Schöner Schein

Donna Leon
Schöner Schein
Commissario Brunettis achtzehnter Fall

Titel des Originals: „About Face“
Diogenes Verlag AG Zürich
ISBN 978-3-257-06745-3
Kriminalroman, 2010
Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz
Umfang 344 Seiten

http://www.diogenes.ch/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Guido Brunetti, Venedigs sympathischster Detektiv hat einen neuen Fall. Dabei beginnt die Handlung des Buches äußerst unspektakulär mit einem Abendessen bei den Schwiegereltern. Dort macht der Comissario jedoch Bekanntschaft mit der „Superliftata“, Franca Marinello, einer Frau deren Gesichtszüge durch chirurgische Eingriffe bis zum Äußersten entstellt wurden.

Der Komissar lernt die Frau beim Abendessen besser kennen und wird von ihrem Intellekt und ihrer Leseleidenschaft sehr beeindruckt. Die Begegnung mit dieser Frau zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und hat später indirekt mit dem Fall zu tun, in den Brunetti mal wieder „so hineingerät“. Der Sonderbeauftragte Polizist aus Marghera ersucht Brunetti um Hilfe, verhält sich ihm aber äußerst misstrauisch und offenbart ihm nicht alle Details des angeblichen Raubüberfalls an einem Speditionsbesitzer. Brunetti findet jedoch schnell heraus, dass der Tote Geschäfte mit der Camorra gemacht hat, der italienischen „Müllmafia“ und wahrscheinlich für ein Fehlverhalten büßen musste. Schon beginnen die Ermittlungen gegen ein System, dass sich kaum noch aufhalten lässt. Nach kurzer Zeit wird der Polizist, der Brunetti um Hilfe ersuchte ebenfalls tot aufgefunden und Brunetti muss nun auch noch den zweiten Todesfall aufklären.

Sein einziger Hinweis dabei: Ein Gesicht, aufgenommen mit einem Handy. Er gerät immer tiefer in undurchsichtige Geschäfte, die immer weitere Kreise ziehen, stürzt von einem moralischen Konflikt in den nächsten und muss am Ende erkennen, dass sich manche Dinge einfach nicht mehr aufhalten lassen. Er blickt hinter die Fassaden zahlreicher Menschen und stellt am Ende des Kriminalsromans das persönliche Schicksal einer Frau, vor die Auklärung eines weiteren Kriminalfalles. Brunetti schafft es doch noch, für Gerechtigkeit in einer Sachlage zu Sorgen, die aussichtslos erscheint. Dabei bleibt der Commissario immer so wie er ist, typisch italienisch. Ob er sich nun mit seiner Frau und den Kindern streitet, das italienische Essen genießt oder geschickt versucht sich seinen Chef Patta gefügig zu machen, am Ende beeindruckt Brunetti immer durch seine Menschlichkeit und der Fähigkeit allem Aussichtslosen etwas Positives abzugewinnen.

„Schöner Schein“ ist einem Kriminalroman in dem man versinken kann und das nicht nur im Ambiente der schönen Stadt Venedig. Der schnelle und zielgerichtete Handlungsstrang, die vielschichtigen Charaktere und die überraschende Wendung am Schluss garantieren ein großartiges Lesevergnügen, dass nicht nur die Fans des Commissarios beeindrucken sollte. Für Neueinsteiger dieser Serie ist dieser Roman ebenfalls geeignet, da man auch ohne größeres Vorwissen gut mitkommt- allerdings dürfte es dem Verständnis für die Figur Brunettis etwas abträglich sein. Was auch etwas schockiert ist, der durchaus realistische Blick auf die politische Situation Italiens, der in fast allen Brunetti Romanan eine Rolle spielt. Obwohl die Lage durchaus aussichtslos geschildert wird, trägt die Aufklärung des Falles am Schluss, wenn auch nicht vollständig, dazu bei den Leser mit einem guten Gefühl aus diesem Roman zu entlassen. commissario Brunetti spielt sich in das Herz des Lesers und dieser neue Roman reiht sich ohne Abstriche in die Reihe seiner Vorgänger ein. Brunetti bleibt aufregend und spannend, lebensnah und lustig.

Copyright © 2010 by Chiara Kaiser

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