Sherlock Holmes – Das ungelöste Rätsel

Alisha Bionda (Hrsg.)
Sherlock Holmes – Das ungelöste Rätsel

Voodoo Press, Möllersdorf (A), 04/2011
PB mit Klappbroschur
Anthologie, Mystery-Crime
ISBN 978-3-902802-05-7
Titel- und Innenillustrationen von Crossvalley Smith
Mit einem Essay von Christian Endres und einem Nachwort von Klaus-Peter Walter

www.vodoo-press.com
www.alisha-bionda.net
www.crossvalley-design.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

„Die hier versammelten Fälle allerdings belegen, dass selbst einer der klügsten Köpfe seiner Zeit nicht alle Rätsel lösen konnte, jedenfalls nicht, ohne eine weitere Maxime hinzuzufügen.“ (Arthur Gordon Wolf: „Wheezy-Joe oder der dunkle Gott der Menge“)

Christoph Marzi: „Das ungelöste Rätsel“.
Der gerade von einer Südamerikaexpedition zurückgekehrte Professor Challenger wird auf direktem Weg bei Sherlock Holmes und Dr. Watson vorstellig. Der Fund, den der Wissenschaftler dort in einer Höhle gemacht hat, erweist sich als unglaubliches und auch für Sherlock Holmes unlösbares Rätsel.

Arthur Gordon Wolf: „Wheezy-Joe oder der dunkle Gott der Menge“.
Eine Mordserie erschüttert London. Der Täter schert sich nicht um etwaige Zeugen, die stets ein vernehmbares Schnaufen und Keuchen hörten. Nach sorgfältiger Analyse der bisherigen Morde machen sich Sherlock Holmes und Dr. Watson auf die Jagd nach dem dunklen Gott in der Menge.

Klaus-Peter Walter: „Die Frau aus dem Meer“.
Die Griechenland-Reise von John Watson beschert dem frisch Verwitweten ein amouröses Abenteuer freier Liebe. Die Ermordung seiner Gespielin allerdings bringt den … in höchste Bedrängnis. Nur ein Wunder kann ihm jetzt noch helfen.

Aino Laos: „Das Duplikat“.
Die Ermordung eines Geistlichen und Wissenschaftlers ruft Sherlock Holmes und Dr. Watson auf den Plan. Die Spur führt zu einer Missionsreise, die der junge Priester nach Island unternommen hat, und zu einer isländischen Legende.

Sören Prescher. „Der verfluchte Mann“.
Vier Personen aus dem näheren Umfeld Samuel Blakelys wurden kurz hintereinander durch Unfälle getötet. Die Besichtigung der Unfallorte liefert keine brauchbaren Ergebnisse. Lastet tatsächlich ein Fluch auf Samuel Blakely?

Klaus-Peter Walter: „Sherlock Holmes und der Orchideenzüchter“.
Im Haus des Botanikers Belmondo Maltravers (großartig!) gehen augenscheinlich merkwürdige Dinge vor sich. Essensportionen verschwinden, seltsame Umbaumaßnahmen finden statt, und im Keller befindet sich eine geheime Kammer, in der eine alte Frau gefangen gehalten wird.

Christian Endres: „Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes“.
Rätselhafte Morde an Uhrmachern, Pfandleihern und der Umstand, dass bis auf Uhren jeglicher Art nichts gestohlen wurde, geben Scotland Yard Rätsel auf. Die seltsamen, winzigen Verletzungen der Opfer lassen auf Zwerge oder Kobolde als Täter schließen.

Andrä Martyna: „Die Kreatur von Eastchurch“.
Der heimliche Besuch von Mr. Tibbs in der Baker Street 221b kann nur eins bedeuten: Die tot geglaubte Kreatur von Eastchurch, die fünfzehn Jahre zuvor Tibbs Ehefrau und eine Reihe anderer Personen getötet hat, ist noch am Leben.

Antje Ippensen: „Charlys Welt und Sherlocks Beitrag“.
In den Straßen stapeln sich die Müllberge und die Opfer der Vogelgrippe. Dazwischen ein Toter, dem das Gesicht und die Fingerspitzen fehlen. Der Ragdoll-Kater Charly ist sich sicher, dass das alles ein Ablenkungsmanöver ist, und beginnt zu ermitteln. Und er erhält die Hilfe des größten Detektivs der Welt.

Klaus-Peter Walter: „Sherlock Holmes und der Arpaganthropos“.
Holmes Besuch auf der griechischen Insel Kerkyra, wo Watsons Rekonvaleszenz nach dem Fall „Das Geheimnis der Unsterblichkeit“ stattfindet, bleibt nicht lange verborgen. Schon sucht der Kapitän eines … die Freunde auf und schildert ihnen die Begegnung mit einem schwebenden Gehenkten, der noch dazu außerordentliche Merkmale aufweist. Während Holmes diesem Rätsel vor Ort nachspürt, bleibt Watson zurück und freundet sich mit einem sprechenden Delphin an.

Linda Budinger: „Der stählerne Strahl“.
Rätselhafte Todesfälle am Themseufer rufen Sherlock Holmes auf dem Plan. In der Verkleidung eines Losverkäufers begibt er sich an den Ort der Verbrechen. Dort wollen mehrere Zeugen einen Vogel mit Menschenkopf gesehen haben.

