnt und erpresst sie damit, in dem er auch ihre Familie bedroht. Christian Beyer stößt bei seinen Recherchen ebenfalls auf Sofias Namen und sucht sie in Bremen auf. Doch sie verheimlicht ihm  aus Angst um ihre Familie alles über den Überfall, aber dennoch erfahren die Beamten einiges über Danylo und dessen Umfeld. Sofia fliegt aus Sorge um ihre Familie zu ihnen nach Moldawien und erfährt dort, dass die Drohung keine leere war, denn ihre jüngere Schwester Alina ist verschwunden.

Daraufhin spricht Sofia mir ihrem kriminellen Cousin Vadim, dem schwarzen Schaf der Familie, und bittet ihn um Hilfe. Da Sofias Eltern als einzige der Familie immer gut zu Vadim waren, verspricht er Sofia, sein Möglichstes zu tun. Er vermutet, dass Alina von Frauenhändlern in die Prostitution gezwungen und in den Westen verschleppt wurde. Sofia trifft sich daraufhin mit Vadims Boss, der der Kopf der ‚Organisation‘ ist. Mit dem Ergebnis, dass auch sie von dem Menschenhändler gefangengenommen und vergewaltigt wird. An Petersens Leiche wird die DNA eines bekannten russischen Auftragskillers gefunden, der allerdings tot ist, aber er hat einen Bruder. Somit kann die Soko erste Ansätze in ihrer Ermittlung machen, aus welcher Richtung der potentielle Täter stammt. Danylo ist in Südfrankreich untergetaucht. Christian Beyer spricht derweil mit dessen Vater Maxym Savchenko. Die beiden Männer fliegen ebenfalls nach Moldawien zu Sofias Familie. Dort erfahren sie von Alinas

Danylo führt es weiter nach Paris. Er hat sich mittlerweile eine Waffe gekauft und will einiges, was er an Sofia und Petersen verschuldet hat, wieder gutmachen. Er trifft sich in Paris mit einem Ex-Geliebten, bei dem er unterkommt und der ihm Hilfe zusichert. Danylo beginnt als Erstes damit, nach Sofia zu suchen, weil er Schuld an ihrer Misere ist. Denn sein ermordeter Geliebter Henning Petersen hatte vor seinem Tod etwas Brandheißes herausgefunden – über die Frauenhändler. Und hatte das auf der besagten Kassette festgehalten. Sofia überlebt alle Demütigungen, Vergewaltigungen und das fünfstündige ‚Einreiten‘ der Handlanger der Frauenhändler nur mit dem Gedanken an ihre Schwester Alina, die sie ausfindig machen und retten will. Sie freundet sich mit Katya an, die ebenfalls eine der verschleppten Frauen ist. Als Sofia ‚versteigert‘ und unter Drogen gesetzt wird, verspricht sie, dafür zu sorgen, dass Katya freigekauft wird, nachdem Sofia ihre Schwester Alina gefunden hat. Henning Petersen hatte vor seinem Tod einen Brief an seinen Kollegen Walter Ramsauer geschickt – mit brisantem Material: der Kassette. Ramsauer wittert die Story seines Lebens. Und erlebt aber sein blaues Wunder, als er sich mit den Frauenhändlern in Kontakt setzt.

Vadim ist bei seinem Boss in Ungnade gefallen und macht sich ebenfalls auf die Suche nach Sofia und Alina. Als Maxym Savchenko zu Tode kommt, trifft Christian Beyer im Krankenhaus auf Danylo, der natürlich herbei gereist ist. Christian Beyer will mit ihm reden, doch Vadim taucht auf und vereitelt das. Die beiden Männer verlassen fluchtartig das Krankenhaus und machen sich nach Oslo auf. Dorthin soll Alina angeblich ‚verkauft‘ worden sein. Aber die Spur führt ins Leere. Dafür erfahren sie dort, dass Alina angeblich nach Frankfurt gebracht worden sein soll. Nun gilt es einige Fragen zu klären: Können Vadim und Danylo Alina und Sofia ausfindig machen und retten? Wird Andres Puri, der potentielle Kopf der Frauenhändler, gefasst? Bringt die Soko den Mörder zur Strecke? Und was steckt hinter den Insekten an den Leichen?

Marina Heib entwickelt sich immer mehr zu einer unter Kennern favorisierten Krimi-Autorin. Sie schreibt äußerst spannend, gewährt den Lesern einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele und der Bigotterie der Gesellschaft, in diesem Band in die Brutalität gewisser ‚Organisationen‘. Sie schuf mit „Parasiten“ ein erschütterndes, eindrucksvolles, realitätsnahes und aufrüttelndes Buch. Darüber hinaus erfährt der Leser auch Fakten und Daten über den realen Menschenhandel und die Zwangsprostitution. Dreh- und Angelpunkt dieses grandiosen und schwer unter die Haut gehenden Krimis ist dieses Mal nicht die Soko, sondern eindeutig Sofia, deren Lebens- und Leidensgeschichte den Leser packen und nicht mehr loslassen wird. Weil er Teil ihrer Qualen wird, ihrer Stärke, sich nicht aufzugeben und brechen zu lassen, und schlussendlich auf ihre Weise mit ihr Rache übt – und erkennen muss, dass sie dennoch eine zerbrochene Seele geworden ist.

Die Aufmachung des Buches ist wie immer ansprechend, das Covermotiv passend. Papier und Druck tadellos. Bei den Kursivpassagen hat sich allerdings der Satzfehlerteufel eingeschlichen, denn diese Stellen lassen den Blocksatz vermissen. Vom Layout her ist leider schon die vierte Buchumschlags-Variante bei fünf Heib-Krimis zu verzeichnen, was bedauerlich ist und sich optisch nicht gut im Regal macht. Das sind aber auch die einzigen beiden kleinen Wehrmutstropfen, denn sonst stimmt wirklich alles. Vor allem die Leistung der Autorin, die es wieder einmal geschafft hat, auf einem hohen Level spannend zu unterhalten.

Marina Heibs Krimis werden immer eindringlicher und unter die Haut gehender. „Parasiten“ behandelt ein wichtiges Thema und lässt einen lange nicht los – absolut empfehlenswert!

Copyright © 2013 by Alisha Bionda (AB)

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