Verdächtige Geliebte

Keigo Higashino
Verdächtige Geliebte
Professor Manabu Yukawa 1

(sfbentry)
Yogisha X no kenshin, Japan, 2005
Piper Verlag, München, 1. Auflage: 08/2014
TB, Krimi
ISBN 978-3-492-30355-2
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Titelgestaltung von Rothfos & Gabler, Hamburg unter Verwendung
eines Fotos von Cover Design by Estudio Edictiones B Thinkstock

www.piper.de

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Yasuko Hanaoka lebt zusammen mit ihrer Tochter Misato, einer Schülerin, in einem kleinen Apartmenthaus. Damit ihr geschiedener Mann Shinji Togashi sie nicht mehr ständig belästigen kann, gab Yasuko die frühere Wohnung und ihre Stelle als Bardame auf und arbeitet nun in einem Bento-Shop. Eine Welt bricht für sie zusammen, als er unverhofft vor ihr steht und ihr das Blaue vom Himmel verspricht, um erneut mit ihr zusammen zu sein und von ihr Geld zu bekommen. Yasuko weist ihn ab, doch Togashi folgt ihr zur Wohnung und droht damit, sich an Misato zu halten, wenn er kein Entgegenkommen erfährt. Als er Yasuko zu schlagen beginnt, mischt sich Misato ein, um die Mutter zu beschützen. Nun wird auch das Mädchen zum Opfer des Gewaltausbruchs. Beide Frauen wissen sich nicht anders zu helfen – und erdrosseln Togashi.

Zufälligerweise hört der Nachbar der Hanaokas, der Mathematiklehrer Tetsuya Ishigami, was sich in dem Apartment nebenan abspielt. Da er schon seit einer Weile heimlich in Yasuko verliebt ist, bietet er seine Hilfe an, beseitigt die Leiche und arbeitet einen gerissenen Plan aus, der die Frauen davor bewahren soll, im Gefängnis zu landen. Es dauert nicht lange, bis Kommissar Kusanagi und seine Kollegen die Ermittlungen aufnehmen. Obwohl das Alibi der Hanaokas hieb- und stichfest scheint, regt sich sein Instinkt, und er fängt damit an, auch das Umfeld der Verdächtigen zu beleuchten. Als er erfährt, dass Ishigami ein Absolvent der Kaiserlichen Universität ist, erwähnt er den Mann gegenüber seinem Freund, dem Physik-Professor Manabu Yukawa, der sich an den Kommilitonen erinnert und Kontakt zu ihm aufnimmt. Auch er hat den Eindruck, dass nicht alles so ist, wie den Polizisten Glauben gemacht wird, und dass sein alter Bekannter darin verwickelt ist, schmerzt ihn.

„Verdächtige Geliebte“, der erste von bislang drei in sich abgeschlossenen Kriminalromanen um Manabu Yukawa („Heilige Mörderin“ ist bei Klett Cotta erschienen), ist eines von den Büchern, in denen der Täter von Anfang an bekannt ist und es darum geht, ihn zu überführen. Zunächst baut Keigo Higashino zwischen dem Leser und Yasuko Hanaoka ein Geflecht der Sympathie auf, denn die Frau hatte es nicht leicht in ihrem Leben. Shinji Togashi, das Opfer, ist der eigentliche Täter und Verursacher des ganzen Übels, denn nachdem er wegen Unterschlagung seine Arbeit verloren hatte, begann er zu trinken, wurde gewalttätig und verprasste die Einkünfte seiner Frau. Yasuko tötet ihn im Affekt, um sich und ihre Tochter zu retten – und wohl niemand weint diesem Mann eine Träne hinterher. Anschließend will sich Yasuko stellen und Misatos Beteiligung verschweigen, damit das Mädchen weiterhin ein normales Leben führen kann. Tetsuya Ishigami bietet den beiden einen Ausweg aus der Misere.

Nun rückt Ishigami in den Mittelpunkt der Geschehnisse. Zunächst wirkt er selbstlos und nobel, doch man ahnt, dass er sich auch gewisse Hoffnungen macht und eine Rolle im Leben der Hanaokas spielen will. Die Gewissheit liefert seine Eifersucht, als ein früherer Bekannter von Yasuko mit ernsten Absichten an sie herantritt. Diese Gefühle für seine Nachbarin sind es letztlich, die Ishigami das Genick brechen, denn sie bringen Manabu Yukawa auf die richtige Spur eines Verbrechens von sehr viel größerer Tragweite und Konsequenzen für alle Beteiligten.

Dieser Ablauf ist sehr spannend inszeniert, wenngleich manche Erklärungen wie nachträglich eingeschoben wirken und nicht in jedem Fall für das Verständnis zwingend notwendig gewesen wären wie z. B. die erste Begegnung von Ishigami mit den Hanaokas. Interessant ist auch, dass man zwar sehr viel über Yasuko und in Häppchen über Ishigami erfährt, hingegen die wiederkehrenden Figuren wie Yukawa, Kusanagi und einige andere Polizisten wenig von sich preisgeben, Yukawa nur das, was für seine Bekanntschaft mit Ishigami relevant ist und seine Neugierde an dem Fall begründet. Für gewöhnlich wird der Leser über die Detektive gründlich informiert, auch über ihr Privatleben, das hier überhaupt kein Thema ist. So bleiben der Fall und die Verdächtigen im Fokus, der Roman kreist ausschließlich um das Verbrechen und die Ermittlungen, es gibt keine ausschmückenden oder/und verzögernden Nebensächlichkeiten. Dadurch liest sich das Buch etwas trocken, aber nichtsdestotrotz sehr fesseln, vielleicht sogar spannender und flüssiger als ein Krimi, der vom Kernthema immer wieder abschweift und, wenn man Pech hat, als Romanze versackt.

Von daher kann man „Verdächtige Geliebte“ als reinen Krimi einem Publikum empfehlen, das Romane im „Columbo“-Stil schätzt und begeistert ‚dabei‘ ist, wenn sich die Schlinge um den bekannten Täter immer weiter zuzieht, bis er endlich überführt wird. Die Charaktere sind sympathisch, wirken aber immer ein wenig distanziert und erfüllen ihre Rollen. Japanische Termini sind in geringer Dosierung vorhanden, ebenso die entsprechenden Umgangsformen, sodass ein Hauch Fernost mitschwingt und der Erzählung einen ganz eigenen Reiz verleiht.
Man darf gespannt sein, ob und wann der dritte Band erscheint.

Copyright © 2015 by Irene Salzmann (IS)

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