Küstennebel

Gisa Pauly
Küstennebel
Mamma Carlotta 5

Piper Verlag, München, 05/2012
PB, Sylt-Krimi
ISBN 978-3-492-26473-0
Titelgestaltung von N. N.

www.piper.de
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Mamma Carlotta ist wieder einmal zu Besuch auf Sylt bei Erik Wolf, seines Zeichens Kommissar und Schwiegersohn der toughen Italienerin –  was lärm- und unruhetechnisch nicht gerade Wolfs Wohlwollen findet. Zumal gleich noch zwei weitere Gäste mit bei ihm Quartier bezogen haben: Mamma Carlottas Neffe Tizio (sieht blendend aus) und seine bildhübsche Freundin Luana (halb Italienerin, halb Deutsche), die aber außer Shoppen und Schönheitsprogramm nichts in ihrem Repertoire zu haben scheint. Was Mamma Carlotta natürlich sofort ein Dorn im Auge ist. Ebenso, dass Luana nichts über sich, ihre verstorbene Mutter und ihre Familie erzählt. Aber auch Erik Wolf hat seine liebe Last mit den Gästen, denn für ihn treffen wieder einmal die wortkargen Sylter Charaktere und das südländische Temperament aufeinander. Und somit ist der Leser gleich mitten drin in einer turbulenten Familie, in der es niemals langweilig wird. Auch dieses Mal nicht. Mit von der Partie sind natürlich in diesem Roman wieder Mamma Carlottas ‚heimliche Freunde‘ aus Sylt: Strandwächter Fietje Tiensch und Tove Griess, Wirt einer Imbissstube.

Wolf bemerkt schon kurz nach Einzug seiner Gäste einen südländischen Typ Mitte Fünfzig, der sein Haus beobachtet, und macht noch eine sonderbare Entdeckung: Fietje geht die Straße an seinem Haus entlang und scheint sich vor einem bestimmten Mann zu verstecken. Mamma Carlotta hingegen hat andere Dinge in ihrem Fokus. Sie spricht mit Tizio über dessen Freundin Luana und sagt ihm auf den Kopf zu, dass sie nicht die Richtige für ihn sei und dass niemand Genaues über sie und ihre Familie wisse. Als ihr Neffe sehr vehement darauf reagiert, zeigt sich Mamma Carlotta von einer neuen Seite: nämlich eingeschüchtert, wenn auch nicht lange, alles andere sähe ihr auch nicht ähnlich! Sie nimmt sich vor, nun erst recht ein Auge auf Luana zu haben. So belauscht sie ein Gespräch zwischen Tizio und Luana, dass die beiden aus Venedig ‚fliehen‘ mussten und bis zum 14. August mit was auch immer warten müssten. Mamma Carlotta wittert sofort Mord und Totschlag!

Dann findet Erik Wolf in einer alten Scheune den gemieteten Lamborghini von Franco Neuhaus, bei dem es sich um einen römischen Privatdetektiv handelt und darüber hinaus den Mann, der das Haus von Erik Wolf beobachtet hatte – und wenig später dessen Leiche! Die letzte Nachricht auf dem Anrufbeantworter des Handys des Toten ist von einem Richard Hermes, wohl seinem Auftraggeber. Bei dem wollen Wolf und sein Assistent Sören Kretschmer ansetzen. Hermes zeigt sich aber merklich zugeknöpft. Doch der Fall nimmt eine Wende, als ein gewisser Manuel di Vago aus Italien bei Erik Wolf anruft und erzählt, dass Richard Hermes den Toten losgeschickt hatte, um 500.000 Euro Lösegeld zu übergeben, weil seine Tochter, Verena Hermes, entführt worden ist. Doch warum wurde Franco Neuhaus dann ermordet? Und was hat es mit dem Kettchen auf sich, das Mamma Carlotta in Tizios Hosentasche findet, auf dem „In Liebe – V.“ steht? Betrügt er Luana bereits? Letzteres müsste Mamma Carlotta, der Luana ja ein Dorn im Auge ist, eigentlich erfreuen, tut es aber nicht, da es ein schlechtes Licht auf Tizio wirft, somit auf ‚la familia‘.

