Wallenstein

Stefan Melneczuk
Wallenstein
Heimatthriller-Trilogie 3/Regionalthriller 12

(sfbentry)
BLITZ-Verlag, Windek, 05/2014
TB, Regional-Thriller
ISBN 978-3-89840-409-9
Titelgestaltung und –motiv von Mark Freier

http://blitz-verlag.de
http://www.melneczuk.de
www.rabenstadt.de
http://www.freierstein.de/

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„Wallenstein hat uns beobachtet. Die ganze Zeit. Er hat auf den richtigen Moment gewartet, als Mann in der Menge, das letzte Ziel immer vor Augen, Er hat den Feldzug niemals beendet. In Aussicht auf einen Feind, auf den es sich zu warten lohnt.“ Der ehemalige Polizist Richard Wagner kehrt nach einer Auszeit, die er sich nach dem Unfalltod seiner Frau Christina genommen hatte, zurück in sein Heim in Langenberg. Doch wird er das Gefühl nicht los, nicht mehr alleine im Haus zu sein. Besonders im Dachzimmer, wo die leidenschaftliche Vinylsammlerin Christina ihrem Hobby nachgegangen ist, meint er, noch immer ihre Präsenz zu spüren.

Und nicht nur die Erinnerungen an seine Frau lassen Wagner nicht zur Ruhe kommen. Auch der lange zurückliegende Fall ‚Nachtgespenst‘, holt ihn wieder ein. Ein Unbekannter hatte sich 1987 mit einem Bettlaken maskiert und in dieser Verkleidung mehrere Menschen im umliegenden Land getötet. Die Bevölkerung befand sich in Aufruhr, Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiteten unter Hochdruck und mit wachsendem Aufgebot, ohne den Mörder fassen zu können. Zwar lieferte Wagners Frau Christina – schon immer gut, was Vorahnungen anging – ihrem Mann einen entscheidenden Hinweis, doch konnte der Mörder nicht gefasst werden. Das Nachtgespenst hat Wagner seit dem nie aus den Augen gelassen.
„Haben Sie sein Gesicht gesehen?“
„Er hatte kein Gesicht.“
„Kein Gesicht?“
„Nein! Er trug immer das verdammte Laken über dem Kopf. Zwei Löcher für die Augen, ein breites für den Mund. Und diese irren Lupengläser. Sonst nichts. Ich glaube, der Kerl trug eine Spezialbrille, Sah ein bisschen aus wie der Frosch mit der Maske in diesem Edgar-Wallace-Film.““

Bereits mit seinem Debütroman „Marterpfahl“ (Neuauflage im BLITZ-Verlag erhältlich) hatte sich Stefan Melneczuk in die Herzen der Horrorfans geschrieben. „Der Roman hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen, und wenn ich ehrlich bin, dann hat sich bis heute nichts daran geändert.“ (aus dem Nachwort). Auch seine Kurzgeschichten, gesammelt in „Geistergeschichten vor Halloween“ und „Schattenland“ (beide BLITZ-Verlag) konnten die Leserschaft überzeugen. Mit Spannung erwarteten die Fans also den neuen Roman des Autors, der nach „Marterpfahl“ und „Rabenstadt“ den Abschluss einer „Heimatthriller“-Trilogie aus dem Ruhrgebiet und dem Bergischen Land bildet. Entsprechend lohnt es sich, zumindest „Marterpfahl“ vorher gelesen zu haben, denn immer wieder wird der Fall Marc Falkenheim in „Wallensetin“ erwähnt.

Nach der recht konventionellen Exposition, in der Ex-Kommissar Richard Wagner nach Hause zurückkehrt, geht man zunächst davon aus, dass das ‚Nachtgespenst‘ in der Gegenwart wieder aktiv wird und Wagner noch einmal Ermittlungsarbeit leisten muss. Stattdessen jedoch fühlt sich dieser von seiner verstorbenen Frau heimgesucht, was ihn gedanklich wieder ins Jahr 1987 und zum Fall ‚Nachtgespenst‘ zurückbringt. Dies schildert Melneczuk als vollständig autonomen Handlungsstrang stets im Wechsel mit der Gegenwartshandlung. Auch formal wird also die enge Verwandtschaft zu „Marterpfahl“ deutlich.

Bei seinen Recherchen stieß der Autor außerdem immer wieder auf den Fall Jürgen Bartsch. Der sogenannte ‚Kirmesmörder‘, der in den Jahren 1961 bis 1966 um Wuppertal herum aktiv war, sprach immer wieder Jungen auf Jahrmärkten an. Es gelang ihm, vier Jungen mit Versprechungen in sein Versteck zu locken, um sie zu töten; ein fünftes Opfer konnte entkommen, was schließlich zur Festnahme von Bartsch führte. Der Beschäftigung des Autors mit dem Fall Bartsch ist es wohl geschuldet, dass Melneczuks ‚Nachtgespenst‘ fast wie eine moderne Version des Kirmesmörders wirkt. Im Roman dient Bartsch dann auch als erklärtes Vorbild für den Täter, der sich sogar Bartschs damaliges Versteck, einen ehemaligen höhlenartigen Luftschutzbunker in Langenberg-Oberbonsfeld, als nahezu heiligen Ort auserkoren hat. Weiterhin versäumt es Melneczuk nicht, Mitgefühl für das ‚Nachtgespenst‘/Wallenstein zu wecken, muss dieser doch auf eine Kindheit voller Demütigung zurückblicken.

Wie die meisten Romane der BLITZ-Regional-Thriller-Reihe bietet „Wallenstein“ im Grunde einen Lokalkrimi mit phantastischer Garnitur, der sich zwar nicht in Blut badet, der aber auch seinen Thrill nicht mit Humor bricht, wie viele prominente Vertreter dieses Genres. Überhaupt umgeht Stefan Melneczuk gerne die üblichen Krimikonventionen und schafft so ein unstetes Flair, das seine Romane zu etwas Besonderem macht. Hier kann alles passieren. Zum Beispiel scheut sich der Autor auch nicht, Szenen einzubauen, die lediglich der Atmosphäre dienen und den Roman eigentlich nicht weiter bringen. Was Melneczuks Kurzgeschichten stets etwas unfertig wirken lässt, erweist sich – eingebaut in eine fortlaufende Romanhandlung – als einzigartige Stärke. So variiert das Tempo des Romans zwar deutlich, doch macht dies hier einen nicht zu unterschätzenden Reiz aus, der den meisten vergleichbaren Veröffentlichungen der Publikumsverlage abgeht.

Das Coverbild und Artwork zum Roman hat wieder Blitz-Hausgrafiker Mark Freier beigesteuert. Die Atmosphäre wird sehr gut getroffen, auch wenn das Motiv nur am Rande etwas mit dem Romaninhalt zu tun hat. Wie gewohnt stimmen auch Satz und Verarbeitung. Das Taschenbuch sieht nach der Lektüre noch aus wie neu.

Ex-Kommissar wird nach dem Tod seiner Frau erneut mit einem nie vollständig abgeschlossenen Fall konfrontiert. Außergewöhnlicher Abschluss von Stefan Melneczuks „Heimatthriller“-Trilogie.

Copyright © 2015 by Elmar Huber (EH)

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