Sag Onkel

Greg F. Gifune
Sag Onkel

Originaltitel: Saying Uncle (2008)
Verlag: Festa
ISBN  978-3-86552-124-8
Krimi/Thriller
Erscheinungsjahr: 2011
Übersetzer Sigrid Langhaeuser
Umfang 196 Seiten

www.festa-verlag.de
www.gregfgifune.com

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zum Autor:

Greg F. Gifune (geb. 1963) gilt als einer der besten Thrillerautoren seiner Generation. Er hat bereits 15 Romane veröffentlicht. Ihr dunkel-melancholischer Ton hat ihm unter Kritikern und Lesern fanatische Fans gesichert. Er lebt mit seiner Frau und einer ganzen Schar Katzen in Massachusetts/USA.
(Quelle: Verlag)

Zum Buch:

Der Onkel – Vaterersatz für Andy nd seine kleine Schwester Angela, genannt Angie, deren Mutter ist Onkels Schwester. Und immer, wenn ein Mann im Haus gebraucht wird, kommt Onkel, dessen Name eigentlich Paul ist, aber die Kinder nennen ihn zeitlebens einfach Onkel. Aber er ist auch in schönen Momenten ihrer Kindheit bei ihnen, verbringt viel Zeit mit den Kindern, spielt mit ihnen, freut sich offensichtlich darüber, dass er Teil dieser Familie ist. Und er kommt auch, wenn einer der zahlreichen Freunde seiner Schwester sie nicht allzugut behandelt und sorgt wieder für Ordnung.

Genauso, wie er sofort kommt, als Angie mit 12 Jahren von meinem als Raufbold und überheblichen Jugendlichen bekannten Jungen missbraucht wird. Andy ist nicht in der Lage, diesen Missbrauch zu ahnden oder zur Polizei zu gehen. Nein, er holt Onkel. Und die Mutter und Onkel beratschlagen, was zu tun ist, ja, sie bittet ihn geradezu um eine endgültige Lösung des Problems.

Onkel will Andy dazu bringen, seine Schwester zu rächen, doch Andy läuft davon und malt sich aus, was Onkel nun tut. Daraufhin verschwindet das „Problem“ spurlos, sprich, der Junge, der sich an Angie vergangen hat, taucht nie wieder auf.

Im Laufe des Buches setzen sich immer mehr Stücke zusammen, die ganze Tragweite der einzelnen Handlungen, oder was unterlassen wurde, führen in eine wirkliche Tragödie. Mit dem Verschwinden des Täters scheint die fröhliche, teilweise unbeschwerte Kindheit von Andy und Angie, aber auch die Familie, einfach von einen Augenblick auf den anderen zerstört zu sein.

Und nun, viele viele Jahre später, Andy ist schon erwachsen, 36 Jahre alt, ist Onkel tot. Erschossen. Mit noch einem anderen Mann im Auto. Und Andy macht eine Reise in die Vergangenheit, durchlebt noch mal Momente des Glücks und Momente der Angst, der Traurigkeit, des Verlusts und stellt sich allem, was damit einhergeht. Er soll Onkel identifizieren, was er auch tut, aber danach geht die Reise in die Vergangenheit erst richtig los. Mit aller Brutalität und allen Gefühlen einer fernen Kindheit.

Fazit:

Sympathy for the Devil
Ganz klar, Onkel ist ein Verbrecher, er stiehlt, betrügt und so wie es aussieht, bedeutet ihm so manches Menschenleben nichts. Doch das ist die eine Seite. Die andere ist der unglaublich liebevolle Onkel, der den Kindern das Lachen schenkt, ihnen Wärme und Geborgenheit gibt, die sie vermissen, da ihr Vater sie einfach im Stich gelassen hat und ihre Mutter allein die Kraft dafür nicht aufbringt. Nur, wenn Onkel da ist, scheint für alle die Sonne.

Und nun ist er tot. Erschossen. Und man weiß einfach schon vorher, dass es nur mit einer „krummen Tour“ zu tun haben kann, anders geht es gar nicht. Und trotzdem, man hat ihn aufgrund seines Umgangs mit den Kindern, dieser großen Liebe, die er ihnen gegenüber ausgestrahlt hat, so sehr ins Herz geschlossen, dass einen eine Traurigkeit empfängt. Und wenn man jetzt mit Andy gemeinsam in die Vergangenheit geht, möchte man ihnen bei so vielen Dingen Einhalt gebieten, sagen, nein, tut das nicht. Doch ist man zum „Zusehen“ verdammt und spürt, wie alles in eine unausweichliche Katastrophe schlittert.

Ein Thriller, der ohne viel Blut auskommt, das finde ich sehr bemerkenswert, weil er mich trotzdem sehr getroffen hat. Es hat mir schier körperlich weh getan, wie Andy leidet, wie er sich seiner eigenen Schwäche stellen muss, seinen Fehlern, wie er seinem besten Freund begegnet und weiß, dass dieser ebenfalls in sein Verderben läuft, nur offensichtlicher. Man ist als Leser ja immer live dabei, sieht die Tränen, spürt den Verlust ganz genau. Und das ist weitaus schlimmer, schmerzhafter, als das umschriebene Bild einer blutigen Wunde (die in dem Buch nur kurz erwähnt wird, mehr braucht es nicht!).

Für mich liegt der Thrill in diesem Buch darin, dass von vorneherein klar ist, dass alles nur schief laufen kann und man so machtlos ist, das ist eine ganz spezielle Form von Grauen, die aber trotzdem extrem tief geht.

Copyright © 2012 by Sabine Kettschau

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Weitere Titel des Autors:
Blutiges Frühjahr
Die Einsamkeit des Todbringers

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.