Puppenspiele

Marina Heib
Puppenspiele
Christian Beyer 4

Piper Verlag, München, 10/2010
PB, Thriller
ISBN 978-3-492-25956-9
Titelgestaltung von Cornelia Niere, München unter
Verwendung eines Fotos von Artwork Cornelia Niere

www.piper.de
www.marinaheib.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Christian Beyer und sein Team ermitteln wieder! Marina Heib lädt erneut in ihre Krimiwelt ein und brilliert einmal mehr mit einem neuen Roman rund um die Soko. Die Handlung startet mit „Teil I: Machtspiele“. Hamburg 2009: Clarissa Wedekind, Chemikerin im Düsseldorfer Kosmetik-Konzern ‚Aglaia„, steht kurz vor der letzten Sprosse auf der Karriereleiter als Vorstandsvorsitzende in spe. Da kommt es ihr alles andere als gelegen, dass sie von einem jungen, attraktiven Wissenschaftler aus Genf, mit dem sie einen eher freudlosen One-Night-Stand hatte, mit einem brisanten Kapitel ihrer Vergangenheit konfrontiert und um 1 Million erpresst wird.

Christian Beyer muss seine Lebensgefährtin Anna mit gemischten Gefühlen zusammen mit seinem Team-Kollegen und Annas Ex-Geliebten Pete Altmann aus beruflichen Gründen in die USA fliegen lassen. Ohne Anna ist es still in ihrer Villa, sie sie seit zwei Jahren zusammen bewohnen. Dann ereilt ihn die Nachricht, dass er mit seinem Team nach Berlin soll – wegen eines Leichenfundes.

Tübingen: Elisabetha Stamminger (74 Jahre) hört einen Streit in der Wohnung unter ihr zwischen der jungen Studentin Sarah und ihrem neuen Freund. Kurz danach findet Elisabetha Sarah erstochen in ihrer Wohnung vor. Berlin: Ans Wachsfigurenkabinett wurde eine ominöse Kiste geliefert – als ‚Spende„ deklariert und mit makabrem Inhalt: die Leiche einer jungen Frau (Catrin Rahnberg, 23 Jahre, Studentin), in sitzender Stellung mit feinen Drähten auf einem Stuhl fixiert, nackt, ohne jegliche Körperbehaarung und mit einer wulstigen roten Narbe in der Herzgegend. Zu ihren Füßen liegt ein Bogen Papier, mit der Aufschrift: „Menschen! Das dritte Geschlecht ist in der Welt.“ Christian Beyer spricht mit Petra Rahnberg, der Mutter der Toten, die sehr dominant auftritt, aber Beyer nicht unsympathisch ist – im Gegenteil.

München: In München gab es einen ähnlichen Fall. Dort wurde die Leiche in einer Kiste an den Zirkus Krone geschickt. Es handelt sich bei der Toten um die 25-jährige Mira Weininger, Jurastudentin. Ihr war die Nachricht beigelegt: „Verstopft euch die Ohren, damit ihr den Schrei nicht hört.“ Christian Beyers Team spricht mit der Großmutter der Toten, die ihre Tochter (die Mutter der Ermordeten) unter strenger Kontrolle hat und einen deutlichen Männerhass erkennen lässt. Erste Ermittlungen deuten darauf hin, dass es eine Verbindung zwischen den Opfern gibt – die beiden jungen Frauen hatten kurz vor ihrem Tod einen jungen Mann kennengelernt, der jedoch unter falschem Namen und falschen Personenangaben auftrat. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass beide Tote aus guten Verhältnissen mit alleinerziehenden Müttern stammten. Und beide Leichen hatten einen Spiegel in der Hand. Die Obduktionen ergeben, dass den Leichen post mortem das Herz entfernt wurde. Entnahme der Herzen und Konservierung der Leichen lassen auf einen Täter mit medizinischen Kenntnissen schließen.

Luxemburg: Hier startet die Handlung aus Sicht des schönen Mörders Niklas, der sich erhaben über die Frauen fühlt und der das Perfekte und die Kontrolle liebt. Düsseldorf: Clarissa bekommt ein Päckchen mit einem perfekt vakuumierten menschlichen Herz. Darauf hin trifft sie sich mit Herbert Ackermann, Ex-Leiter des BND und Ex-Geliebter, und bittet ihn um Hilfe. Er vermittelt ihr Thomas Howela, der früher bei der Abwehr war und heute ‚spezielle„ Fälle übernimmt. Aber Clarissa hat auch über den Erpresser recherchiert: Er wurde kurz nach seiner Geburt adoptiert; sie hat eine Adresse ermittelt und übergibt sie Howela. Berlin: Jochen Kratz, ernsthafter Journalist und Kriminalreporter, und Petra Rahnberg treten in Kontakt und beschließen, gemeinsam zu recherchieren. Petra Rahnberg findet im Internet etwas über die „Narziss-Sage“, dass Spiegel als Seelenfänger gelten und für „Erkenne dich selbst“ stehen.

