Weißes Licht

weises-lichtMarina Heib
Weißes Licht
Christian Beyer 1

Piper Verlag, München, 08/2008 (2006)
PB, Krimi
ISBN 978-3-492-25213-3
Titelgestaltung von Büro Hamburg: Anja Grimm, Stefanie Levers
unter Verwendung eines Fotos von Arthur Tress/Getty Images
Umfang 288 Seiten

www.piper.de

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Christian Beyer und sein Sonderermittler-Team ‚SOKO Bund’ (erste Länder übergreifende SOKO Deutschlands) haben in „Weißes Licht“ ihren ersten Auftritt – und es sofort mit einem besonders abscheulichen und mysteriösen Fall zu tun. Es handelt sich um eine Mordserie, deren Opfer Kinder sind, die regelrecht ‚aufgebahrt’ werden, mit biblischen Rache-Psalmen versehen. Daher wird der Mörder der ‚Bestatter’ genannt. Bei dem vierten Opfer, einem Jungen von 9 Jahren, findet die Rechtsmedizinerin Karen Kretschmer Sperma im Darm, was ein Sexualdelikt bestätigt. Erster Verdächtiger ist Herbert Perlmann (46), ein aktenkundiger Pädophiler, der jedoch ermordet aufgefunden wird. Eine weitere interessante Person belebt die Handlung: Anna Maybach, Psychologin und Gastdozentin an der Uni Hamburg. Als Neuling im SOKO-Team taucht Pete Altmann auf, gut aussehend, Profiler, der auf Anna trifft, die sich sofort auf ihn einlässt, da sie aber Angst vor Nähe hat, ist das nicht von langer Dauer.

Die SOKO bildet ein immer deutlicheres Profil des Täters: kontrolliert, perfektionistisch, aufgrund der rasch aufeinander folgenden Morde muss der Täter unter ungeheurem Druck stehen. Darüber hinaus liegt die Vermutung nahe, dass er beruflich reist und seine Morde dem Dienstplan anpasst, da die Verbrechen in verschiedenen Städten verübt wurden. Pete befindet als Profiler, dass die inszenierten ‚Bestattungen’ der Opfer darauf schließen lassen, dass es dem Täter hinterher leid tut. Die Psalme, die er hinterlässt, deuten darauf hin, dass die einzige Strafinstanz, die der Mörder anerkennt, Gott ist. Dann hat die SOKO die erste heiße Spur: ein Passagier, der an allen Flughäfen der Städte, in denen die Morde stattfanden, zum passenden Zeitpunkt war – ein Verdächtiger, der in Hamburg lebt. Nun beginnt die SOKO, tief im (menschlichen) Dreck zu wühlen. Bei Anna taucht derweil ein neuer Patient auf, Carlos Dante, der durch sein Verhalten ihr besonderes Interesse weckt, vor allem, als sie von ihm sonderbare E-Mails erhält, die eine Verbindung zu dem ‚Bestatter-Fall’ erkennen lassen.

Aber der Leser erfährt auch einiges über sie und ihre problematische Beziehung zu ihrem Vater sowie ihre erste Begegnung mit Christian Beyer. Christian Beyer denkt derweil oft an seinen Sohn Jan (20), der in L.A. lebt. Beyer vermutet, dass Jan schwul ist und hat Angst, dass dieser den Kontakt zu ihm abbricht. Alle Charaktere des Romans sind sympathisch (mit allen Ecken und Kanten) dargestellt und unterhalten den Leser auf spannende und menschliche Weise. Besonders eindringlich schildert die Autorin die Rückblicke aus der Sicht der Missbrauchten, in Fragmenten von ihrer gequälten Kindheit, und beweist, dass dazu wenig Worte notwendig sind. Dennoch oder gerade wegen ihrer minimalistischen Schilderungen der Missbrauchhandlungen und Empfindungen der Jungen rütteln die kurzen Passagen aus Sicht der Opfer auf. Die Pein gequälter Kinderseelen dringt unter die Haut, weiß man doch: Das ist leider keine Fiktion.

Die ‚seltsamen’ Geschehnisse in einem ‚Musterhaus’ zeigen deutlich, wie bröckelig die Fundamente der sozialen Ordnung sind und wie tief greifend die gesellschaftliche Bigotterie ist. ‚Gewürzt’ wird mit der zynischen Feststellung: Das Geschäft mit Kindern läuft besser als das mit Häusern. Somit handelt es sich hier nicht um einen der üblichen Krimis, sondern um ein Thema, das, verfolgt man die Medien, leider brisanter denn je ist und das noch schonungslosere Maßnahmen – besonders in der Rechtsprechung – erfordert. Marina Heib verquickt geschickt und intelligent eine flotte Krimihandlung, führt ein interessantes SOKO-Team ein und eine nicht minder interessante Psychologin – und handelt die Themen Kindesmissbrauch, Kinderhändlerring, Kindersex-Mafia angenehm sachlich und wenig reißerisch ab. Das „weiße Licht“ ist in seiner Titel gebenden Bedeutung Sinnbild der Unschuld, der Unschuld der Seele, aber auch das Ventil für das Opfer, das durch den Blick in das weiße Licht der Kamera, die fremden Männer und das was sie mit ihm tun, auszublenden vermag. Der Kreis um den Verdächtigen wird schließlich immer enger. Doch ist er wirklich der Bestatter? Ist auch Anna in Gefahr? Fragen über Fragen – und natürlich ist auch in diesem Krimi zum Schluss alles ‚ein wenig anders’ …

Dieser Roman erschien bereits 2006 im Piper Verlag, wurde letztes Jahr neu aufgelegt und optisch auch auf die beiden Folgebände abgestimmt. In Anbetracht dessen, dass erfreulicherweise weitere Titel rund um Christian Beyer und sein Team herauskamen (und hoffentlich noch weitere folgen), ist es sehr bedauerlich, dass bei der Neuauflage von „Weißes Licht“ der Text nicht einheitlich zu den anderen Titeln ebenfalls zeitgemäß in die neue Rechtschreibung umgewandelt wurde. Auch ist schade, dass die Buchrücken der drei Titel nicht einheitlich sind. Hat man auf den ersten beiden Bänden unten noch kleine Motive (was sehr ansprechend aussieht), wurde darauf beim dritten Band („Tödliches Ritual“) verzichtet.

Das ist aber auch der einzige kleine Minuspunkt, der diesen thematisch wertvollen Krimi nicht schmälert, denn ansonsten ist die Aufmachung stimmig: Format, Papier, Satz, Covermotiv, Preis-Leistungsverhältnis. „Weißes Licht“ liefert ein eindringliches Portrait von einem Täter, der aufgrund seines Missbrauchs in der Kindheit zum seelisch entgleisten Mann herangewachsen ist – ohne reißerisch daherzukommen. Absolut empfehlenswert! (2x3xPRT)

Copyright © 2010 by Alisha Bionda (AB)

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