Roter Glamour

Dominique Manotti
Roter Glamour
Noria Ghozali 1

Nos fantastiques années fric, Frankreich, 2001
Argument Verlag, Hamburg, dt. Erstausgabe: 07/2011
TB, ariadne krimi 1192
ISBN 978-3-86754-192-3
Aus dem Französischen von Andrea Stephani
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Fotos von Wild Geese, Fotolia.com

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Präsidentenberater François Bornand versucht, eine Staatskrise zu verhindern, in die er selber verwickelt ist. Ein Flugzeug mit einer Waffenlieferung an Bord wurde über der Türkei abgeschossen. Bornard nutzt seine Beziehungen zu Geheimdienstmitarbeitern und Söldnern, die seine Spuren verwischen und Personen, die zu viel wissen, zum Schweigen bringen sollen. Noria Ghozali, Tochter von Einwanderern, flieht als junges Mädchen aus einem Elternhaus, in dem sie keinerlei Rechte hat, von Vater und Bruder regelmäßig misshandelt wird. Sie will künftig zu den Gewinnern gehören und lässt sich zur Polizistin ausbilden. Mit großem Ehrgeiz befasst sie sich mit einem Fall, den kein anderer hatte übernehmen wollen. Sie will sich und anderen beweisen, dass sie dazu gehört – denn bei der Polizei und an den Einsatzorten schlägt ihr ständig Ausländerfeindlichkeit entgegen. Auf einem Parkplatz wird die Leiche einer hübschen, jungen Frau gefunden, die offenbar im Rotlichtmilieu gearbeitet hatte. Obwohl es so gut wie keine Spuren gibt, lässt Noria nicht locker und geht den kleinsten Hinweisen nach, wodurch Personen in höchsten Ämtern unter Druck geraten.

Eingangs wundert man sich, welche Rolle einem Mädchen mit Migrantenhintergrund in einer politischen Krise, wie sie der Klappentext kurz umreißt, zukommen soll. Indem Noria Ghozali später als Polizistin mit einem Mordfall betraut wird, der eigentlich ein Unfall war, scheucht sie mit ihren Ermittlungen hochrangige Personen auf, die mehr als den Tod einer Edel-Prostituierten zu vertuschen trachten. Das Bestreben, jegliche Spuren zu verwischen, zieht weitere Morde nach sich, und doch legt sich die Schlinge immer enger um den Hals der Verantwortlichen. Dies liegt nicht nur an Norias Beharrlichkeit und an den übergeordneten Institutionen, die sich einschalten, sondern vor allem am Egoismus und der Skrupellosigkeit der ‚Mächtigen‘, an der mangelnden Zusammenarbeit von Polizei, Geheimdienst u. a., die sich diesmal als Vorteil erweist – und an den kleinen Fehlern sowie dem Verlust der Gunst des Präsidenten, die Bornands Kartenhaus letztlich zusammenbrechen lassen.

Die Geschichte hätte in jedem beliebigen Land spielen können, ist sie doch letztlich eine Metapher für das uneingeschränkte Schalten und Walten derer, die die Macht und das Geld haben, dass sie für sich Gesetze und ethische Regeln außer Kraft setzen und andere an ihrer statt büßen lassen – das aktuelle Tagesgeschehen liefert regelmäßig Beispiele dafür. Gleichzeitig bedient die Autorin – Dominique Manotti ist Historikerin – nach sorgfältiger Recherche die Phantasien des Publikums, das sich genau solche Szenarien ausmalt: Politiker, Unternehmer, Stars und ihr ganzer Klüngel leben in Saus und Braus (Sex-Partys, Drogen …), benutzen andere Menschen nach Belieben und gehen über Leichen, um ihre Positionen zu bewahren.

Gespannt folgt man den Geschehnissen, die manchmal recht fragmenthaft aneinandergereiht wurden. Die Handlung spielt an wechselnden Schauplätzen und wird von zahlreichen Charakteren bevölkert, die ausnahmslos zum Leser auf Distanz bleiben, selbst Noria, die einer Identifikationsfigur noch am nächsten kommt. Auf die Ausländerfeindlichkeit, der sie sich wohl auch im nächsten Band ausgesetzt sehen dürfte, wird nicht weiter eingegangen, da der Punkt für das eigentliche Thema belanglos ist. Es bleiben keine Fragen offen, und das Ende befriedigt. Ein faszinierender Polit-Thriller!

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)
 
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