Sherlock Holmes und das verschwundene Dorf

Barbara Büchner, Alisha Bionda (Hrsg.)
Sherlock Holmes und das verschwundene Dorf
Meisterdetektive 4

Fabylon Verlag, Markt Rettenbach, 07/2013
TB im Überformat
Mystery-Krimi
ISBN 978-3-927071-78-0
Reihenlayout von Atelier Bonzai unter Verwendung einer
Umschlag- und Innenillustrationen von Crossvalley Smith

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„Auf den ersten Blick hielt ich es (das Bild) für eine ländlich-einfältige Darstellung des Jüngsten Gerichts, denn über einem Abgrund schwebend war ein Dorf zu sehen, das von offensichtlich toten Personen bevölkert wurde, denn sie waren alle in Leichentücher gekleidet und hatten die Unterkiefer mit Tüchern hochgebunden. Gleichzeitig jedoch waren sie – was einen unbeschreiblichen schauerlichen und bedrückenden Eindruck machte – bei ihren alltäglichen Beschäftigungen dargestellt, beim Melken, Holzhacken, Kochen und Kinderhüten.“
(„Die Musik des Teufels“)

„Die drei Kameraden“:
Sherlock Holmes wird zu einem Herrenabend mit tödlichem Ausgang gerufen. Drei hochrangige Militärs wurden bei einem Gelage vergiftet. Das tödliche Gift war offensichtlich in der Mitternachtsmahlzeit der Herren, doch weder die Köchin noch die Herrin des Hauses kommen als Täterin in Frage.

„Der unsichtbare Würger“:
In dem billigen Kurort Bagnell Bath, nahe Dartmoor, wurde einer der weiblichen Gäste geschändet und erwürgt in einem verschlossenen Raum aufgefunden. Ist tatsächlich der Geist der Hexe Sarah Potts, deren Grab kürzlich einer neuen Straße weichen musste, für den Tod der Frau verantwortlich?

„Die Musik des Teufels“:
Im Herrenhaus Murkin Hall sind gleichzeitig alle Hausbewohner und Bediensteten, insgesamt 25 an der Zahl, ohne Anzeichen von Gegenwehr eines noch unbestimmten Todes gestorben. Der Verdacht lastet auf Arthur, einem Sohn des Hauses, dessen Verlobung mit der Tochter des derzeitigen Innenministers den Fall zu politischem Dynamit macht. Mycroft Holmes ruft seinen Bruder für die Aufklärung zu Hilfe. Sollte tatsächlich das seltsame Geschenk zweier Fremder – eine Spieluhr – für das unerklärbare Massensterben verantwortlich sein? Da erfährt Holmes von einer lokalen Legende, nach der in einem benachbarten Dorf bereits einige Jahrhunderte zuvor über 150 Menschen zur gleichen Zeit unter unergründlichen Umständen gestorben sind.

„Vater Eisenhut und der verfluchte Wald“:
Nach Abschluss des Falles „Teufelsmusik“ erhält Lestrade für seine bemerkenswerten Leistungen Sonderurlaub zugestanden, den er wie schon des Öfteren in einem Häuschen nahe Leigham Forest verbringen will. In den Wald selbst macht Lestrade keinen Schritt mehr, ranken sich doch seltsame Legenden von Mondmenschen und einem Höllenloch um das Gehölz. Niemand der Einheimischen betritt den Leigham Forest trotz des verlockenden Wildangebots, und lieber nehmen die Ansässigen einen weiten Umweg in Kauf, statt den Wald zu durchqueren. Nicht zuletzt werden den Mächten, die dort wirken sollen, drei ungeklärte Todesfälle zugeschrieben.

„Die Verbrechen des Doktor Freund“:
Eine Serie von Giftmorden im deutschen Hamburg schlägt Wellen bis nach London – genauer gesagt: in die Pathologie von London, wo der jüdische Doktor Herschel Libeskind unter Verdacht gerät, eben jener Täter aus Hamburg zu sein, der sich nach England abgesetzt hat. Für einige Zeitgenossen macht ihn seine jüdische Herkunft zum Verbrecher per se. Es gibt noch einen weiteren Verdächtigen, der jedoch in Hamburg in einer Irrenanstalt sitzt und keine Gelegenheit hatte, diese zu verlassen. Da Holmes in London unabkömmlich ist, reist Watson – auf Mycroft Holmes Vermittlung hin – nach Hamburg um den Fall aufzuklären.

