Süßer die Schreie nie klingen

Johannes Engelke (Hrsg.)
Süßer die Schreie nie klingen

München: Droemersche Verlagsanstalt 2013
Knaur Taschenbuch 51443
Krimi
Umfang 348 Seiten
Umschlagabbildung: FinePic®, München
ISBN 978-3-426-51443-6

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Das vorliegende Taschenbuch versammelt 24 meistenteils unterhaltsame Krimikurzgeschichten deutscher Autoren zum Thema Weihnachten und hatte schon in den vergangenen Jahren den ein oder anderen Vorgänger (so die Bände Maria, Mord und Mandelplätzchen 2011 und Glöckchen, Gift und Gänsebraten 2012).

Diesmal haben sich gleich 24 Autoren an dieser Anthologie beteiligt, wobei es Richard Birkefeld sogar schafft, seiner Geschichte um Dr. Roethe, die er in dem Band von 2011 begonnen und 2012 fortgesetzt hatte, nochmals einen weiteren grimmigen Beitrag abzugewinnen. Birkefelds Protagonist sitzt zwar mittlerweile im Gefängnis, aber dies hindert den Autor nicht daran, auch hier noch eine weitere wohlfeile Fortsetzung zu erdichten, die zwar nicht ganz die emotionale Wucht seiner Vorgänger hat, aber den Leser erneut wunderbar unterhält. Dagegen erzählt Judith Merchant die lakonische Geschichte eines geldgierigen Enkels, der seinen Meister aber nur allzu schnell findet, während Susanne Mischke aufzeigt, wohin Lügen und die Vortäuschung falscher Tatsachen führen können, wenn man aus einer längst gescheiterten Beziehung eine Vorzeigeehe machen möchte. Neben diesen beiden Storys überzeugt vor allem die letzte Kurzgeschichte dieser Anthologie: Thomas Raab erzählt hier prägnant und emotional berührend vom Weihnachtsdesaster, welches einen Grundschüler ereilt, dessen Familie ausgerechnet an Weihnachten zu zerbrechen droht. Und am Ende nimmt sich der Autor selbst nicht ernst, wenn er den Verlauf der eigenen Erzählung ironisiert. Fast hört man den berühmten Wiener Schmäh aus dieser Geschichte heraus.

Ebenfalls amüsant berichtet Regine Kölpin von einer intoleranten Frau, die, nur um ihre Weltsicht durchzusetzen, einen Toten riskiert und Romy Fölck porträtiert einen Auftragsmörder, bei dessen finalem Einsatz alles drunter und drüber geht, der aber schließlich doch noch zwei gute Taten begehen kann, bevor er seinen letzten Auftrag abschließt (oder auch nicht). Auch Mechtild Borrmann überzeugt mit einer sehr einfachen, aber wunderbar unspektakulären Erzählung, während Sabine Trinkaus eine extrem schräge Wohngemeinschaft schildert, die in ein Verbrechen verstrickt wird, welches den Täter selbst zum Opfer werden lässt. Zwei der hier veröffentlichten Kurzgeschichten haben sogar leicht phantastischen Einschlag, während jedoch Christian Limmer etwas zu sehr gängige Klischees bedient (armes Mobbingopfer wächst über sich selbst hinaus), reizt vor allem die Story von Linda Conrads und Alexandra Richter bei dem ein oder anderen Leser sicherlich die Lachmuskeln, wenn der gerade Verstorbene berichtet, wie haarscharf er am Weiterleben vorbei geschrammt ist.

Die meisten anderen Geschichten sind ebenfalls recht lesenswert, leider fehlt der diesjährigen Anthologie leider das ein oder andere Highlight (die Story von Thomas Raab kommt dem wohl noch am Nächsten). Dafür gibt es andererseits auch kaum Flops. Lediglich die Storys von Karen Kieback, Nina George und leider auch von der ansonsten so verehrungswürdigen Tatjana Kruse (wieso liegt denn der ganze Schotter immer noch im Auto rum, verdammte Hacke???) fallen dagegen etwas ab. Wer sich zu Weihnachten auch dieses Jahr wieder die Zeit mit lockerer, entspannter Krimikurzliteratur vertreiben will, der ist hier wieder genau richtig bei der aktuellen Knaur-Anthologie von 2013 frei nach dem Motto: Süßer die Schreie nie klingen.

Copyright © 2013 by Gunther Barnewald

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