Rauhnacht

Volker Klüpfel, Michael Kobr
Rauhnacht
Kluftingers fünfter Fall

Piper Verlag GmbH, München
Taschenbuchausgabe: 11/2010, Originalausgabe: 09/2009
TB, Regionalkrimi
ISBN 978-3-492-25990-3
Titelgestaltung von semper smile, München und Cornelia Niere, München
Autorenfoto von Peter von Felbert

www.piper.de/
www.kommissar-kluftinger.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Mit „Rauhnacht“ erschien 2009 der fünfte Band einer Kriminalromanreihe, die regelmäßig in den Bestsellerlisten deutscher Magazine vertreten ist. Ein Jahr später folgte auf die Hardcover-Ausgabe das preiswertere Taschenbuch. Außerdem ist der Titel als Audio-CD erhältlich.

Kommissar Kluftinger (über dessen vollen Namen die Leser nach wie vor im Unklaren gelassen werden) wird zusammen mit seiner Ehefrau und einem befreundeten Paar auf einen Kurzurlaub in ein Allgäuer Berghotel eingeladen. Dort ist ein Kriminalspiel geplant, bei dem eine fiktive Mordsituation aufgeklärt werden soll. Dramatisch wird es, als ein Hotelgast in einem von innen verschlossenen Zimmer ermordet aufgefunden wird. Der einsetzende Schneefall führt parallel dazu, dass das Berghotel über Nacht von der Außenwelt abgeschnitten wird.

Authentisch und menschlich wird Kluftinger dargestellt, was nicht zuletzt den Erfolg der Serie ausmacht. Er ist verschroben, oftmals ein wenig grantig und besitzt viele Attribute, die ihn zu einem Spießbürger machen. Dazu im Gegensatz steht seine hohe beruflich notwendige Kombinatorik, die, gepaart mit einer phänomenalen Weitsicht, es ihm erlaubt, jeden schwierigen Kriminalfall aufzuklären. Im vorliegenden Band lassen die Autoren Kluftinger sich selbst mit Hercule Poirot vergleichen. Im Rahmen des Kriminalspieles verkleiden sich die Teilnehmer – Kluftinger geht in seiner Rolle als belgischer Meisterdetektiv herrlich auf. In psychologischer Sicht ist interessant, dass er während des Poirot-Auftrittes eloquent und absolut selbstsicher vor einer Menge agieren kann, während ihm dies im wahren Leben ein Graus ist.

Ihm zur Seite steht ein befreundeter Arzt, der Kluftinger in vielen Bereichen des täglichen Lebens überlegen ist. Dr. Langhammer ist hochgebildet, hat offensichtlich viel Geld zur Verfügung und bringt Kluftinger mit Anspielungen auf nächtliche Aktivitäten im Ehebett in Verlegenheit. Als Verlegenheitsadlatus darf Langhammer dem Kommissar zuarbeiten, übernimmt aber schnell eigene Vorstellungen mit in die improvisierte, aber tragischerweise wichtige Polizeiarbeit. Hier wird ein seit mehreren Bänden schwelender Konflikt weiter ausgearbeitet, bis er schließlich in einem großen Streit kulminiert.

Die Handlung ist absolut spritzig dargestellt, es macht wahnsinnig viel Spaß, „Rauhnacht“ an einem Stück durchzulesen. Die erschienenen fünf Bände bilden eine lose Folge. Darum ist es schon ratsam, sie der Reihe nach zu lesen. Anspielungen auf frühere Fälle würden sonst nicht verstanden. Dennoch lässt sich jeder Roman auch einzeln außerhalb der Reihe genießen. Die Charaktere, auch Kluftinger, sind sympathisch und wirklichkeitsnah angelegt. Die Gedankengänge, Emotionen und Handlungen sind nachvollziehbar und ungekünstelt. Augenzwinkernd ist am Ende des Buches eine handgezeichnete Tatort-Skizze von Kluftinger selbst eingefügt, die in ihrer schlichten Rohheit wohl am meisten über das Wesen des Kommissars aussagen kann.

Ein Beispiel für das hohe Identifikationspotential sind die in den beschriebenen Allgäuer Orten angebotenen Führungen zu Wohnhäusern und Arbeitsstätten der Romanfiguren. Warum ist der regional aktive, grantige Kluftiger so erfolgreich? Der zweite Band der Reihe („Erntedank“) wurde bereits für das Fernsehen verfilmt, hat bei der Erstausstrahlung die TV-Quote angeführt (meedia.de), Kluftinger ist als „Tatort“-Kommissar im Gespräch. Die Literatur bewegt sich anscheinend von der Postmoderne weg. In Zeiten der Vernetzung und Globalisierung steht ein manchmal kleinbürgerlich wirkender Kommissar in den Bestsellerlisten … Wilkommen, Post-Postmoderne?

Copyright © 2011 by Richard Salzmann (RS)

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