Töte John Bender!

Vincent Voss
Töte John Bender!

Luzifer Verlag, Bochum, 04/2013
TB, Thriller
ISBN 978-3-94340-813-3
Titelillustration von Timo Kümmel

www.luzifer-verlag.de/
http://vincentvoss.de/
http://timokuemmel.wordpress.de

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Für Tom Breuer, Seniorcoach und Geschäftsführer von Cazimi-Coaching, ist der neue Auftrag reine Routine. Gemeinsam mit seinem Assistenten Jens organisiert er für eine Gruppe von fünf Managern ein Führungskräftetraining auf der dänischen Insel Tyreholm in der Ostsee. Da das Eiland unbewohnt ist, eignet es sich für Breuers Zwecke hervorragend – zumindest war es bislang so gewesen.

Doch dieses Wochenende steht unter keinem guten Stern. Zuerst entdeckt die Gruppe eine frische Feuerstelle, dessen Verursacher einen Stapel Porno-Hefte hinterlassen hat. An einem See, der eigentlich die Trinkwasser-Versorgung der Gruppe sicherstellen sollte, finden sie dutzende von abgeschlachteten Fischen, die aufgeschlitzt und ausgeweidet am Ufer liegen und teilweise sogar im Wasser treiben. Noch hält Tom Breuer dies alles für einen schlechten Scherz und die Tat eines Verrückten, der aber offensichtlich schon verschwunden ist.

Dank seiner Erfahrung als Coach kann er die Manager beruhigen und ablenken. Vor allem da es lohnenswertere Ziele zu erobern gibt. Insbesondere die attraktive Silvia hat es dem Frauenhelden angetan. Doch die hellsichtig veranlagte Doris versetzt seiner Euphorie einen Dämpfer. Sie spürt Unheil auf die kleine Gruppe zukommen und will das Führungskräftetraining vorzeitig abbrechen. Aber von Toms zweitem Assistenten Andi und dem Boot fehlt jede Spur, und das Funkgerät wurde mutwillig zerstört. Da wird die Ahnung zur Gewissheit: Die Gruppe ist nicht allein auf der Insel und von der Außenwelt abgeschnitten. Und bald wird aus dem harmlosen Management-Training ein blutiger Kampf ums Überleben …

Entgegen des düsteren Covers und der Vermarktung des Autors als Horror-Schriftsteller handelt es sich bei dem vorliegenden Roman um einen waschechten Thriller. Aber um was für einen! Obwohl es weder sonderlich blutig zugeht, entwickelt Vincent Voss bereits auf den ersten Seiten eine knisternde Spannung, die er kontinuierlich zu steigern versteht. Warum das Buch „Töte John Bender!“ heißt, obwohl keine der Figuren diesen Namen trägt, wird erst zum Ende hin deutlich. Bis dahin hält der Autor die Leser mit seiner flüssigen Schreibe und einer herausragenden Charakterisierung, bei der er psychologisches Einfühlungsvermögen beweist, bei der Stange. Tatsächlich bleiben alle Figuren in jeder Lage absolut glaubhaft und ihre Reaktionen nachvollziehbar und logisch. Ein Umstand, der in der modernen Unterhaltungsliteratur, insbesondere im Thriller- und Horror-Genre, keine Selbstverständlichkeit ist.

Dabei hat sich der Autor mit der Insel Tyreholm das perfekte Setting für die Handlung ausgesucht. Eine begrenzte, von der Außenwelt abgeschottete Umgebung ist die beste Voraussetzung für eine Geschichte voller Thrill und Suspense, wusste schon Agatha Christie, als sie ihren berühmten Roman „Zehn kleine Negerlein“ schrieb. Tatsächlich erwartet man beim Lesen des Klappentextes jenes Prinzip, bei dem eine überschaubare Gruppe systematisch dezimiert wird. Beim modernen Thriller natürlich auf immer ausgefallenere und blutigere Art und Weise. So einfach macht es Vincenct Voss sich und seinen Lesern indes nicht. Ihm gelingt es sogar, die Ungewissheit und Spannung bis zum Ende hin aufrechtzuerhalten und etwaige Verdachtsmomente derart geschickt einzustreuen, dass man nur mit viel Glück den Täter vor der Auflösung erraten kann.

Dies liegt allerdings auch gar nicht in der Absicht des Autors. „Töte John Bender!“ ist keineswegs ein Krimi zum Mitraten, sondern ein psychologisch ausgefeilter Thriller mit einem perfekt ausbalancierten Spannungsbogen, bei dem eigentlich nur das abrupte Ende stört. Dennoch beweist Vincent Voss mit diesem Roman, dass auch deutsche Autoren in der Lage sind raffinierte Thriller zu schreiben.

Timo Kümmel heißt der Künstler, der das ansprechende und neugierig machende Covermotiv geschaffen hat. In der deutschen Kleinverlagsszene ist er kein Unbekannter und ein echter Könner, was die Arbeit für den vorliegenden Roman wieder einmal beweist.

Raffinierter Psychothriller mit einem perfekt ausbalancierten Spannungsbogen, der den Leser bis zum abrupten Ende fesselt. Ein Roman mit wenig Blut, dafür aber umso mehr Verstand.

Copyright © 2014 by Florian Hilleberg (FH)

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