Tiefer Schnitt

John Harvey
Tiefer Schnitt
Charlie Resnick 3

Cutting Edge, GB, 1991
dtv-Verlag, München, 06/2009,
dt. Erstveröffentlichung: 1994
TB, Krimi
ISBN 978-3-423-21146-8
Aus dem Englischen von Bernhard Schmid
Titelgestaltung von Wildes Blut, Atelier für Gestaltung, Stephanie Weischler, München
unter Verwendung von Motiven von mauritius images/Photo Researchers

www.dtv.de/
www.mellotone.co.uk/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Als der junge Assistenzarzt Tim Fletcher mitten in der Nacht auf seinem Heimweg brutal niedergestochen wird, steht die Polizei von Nottingham vor einem Rätsel. War es ein zufälliger Akt der Gewalt oder vielleicht ein gezielter Anschlag durch einen verschmähten Liebhaber der neuen Freundin Fletchers? Eine Frage, die sich trotz aller Ermittlungen nicht so einfach klären lässt.

Als wenige Tage später ein Pfleger derselben Klinik ebenfalls niedergestochen wird, scheint jedoch klar, dass der Täter es gezielt auf das Personal des städtischen Klinikums abgesehen hat. Da zu befürchten ist, dass die beiden Überfälle der Auftakt zu einer ganzen Serie sind, beginnt das Team um Detective Inspektor Charlie Resnick, mit Hochdruck zu ermitteln, denn alle ahnen, dass ihnen nicht viel Zeit bleibt. Und der Täter hat sein nächstes Opfer schon längst im Visier …

Der bereits 1994 in Deutschland erschienene und 2009 noch einmal neu aufgelegte Kriminalroman „Tiefer Schnitt“ ist der dritte Band der mittlerweile 12 Bücher umfassenden „Charlie Resnick“-Reihe des 1938 geborenen britischen Autors John Harvey. Der mit mehreren Auszeichnungen bedachte Harvey erhielt 2007 den ‚Cartier Diamond Dagger Award„ für sein Lebenswerk und steht damit auf einer Stufe mit bekannten Krimi-Schriftstellern wie P. D. James, Sue Crafton oder Ian Rankin. Was den Roman vor allem interessant macht, ist der eher untypische Schreibstil Harveys.

Dieser konzentriert sich in seinen kurzen Erzählsequenzen neben dem eigentlichen Kriminalfall vor allem auf die einzelnen Mitglieder des Ermittler-Teams, erzählt von ihrem alltäglichen Leben, ihren Tiefschlägen und Mühen und davon, wie sie trotzdem beharrlich ihren Job machen. Dadurch schafft es der Autor, sie, ungeachtet all ihrer Fehler und Unzulänglichkeiten, zu kleinen Alltagshelden hochzustilisieren, die sich trotz ihrer Sorgen, Ängste und Nöte zwischen die Bevölkerung und das Verbrechen stellen. Beeindruckende forensische Methoden, ausgefeilte psychologische Profile oder wilde Verfolgungsjagden und Schießereien gibt es bei Harvey nicht, sondern nur den grauen Polizeialltag mit ellenlangen Zeugenbefragungen, Akten und Beschattungen.

Damit erzeugt Harvey ein recht realistisches Bild der Polizeiarbeit in den 1990ern, schafft es aber leider nicht so richtig, Spannung beim Leser aufzubauen. Denn alles in allem ist „Tiefer Schnitt“ einfach ein wenig zu eintönig und glanzlos, als dass das Buch wirklich mitreißen könnte. Dennoch: Wer John Harveys „Charlie Resnick“-Romane mag oder generell die eher ruhigeren englische Krimis, in denen vor allem das Ermittler-Team im Vordergrund steht, bevorzugt, könnte Gefallen an „Tiefer Schnitt“ finden.

Copyright © 2010 by Birgit Scherpe (BS)

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