Tübingen: Die alte Elisabetha fertigt eine Zeichnung von Sarahs potentiellem Mörder an. In „Teil II: Rollenspiele“ geht es mit dem Mörder weiter, und der Leser erfährt mehr über ihn. Straßburg: Niklas hat sich im Kutscherhaus einer Villa eingemietet und nennt sich jetzt Fréderic Rouge-Joue. Er hält den Mensch für einen elenden Wurm, für dumm. Niemand mag Niklas, und das war schon immer so. Er fühlt sich den Menschen überlegen, die Inszenierung der Leichen ist für ihn ein provokantes Spiel. Niklas sind Gefühle fremd – vor allem Liebe. Er erinnert sich an seine Kindheit, auch dass er als Schlaumeier schon immer ausgegrenzt wurde. Niklas will Clarissas Leben zerstören – will ihre völlige Vernichtung, wenn er nicht bekommt, was er sucht: eine ebenbürtige Gefährtin, die ihm gibt, was er nicht kennt, nämlich Liebe. Er will endlich lernen zu lieben. Sein nächstes ‚Objekt„ ist Sandrine Lacour, aber auch sie ist eine Enttäuschung.

Gelsenkirchen: Thomas Howela besucht Niklas‟ Adoptiveltern in ihrer spießigen Kleinbürgerlichkeit und spricht auch mit deren leiblichen Tochter, die nur Verachtung für den Adoptivbruder erkennen lässt. Howela erfährt, dass Niklas mit sieben Jahren in ein Heim gekommen ist und von dessen Leiter, dass Niklas zu den hochbegabten Kindern gehört hat. Straßburg: Christin Beyer und sein Team fahren zusammen mit Petra Rahnberg nach Straßburg, als dort das nächste Opfer gefunden wird, und erfahren Weiteres über den Täter.

Nun spitzt sich alles in „Teil III: Fragespiele“ und „Teil IV: Endspiel“ immer mehr zu, wird richtig turbulent, und die Spannung wächst von Seite zu Seite. Viele Fragen stellen sich, die beantwortet werden müssen: Was hat Clarissa Wedekind aus ihrer Vergangenheit zu verbergen? Was kann Thomas Howela noch herausfinden und bewirken? Wird Niklas gefasst? Gibt es bis dahin weitere Morde? Die Mütter der Opfer scheinen der rote Faden zu sein, doch was verbindet sie? Die eine oder andere Antwort fällt, wie immer bei Marina Heib, anders aus, als erwartet. „Puppenspiele“ ist gewohnt intelligent, spannend und teils auch witzig. Eine runde Sache. Durch kleine Hinweise und Rückblicke findet sich auch ein Neuleser, der Band 1 – 3 nicht kennt, rasch in das Ermittler-Team ein. Dennoch möchte man jedem Thriller-Freund alle vier Bände empfehlen, denn sie steigern sich von Buch zu Buch, und man wird auch Teil der Entwicklung der Autorin.

Marina Heib geht nach dem Columbo-Prinzip vor: Man kennt recht schnell den Täter, und dennoch ist man durch die rasante Handlung, und seine Überführung derart gefangen, dass das dem Spannungsbogen keinen Abbruch tut, im Gegenteil, ihn noch erhöht. Darüber hinaus wartet Marina Heib wieder mit Überraschungen auf und bietet einen psychologisch ausgetüftelten Plot. Die Aufmachung ist gewohnt gut. Das einzige kleine Ärgernis ist die Tatsache, dass die vier Heib-Krimis leider mit drei (!) verschiedenen Buchumschlags-Optiken daherkommen. Die Buchrücken sind somit leider im Regal nicht einheitlich. „Puppenspiele“ ist ein spannender und psychologisch ausgetüftelter Krimi von Marina Heib. Wie schon seine Vorgänger absolut empfehlenswert!

Copyright © 2011 by Alisha Bionda (AB)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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