Todesmelodie

Andreas Franz, Daniel Holbe
Todesmelodie
Julia Durant 12

Knaur Verlag, München, 05/2012
PB, Krimi
ISBN 978-3-426-63944-3
Titelgestaltung von N. N.

www.droemer-knaur.de
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Jennifer Mason, 21 Jahre, Studentin aus Kanada, wird nach einer Studentenparty, auf der es reichlich Alkohol und Drogen gab, mehrfach vergewaltigt und brutal ermordet aufgefunden. Ihre beiden Mitbewohnerinnen Adriana Riva (Italienerin) und Helena Johnson (Amerikanerin) waren ebenfalls auf der Party. Adriana ist schwer verletzt und Helena verschwunden. Laut Spermaspuren haben sich mehrere Männer äußerst brutal an dem Opfer vergangen. Von der ebenfalls verletzten und verstörten Adriana erfahren sie nur einen Namen: Gregor Taubert. Helena hingegen wird orientierungslos in einem Park entdeckt und murmelt immer wieder vor sich hin: „Was haben wir bloß getan?“ Was den Verdacht natürlich auf die Studenten als Täter lenkt.

Julia Durant und ihr Kollege Frank Hellmer ermitteln und fragen sich genau das gleiche: Was ist dort geschehen, was haben die Studenten getan? Daher nehmen sie zuerst Jennifers WG-Mitbewohner und Freunde unter die Lupe. Zu dem Kreis gehört auch Alexander Bertram, Sohn aus begütertem Haus, der in einem geheimen Raum hinter seinem Zimmer in seinem Elternhaus seinen sexuellen Obsessionen frönt und zum Beispiel Videos der ans Bett gefesselten Jennifer Mason betrachtet, während er masturbiert. Er hält sich bewusst unscheinbar, um nicht aufzufallen und seiner kranken Obsession nachzugehen, ist aber durchaus attraktiv. Bei den polizeilichen Untersuchungen ergibt sich durch DNA-Tests, dass Jennifer Mason im Todeskampf ihrer Mitbewohnerin Helena Haut abgeschürft und Haare ausgerissen hat. So stellt die Beweislage immer mehr dar, dass einige der Party-Teilnehmer und engste Freunde von Jennifer die Täter sein müssen. Das Publikum jedoch weiß es längst besser, denn Alexander ermordet eine Hure, und erstmals wird dem Leser gewahr, dass auch ihn böse Kindheitserinnerungen quälen, für die er so ein Ventil findet.

Nach 124 Seiten macht der Roman einen zeitlichen Sprung. Die Handlung geht zwei Jahre später weiter. Julia Durant muss die Krankheitsvertretung für ihren Chef Berger übernehmen und ist somit zum Innendienst verdonnert, was ihr gar nicht gefällt. Doch es gibt einen neuen Mordfall, auf den sie sich zu konzentrieren hat: Der 28-jährige Student Carlo Stiegler wird ermordet aufgefunden. Er wurde über Tage brutal misshandelt, und ihm wurden die Augäpfel entfernt. Am Tatort läuft in Endlosschleife der Led Zeppelin Song „Stairway to Heaven“. Hellmers neue Partnerin Sabine Kaufmann sieht Parallelen zu dem Mord an Jennifer Mason: Beide Opfer wurden brutal misshandelt und dann irgendwie von dem Mörder ‚erlöst‘. Carlo Stiegler wurde unter Alkohol und Drogen gesetzt u. a. Ectasy und Viagra, so dass er auch auf sexuelle Weise gefoltert wurde. Sein Anus weist starke Verletzungen auf. Sind die vor zwei Jahren inhaftierten Studenten etwa nicht die Mörder von Jennifer? Denn die neuen Ermittlungen ergeben, dass auch am Tatort von Jennifer Mason der Led Zeppelin-Song lief – die „Todesmelodie“.

Hellmer ist sauer, dass er als Bergers Vertretung nicht mal in Erwägung gezogen wurde und lässt es Julia Durant spüren. Erneut nehmen er und seine neue Partnerin Alexander Bertram unter die Lupe. Dann wird die nächste Tote gefunden – eine Prostituierte, deren Leiche in ihre Einzelteile zerlegt wurde. Bei der Durchsuchung des Elternhauses von Alexander Bertram stoßen sie auf das geheime Zimmer und müssen davon ausgehen, dass sie mit ihm auf den Täter gestoßen sind, der Snuff-Pornos dreht … Doch Alexander Bertram ist untergetaucht und mordet womöglich weiter  – aber ihm ist nicht nur die Polizei auf den Fersen, sondern jemand, der Rache üben will …

In den Krimis von Andreas Franz geht es stets vorrangig um Menschen, um ihre Laster und Leidenschaften, um ihre Ängste und Kümmernisse, um ihren Kampf im Leben, aber auch um die Schatten der Vergangenheit, die sie verfolgen. Darum, was sie sich gegenseitig antun oder ihnen angetan wird. So auch in „Todesmelodie“, in dem nicht nur der Mörder mit Kindheitserinnerungen kämpft, sondern auch Julia Durant mit ihrer Vergangenheit, die sie mit Hilfe ihrer Freundin und Psychologin Alina zu bewältigen versucht. Wie immer greift Andreas Franz ein gesellschaftlich brisantes Thema auf und legt gezielt und dennoch unterhaltsam und spannend den Fokus darauf. Was bei dem Roman besonders unter die Haut geht, ist auch der Titel und die Tatsache, dass  Andreas Franz während der Arbeit an diesem Krimi plötzlich verstarb.

Daniel Holbe schrieb den Roman daraufhin weiter – was ihm perfekt gelungen ist. Für den Leser werden keinerlei Umbrüche erkennbar, der Text wirkt wie aus einem Guss, und Andreas Franz wäre sicherlich stolz auf Daniel Holbe gewesen. So bleibt das letzte Werk des leider viel zu früh verstorbenen Autors gottlob nicht unvollendet, und Daniel Holbe hat definitiv das Potenzial „Julia Durant“ weiterzuführen. Die Leser würden es ihm sicherlich danken. Die Aufmachung des Romans ist, wie von Knaur gewohnt, ordentlich, nur das Lektorat ist nicht so optimal. Das tut dem Werk dennoch keinen Abbruch. Alles in allem ist „Todesmelodie“ ein kurzweilig geschriebener spannender Krimi und letztes Werk des geschätzten Andreas Franz.

Copyright © 2012 by Alisha Bionda (AB)

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