„Die beiden Sonderlinge“:
Völlig überraschend sucht die Ehefrau von Dr. Herschel Libeskind Sherlock Holmes und Dr. Watson in der Baker Street 221b auf. Sie berichtet ihnen, dass ihr Mann ihre Ehe vor seinem Arbeitgeber geheim halten musste, da er sonst kaum eine Chance auf Anstellung bei dem strengen, aber brillanten Dr. Johnson gehabt hätte. Nun allerdings will Johnson Liebeskind mit seiner eigenen Tochter verheiraten. Dieser ist zerrissen zwischen seinem Wunsch zu lernen und der Liebe zu seiner Frau. Mrs Libeskind drängt den Detektiv, ihr in dieser Situation zu helfen, da sie ansonsten selbst eine Entscheidung herbeiführen würde.

„Ich fühlte – und den Gesichtern meiner Gefährten war anzusehen, dass viele von ihnen dasselbe empfanden –, dass wir uns in unmittelbarer Nähe von etwas Grauenhaftem befanden, sei es nun menschlichen oder nicht menschlichen Ursprungs. Entweder hatte hier ein Massenmörder gewütet, oder etwas noch Unheimlicheres war am Werk gewesen.“
(„Die Musik des Teufels“)

Die Wiener Autorin Barbara Büchner liefert nach einigen Einzelbeiträgen in „Sherlock Holmes“-Anthologien („Sherlock Holmes – Der verwunschene Schädel“, Voodoo-Press, „Sherlock Holmes und das Druidengrab“, Fabylon Verlag, beide Hrsg. Alisha Bionda) mit „Sherlock Holmes und das verschwundene Dorf“ nun eine ganze Sammlung mit Kurzgeschichten um den wohl berühmtesten Detektiv der Welt ab.

Die Sammlung wird als Episodenroman bezeichnet, was hier im Wesentlichen bedeutet, dass die Ereignisse in einer angedeuteten zeitlichen Abfolge passieren, allerdings nicht inhaltlich aufeinander aufbauen. Dem Lesegenuss tut dies keinen Abbruch. Die Autorin beweist hiermit, dass sie verstanden hat, wie die „Sherlock Holmes“-Geschichten funktionieren. Wie „Holmes“-Erfinder Arthur Conan Doyle – prominentestes Beispiel: „Der Hund der Baskervilles“ – präsentiert sie in jeder Episode ein undurchsichtiges Rätsel, das – unterstützt von einem geschickten Story-Aufbau – zunächst nicht mit rationalen Methoden erklärt werden kann. So balancieren die Geschichten stets auf dem reizvollen Grat zum Fantastischen. Im Gegensatz zu vielen anderen AutorInnen, bei denen das Spiel mit dem Fantastischen bemüht wirkt oder schlicht zu einem ‚Zuviel des Guten‘ führt, hat Barbara Büchner ihre Storys stets vollständig unter Kontrolle und verhindert ein Abkippen auf die eine oder andere Seite. Des Weiteren muss man Barbara Bücher bescheinigen, dass sie den angenehmen Ton der Originalerzählungen sehr gut trifft, ohne dass dies aufgesetzt wirkt.

Lediglich der Titel erweist sich als verzeihliche Augenwischerei, denn ein verschwundenes Dorf kommt im Buch nicht vor. Am ehesten beziehen sich Titel und Coverbild auf die Episode „Die Musik des Teifels“, in der die Bewohner eines kleinen Dorfes unter ungeklärten Umständen gestorben sind.

„Das verschwundene Dorf“ ist als Band 4 von Alisha Biondas „Meisterdetektive-Reihe“ im Fabylon Verlag erschienen. Wie von einem Buch unter ihrer Herausgeberschaft nicht anders zu erwarten, ist der Band auch ein Schmuckstück fürs Auge geworden. Das großartige Covermotiv von Crossvalley Smith fügt sich nahtlos in das von Atelier Bonzai gestaltete Reihenlayout ein. Im Inneren finden sich zu jeder Geschichte eine s/w-Entry-Illustration von Crossvalley Smith.

Die reizvollen Geschichten dieser Sammlung spielen gekonnt mit dem Unerklärlichen. Im Zusammenspiel mit dem schmucken Äußeren ist „Sherlock Holmes und das verschwundenen Dorf“ eine absolute Empfehlung nicht nur für „Sherlock Holmes“-Fans.

Copyright © 2014 by Elmar Huber (EH)

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