„Neben der Darstellung der Person Sherlock Holmes, dessen Charakter durchaus seine Schattenseiten aufwies, und der exemplarischen Kriminalfälle, standen vor allem die außergewöhnlichen, teilweise verblüffenden Methoden des Meisterdetektivs im Fokus meiner Betrachtungen.“
(Arthur Gordon Wolf: „Wheezy-Joe oder der dunkle Gott der Menge“)

Im zweiten Teil von Alisha Biondas phantastischer „Sherlock Holmes“-Anthologie kreuzen unter anderem Nixen, Gestaltwandler, beseelte Mini-Roboter und ägyptische Götter die Wege von Sherlock Holmes und seinem Chronisten Dr. Watson. Gleich in der Eröffnungsgeschichte trifft Sherlock Holmes auf seinen Doyleschen Kollegen Professor George Edward Challenger (aus Sir Arthur Conan Doyles „Die vergessene Welt“). Obwohl es nicht das erste Mal ist, dass die beiden Helden aufeinandertreffen, schafft Christoph Marzi mit „Das ungelöste Rätsel“ eine anregende Kollaboration der beiden Doyle-Charaktere, in der auch noch die reale und die literarische Wirklichkeit verschmelzen.

Arthur Gordon Wolf sammelte bereits „Holmes“-Erfahrung in Alisha Biondas Anthologie „Das Geheimnis des Geigers“ (BLITZ-Verlag, 2006). Mit „Wheezy-Joe oder der dunkle Gott der Menge“ legt er eine zweite liebevoll-stimmige Hommage an den Meisterdetektiv vor.

„Die Frau aus dem Meer“ indessen wird „Holmes“-Puristen erbleichen lassen angesichts des sonst so korrekten John Watson, der es genießt, sich als gereifter Lustknabe von einer in allen Belangen abenteuerlustigen Frau u. a. unverhohlen oral befriedigen zu lassen.

Dies ist nur einer von drei Klaus-Peter Walter-Beiträgen, von denen „Das Geheimnis des Orchideenzüchters“ noch am klassischsten geraten ist. „Sherlock Holmes und der Arpaganthropos“ – eine direkte Fortsetzung von „Sherlock Holmes und das Geheimnis der Unsterblichkeit“ (in Alisha Bionda: „Sherlock Holmes – Der verfluchte Schädel“, Voodoo-Press, 2011) -, bringt Holmes und Watson mit einem Wer-Hai, sprechenden Delphinen und einem fliegenden Teppich zusammen. Bei aller Kamikaze-Crossover-Mentalität erweist sich Klaus-Peter Walter neben Vorwortschreiber Christian Endres („Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes“) als passionierter Kenner der Materie. Die spürbare Bewunderung, gepaart mit teils skurrilen Einfällen, machen Walters Geschichten zu Highlights der Sammlung. Ein weiteres Glanzstück für den aufgeschlossenen Holmes-Fan ist Antja Ippensens Katzenkrimi „Charlys Welt und Sherlocks Beitrag“, in dem der berühmte Ermittler dem Katzendetektiv Charly (in Tradition von Akif Pirinccis Francis) seine Fähigkeiten auf phantastische Weise zur Verfügung stellt. Ganz und gar unphantastisch, dazu noch etwas gezwungen, ist Aino Laos „Das Duplikat“.

Auch Sören Preschers „Der verfluchte Mann“ überlässt es dem Leser, hinter den Ereignissen eine zufällige oder phantastische Wirkung zu sehen. Stellenweise vermisst man den Einsatz von Holmes deduktiven Fähigkeiten als typische Charakteristik, ohne die der Detektiv doch sehr austauschbar wird („Die Kreatur von Eastchurch“, „Der stählerne Strahl“). Wo das der Fall ist, reduzieren sich die Storys auf gewöhnliche Gruselgeschichten. Wie man den ‚klassischen‘ Sherlock Holmes und Phantastik taktvoll und überzeugend kombiniert, zeigt Christian Endres bravourös und augenzwinkernd mit „Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes“, entnommen aus der gleichnamigen Sammlung (Atlantis Verlag, 2010), für die der Autor mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet wurde.

Wie auch der zeitgleich erschienene Band „Sherlock Holmes – Der verwunschene Schädel“, ist „Sherlock Holmes – Das ungelöste Rätsel“ als Paperback mit Klappbroschur gefertigt. Die Cover- und Innengrafiken (eine zu jeder Story) wurden von Crossvalley Smith erstellt, das Coverlayout übernahm Voodoo-Press-Chef Michael Preissl. Wie von Alisha Bionda gewohnt, sind als schöne Beigabe Kurzbiografien der AutorInnen, der Herausgeberin und des Grafikers enthalten. Mark Freiers Satz und die Minilupen als Szenentrenner verleihen der Sammlung einen passenden Rahmen. Abgerundet wird „Das ungelöste Rätsel“ von Christian Endres Essay „Sherock Holmes – Unsterblicher Meisterdetektiv“ – kurzweilige Analyse und Huldigung gleichermaßen – und einem Nachwort zum „Phantastischen Sherlock Holmes“ von Klaus-Peter Walter.

Vor allem wegen der Klaus-Peter Walter-Geschichten ist „Das ungelöste Rätsel“ etwas ‚wilder‘ geraten, als „Der verwunschene Schädel“. Dennoch wieder eine absolute Empfehlung für den aufgeschlossenen „Sherlock Holmes“-Fan. Gerne dürfen weitere phantastische „Sherlock Holmes“-Anthologien aus dem Hause Bionda folgen.

Copyright © 2012 by Elmar Huber (EH)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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