Gewaltig dicht – Ein kleiner Band über den Schmerz

gewaltig-dicht-e28093-ein-kleiner-band-uber-den-schmerzSebastian Kaufmann (Hrsg.)
Gewaltig dicht – Ein kleiner Band über den Schmerz

Chaotic Revelry Verlag, Köln, 1. Auflage: 5/2009
PB, Lyrik & Kunst/Fotografie
ISBN 9783981245714
Titelgestaltung von Mercator Media unter Verwendung eines Motivs von Ulrich Wilker
21 Farbfotos von Ina Scheffler

www.cr-verlag.de
www.mercator-media.de

In Zusammenarbeit mit der Künstlerin Ina Scheffler (Ilse-Krahl-Preisträgerin 2009) konnte der Chaotic Revelry Verlag ein neues Projekt realisieren. Unter dem Titel „14:45 Uhr“ sind in „Gewaltig dicht“ 21 Farbfotos von Ina Scheffler zu sehen, die eines gemein haben: Sie zeigen Schauplätze von Gewalttaten. Obwohl man durch die Medien regelmäßig mit entsprechenden Bildern konfrontiert wird, wirken sie hier, in einem Buch gesammelt, sehr viel schockierender. Zu sehen sind triste Hinter- und Schulhöfe, schwer einsichtige Zufahrten, Bahnsteige u. ä. Orte, teils noch mit Blutspuren. Das Thema ist hoch aktuell, denn es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht von Meldungen erschüttert wird, dass wieder ein Mensch auf offener Straße, in der U-Bahn, in der Schule etc. attackiert, schwer oder sogar tödlich verletzt wurde. Was bewegt die Täter dazu? – Das Buch kann und will keine Antworten geben.

Stattdessen bietet es im zweiten Teil jungen Autoren – interessanterweise ist keine Frau darunter – Raum, um ihre Gedanken über Gewalt und Schmerz in Worte zu fassen. Jeder hat sie schon erfahren, vielleicht sogar schon selber, meist unabsichtlich, ausgeübt (physisch oder psychisch), ohne jedoch so weit zu gehen, dass einem anderen tatsächlich ein Schaden zugefügt wurde. Neun Autoren präsentieren fünfzehn Gedichte und Songtexte, äußern sich am Schluss zudem sehr persönlich zum vorgegebenen Thema.

Beispielsweise schildert Alexander Puchtler in „Die Gewalt meiner Träume“ die Unberechenbarkeit des Menschen, wenn der Druck des Umfelds die Grenze zwischen Phantasie und Realität durchlässig macht und der Betroffene Gefahr läuft, eine Affekthandlung zu begehen. „Leben eines Freaks II“ von Marcus Coesfeld berührt jeden Leser, denn die Situation des Außenseiters in der Schule, der erpresst, gemobbt, geschlagen wird, ist hinreichend bekannt. Nur gibt es nicht wie hier immer ein Happy End. Das Opfer trägt häufig bleibende seelische Schäden davon, wird selber zum Täter, wenn sich ihm die Chance bietet, oder die Situation eskaliert wie in Oliver Gertz’ „Ballade vom Amokläufer“. Der Autor greift die furchtbaren Amokläufe an Schulen auf, wobei er jenen die (Mit-) Schuld an den Geschehnissen gibt, die die Hilferufe des Täters ignoriert haben – andere Schüler, Lehrer und Eltern, die weggesehen oder sogar mitgemacht haben.

Die Texte sind deprimierend und erschütternd. Man spürt die Verzweiflung der Autoren, die sicher eigene Erfahrungen und Beobachtungen verarbeitet haben. Gewalt und Schmerz erscheinen wie ein Teufelskreis, der nur selten durchbrochen werden kann. Zwischen den Zeilen steht der Appell, stark zu sein, Hilfe zu suchen und zu gewähren, um unsere Gesellschaft wieder menschlicher zu machen und die physische und psychische Nötigung einzudämmen. Vorangestellt wurden drei Seiten mit Kollagen aus einzelnen Worten (ausgeschnitten aus Zeitungen). Es sind Worte, die mit Gewalt und Schmerz assoziiert werden, dazwischen hin und wieder, wie ein Hoffnungsschimmer, auch ein positiv besetzter Ausdruck. Wenn man will, kann man versuchen, ein Muster zu erkennen oder sinnvolle Sätze aus den scheinbar wahllos verstreuten Worten zu bilden.

„Gewaltig dicht“ ist eine interessante Sammlung, bestehend aus Kollagen, Texten und Fotografien, die man sich so schnell vergessen wird – dafür ist der Inhalt zu aktuell und bedrückend. Schätzt man zeitgenössische, gesellschaftskritische Lyrik und Kunst, sollte man „Gewaltig dicht“ eine Chance geben, denn der Band sticht aus der Masse unterhaltsamer oder plakativ provokanter Titel heraus. (IS) (6xPRT)

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Gewaltig dicht – Ein kleiner Band über den Schmerz

BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
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www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
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Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
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Die Gewinner der Preisrätseltitel:
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1. Thomas Castor
2. Werner Radleff
3. Elfriede Mariss
4. Hermann Jung
5. Andreas Bernet
6. Anna-Tina Wolter
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Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

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