Schüsse am Mittagsjoch

schusse-am-mittagsjochJosef Gehrer
Schüsse am Mittagsjoch

(sfbentry)
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen, 1995
HC, Jägerkrimi
ISBN 978-3-7888-0667-5
Titelgestaltung von Philipp Schneider unter Verwendung eines
Gemäldes von Eduard Leismüller (Ausschnitt)/Steiger Verlag
8 Seiten SW-Fotos im Innenteil von Josef Gehrer
Autorenfoto von N. N.

www.neumann-neudamm.de

Titel erhältlich bei Booklooker.de

Isidor Huz, der ‚Jager Dori’, ist mit seinem Leben ganz zufrieden: Die Mutter führt ihm den Haushalt, sein treuer Hund, die ‚Hex’, ist stets an seiner Seite, und er verbringt die Tage damit, durch die Berge zu wandern, das Wild zu beobachten, es zu hegen und seinen Bestand konstant zu halten. Das Idyll endet jäh, als ein Rheinländer das Revier des Jager Dori pachtet und damit auch das Jagdrecht erwirbt. Der Jäger soll künftig die Geschäftskunden seines neuen Arbeitgebers führen und ihnen den Abschuss prächtiger Hirsche ermöglichen. Die Ansichten und Ratschläge des Jager Dori interessieren keinen. Einziger Lichtblick für den brummigen Jäger ist der kleine Sohn von Herrn Kronenberg, mit dem er schnell Freundschaft schließt. Doch auch das hat bald ein Ende. ‚Böckerl’ wird von seinem lieblosen Vater wieder nach Hause geschickt, der Jager Dori entlassen, und sein Nachfolger ist ausgerechnet ein Bursche, den der Jäger einst wegen Wilderei hinter Gitter brachte. Jager Dori sinnt auf Rache…

Josef Gehrer, geb. 1923 in der Nähe von Bad Reichenhall, ist den Freunden der Jagd-Belletristik kein Unbekannter, denn von ihm erschienen in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Bücher, und 1964 gewann er den Jagdliteraturpreis. Seine Liebe zur Bergwelt und seine Verbundenheit mit der Natur kommen auch in „Schüsse am Mittagsjoch“ zum Ausdruck. Hier erzählt er die tragische Geschichte des Jager-Dori, einem urbayerischen Jäger, dessen Leben eine unerwartete Wende nimmt, als ihm alles genommen wird, was ihm etwas bedeutete. Daraus entwickelt sich ein Privatkrieg zwischen ihm und dem neuen Pächter sowie dessen Handlangern. Auf wessen Seiten die Sympathien liegen ist klar. Der Jager-Dori ist ein einfacher, aber aufrichtiger Mann, der von den Umständen dazu gezwungen wird, das Gesetz zu brechen, wie einst der „Jennerwein“, der wie so manch anderer durch Not zum Wilderer wurde. Das Buch versteht sich durchaus als Hommage an diese historisch belegte Persönlichkeit. Dabei bedient sich der Autor der gängigen Archetypen, die man mit Bayern und Preußen (jeder Nicht-Bayer ist automatisch ein Preuße), der Berg- und Geschäftswelt assoziiert. Aus den unterschiedlichen Anschauungen ergibt sich der nachvollziehbare Konflikt, der zu einer Tragödie führt.

Josef Gehrer fabuliert wie der legendäre Luis Trenker. Seine Protagonisten reden in Mundart; das liest sich ein wenig beschwerlich, bewegt sich aber im verständlichen Rahmen und ist auf die Dialoge begrenzt. Die Beschreibungen von Land und Leuten sind glaubwürdig, trotz oder gerade wegen der Klischees. Die Jagd und das Drumherum nehmen nur soviel Platz ein, wie für die Handlung notwendig ist, und bei dieser handelt es sich um einen Krimi mit Lokalkolorit. Wer sich noch an die alten Bergfilme erinnert, die vor Jahrzehnten immer mal im TV liefen und jetzt allenfalls noch von den dritten Programmen ausgestrahlt werden – die dramatische Atmosphäre dieser schwarzweißen, vor 1950 gedrehten Filme findet man auch in diesem Buch.

„Schüsse am Mittagsjoch“ ist keineswegs ein Krimi ‚nur für Jäger, Bergsteiger und Bayern’ sondern ein interessanter Roman für alle Genre-Fans, die auch mal über den Tellerrand schauen und neuen Themen aufgeschlossen gegenüberstehen. Es muss nicht immer der Raubmörder in der Großstadt sein oder der Auftragskiller, der von internationalen Agenten durch die ganze Welt gejagt wird, denn spannende und viel realistischere Verbrechen ereignen sich auch in der unmittelbaren Nachbarschaft, im Kleinen, und was richtig oder falsch ist, geht vom moralischen Standpunkt nicht immer mit dem Gesetz einher.

Copyright © 2008 by Irene Salzmann (IS)

 Titel erhältlich bei Booklooker.de

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