Erik Wolf und Sören recherchieren zuerst über Richard Hermes und finden heraus, dass dieser schwerreich ist, sein Privatleben völlig abschottet, von seiner Tochter ist nicht mal ein Foto aufzutreiben – und da dämmert es dem Leser schon das erste Mal. Manuel di Vago hingegen ist von uraltem Adel und seine Familie lebt auf einem schlossähnlichen Besitz, hat aber finanzielle Probleme. Verena Hermes und Luigi di Vago, Manuel di Vagos Sohn, sollen heiraten. Luigi besitzt zwei Restaurants. Eines davon heißt „Nebbia Costiera – Küstennebel“, titelgebend zum Roman, und Tizio arbeitet dort. Somit verzahnt sich die Story immer mehr, wird aber auch immer verwirrender, was den Spannungsbogen erhöht. Mamma Carlottas Besuch auf Sylt neigt sich derweil seinem Ende zu, und sie fährt mit Tizio und ihren beiden Enkeln zu einer Familienfeier nach Italien. Erik Wolf, von dem eigentlich erwartet wurde, dass er sie alle begleitet, kann sich aufgrund des Falles erst einmal erfolgreich drücken. Womit er nicht rechnet, ist, dass Luana Tizio nicht begleitet, sondern bei Erik Wolf auf Sylt bleiben will. Doch Letzterer muss schon sehr bald aus dienstlichen Gründen, weil sich der Fall immer mehr nach Italien in Mamma Carlottas Dorf verlagert, nach Umbrien nachreisen. Somit nimmt Mamma Carlotta den Leser endlich an die Hand und entführt ihn in ihre Welt – und dort hagelt es Überraschungen und Tote.

Und es gibt viele Fragen, die Antworten fordern. Allen voran: Was hat es mit der Erbschaft auf sich, die Fietje plötzlich ins Haus steht? Was ist mit Luanas Familie, welche Geheimnisse hat Tizios Freundin, aber auch er selbst? Und was hat es damit auf sich, dass ausgerechnet Fietje, mit Tove im Schlepptau, in Umbrien auftauchen? Was steckt wirklich hinter der Entführung von Verena Hermes? Und was geht im Hause di Vago vor sich?

Wie immer geht es turbulent in Mamma Carlottas Nähe zu; sie ist und bleibt der italienische Wirbelwind, die mit ihrer mütterlichen Wärme aber auch ihrer liebenswerten ‚Andersartigkeit‘ Erik Wolfs Leben auf den Kopf stellt. Aber der Leser weiß längst, dass der wortkarge Kommissar das bitter nötig hat. Gisa Paulys Humor ist dabei sehr ‚nah‘ am Leser, da sie die kleinen Vorurteile der Menschen aufs Korn nimmt und sie augenzwinkernd ad absurdum führt, besonders in der Person von Mamma Carlotta, und das auf sehr liebevolle Weise zu ihrer geschaffenen italienischen „Miss Marple“. Wenn Mamma Carlotta ‚ermittelt‘, wird es spannend, es bleibt aber auch kein Auge trocken. Es sind die Menschen in Gisa Paulys Krimis, die unter die Haut gehen, die erheitern, erzürnen, rühren … mit ihren vermeintlich kleinen Dingen des Alltags und des Lebens schlechthin – mit ihren Wünschen, Hoffnungen, Lieben und Kümmernissen, aber auch mit ihren seelischen Abgründen.

Genau deshalb will man mehr von „Mamma Carlotta“ lesen. Und wieder stellt man abschließend fest: Das wäre guter Fernsehstoff für eine Serie!
Auch die Aufmachung des Titels ist ohne Fehl und Tadel. Da stimmt wieder einmal alles. „Küstennebel“ ist ein turbulenter und spannender, aber auch humoriger „Mamma Carlotta“-Krimi – absolut empfehlenswert!

Copyright © 2013 by Alisha Bionda (AB)

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