Rosskur

Jürgen Seibold
Rosskur

Piper Verlag, München, 02/2013
TB, Kempten-Krimi
ISBN 978-3-492-30074-2
Titelgestaltung von Cornelia Niere, München unter Verwendung von
Motiven von Laurence Dutton, Davies + Starr/Getty Images (Pferd, Wimpel), shutterstock (Stall)

www.piper.de
www.bold.de
www.gettyimages.de
www.shutterstock.com

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei ebook.de

Eike Hansen aus Niedersachsen übernimmt die vakante Stelle als Kripo-Chef von Kempten. Da er weiß, dass sein beliebter Vorgänger zum Bauernopfer wurde, nimmt er es den neuen Kollegen nicht übel, dass sie ihn wenig herzlich empfangen. Er ahnt jedoch nicht, dass sie ihn auflaufen lassen wollen mit einem Fall, der ganz bestimmt keiner ist: Der bekannte Alkoholiker Horst Pröbstl glaubt beobachtet zu haben, wie der Pferdezüchter Thomas Ruff von zwei Unbekannten von einer Brücke in den Lech gestürzt wurde. Der Beamte, den er informierte, ignoriert die Meldung zunächst, geht ihr sicherheitshalber dann doch nach. Allerdings gibt es keine Leiche, und Marlene, die Frau des angeblich Ermordeten, behauptet, ihr Mann läge in seinem Bett.

Der vage Bericht wird Hansen zugespielt, der daraufhin mit Hanna Fischer und Willy Haffmeyer, die einzigen Polizisten, die sich nicht krank gemeldet haben oder Überstunden abbauen und bisher immer Innendienst schieben mussten, am Lech nach Spuren sucht – und fündig wird! Obendrein ist Ruff verschwunden; weder seine Frau noch seine Geliebte haben ihn seit jenem Abend gesehen. Wenig später wird Ruffs Leiche gefunden. Pröbstl hatte Recht, und jene Beamten, die Hansen den bösen Streich hatten spielen wollen, haben nun ein schlechtes Gewissen. Der neue Chef zeigt sich jedoch großzügig, da er die Frauen und Männer versteht. Somit liegt den Ermittlungen nichts im Wege, die sich als kompliziert erweisen, denn so mancher hegte einen alten Groll gegen Ruff. Obendrein ging es um viel Geld, denn Ruff wollte den verschuldeten Hof durch einen wertvollen Deckhengst retten …

Ein ‚Preuße‘ in Bayern. Das typische Klischee, das oft genug verarbeitet wurde in Unterhaltungsromanen (und -filmen). Wobei man wissen sollte, dass als ‚Preuße‘ jeder Nicht-Bayer gilt – und nicht nur die Berliner und die Ost- und Norddeutschen allgemein. Die daraus resultierende Hass-Liebe nutzt auch Jürgen Seibold in „Rosskur“ („Die Rosenheimcops“ und „Der Bulle von Tölz“ fahren sehr erfolgreich dieselbe Schiene), indem er einen norddeutschen Kripo-Chef nach Kempten schickt, wo ihm die Kollegen sogleich klarmachen wollen, dass er nicht willkommen ist. Allein die Außenseiter Fischer und Haffmeyer geben Hansen eine Chance – so wie er auch ihnen die Gelegenheit einräumt zu beweisen, dass sie mehr auf dem Kasten haben, als alle anderen glauben. Und Hansen wird nicht enttäuscht.

Auch die übrigen Ermittler, die mit ihm in Berührung kommen, erkennen schnell seine Qualitäten und bedauern den eisigen Empfang. Allerdings ist Hansen erfahren und ein Menschenkenner, so dass er mit Derartigem gerechnet hat und allen eine zweite Chance gibt. Seine ersten Freunde, Fischer und Haffmeyer, vergisst er darüber erfreulicherweise jedoch nicht. Parallel zu dieser Problematik verläuft das eigentliche Verbrechen, der Mord an einem Pferdezüchter, der große Pläne hatte, den Frauen zugetan war, etwas herausfand, wovon er besser nichts gewusst hätte, und dadurch jemandem in die Quere kam, der seine Gewinne gefährdet sah. Bis Hansen alle Puzzlestücke an den richtigen Platz legen kann, muss er sich durch den Filz der bayerischen Gemeinden kämpfen, die zum Schauplatz der Tragödie wurden und weitere Dramen zum Besten geben.

Nachdem der Anfang sehr ausführlich und schön die Begebenheiten schildert, wirkt die Handlung zum Ende hin etwas konfus und gehetzt, denn der Konflikt weitet sich aus, bezieht Personen mit ein, die zunächst bloß am Rande oder gar nicht auftraten, und letztlich muss der Autor auf den verbleibenden Seiten schnell die Zusammenhänge erläutern, die in der Handlung nicht klar wurden. Das ist schade, denn gewiss hätte man schon früher einige Hinweise setzen können, durch die sich die Lösung von selbst ergeben hätte.

Jürgen Seibold schreibt unterhaltsam und gefällig, verliert aber zum Ende hin etwas den Faden, so dass er sich anstrengen muss, möchte er Volker Klüpfels und Michael Kobrs „Kluftinger“ das Wasser reichen. Konkurrenz hat er außerdem von anderen Autoren, die auf der Kempten- bzw. Allgäu-Krimi-Welle mit schwimmen wollen.

Copyright © 2013 by Salzmann, Irene (IS)

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei ebook.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.