Schrittweiß

Christian Bedor
Schrittweiß

Shaker Media, Aachen, 05/2015
TB
Drama, Reiseerzählung, experimentelle Literatur
ISBN 978-3-95631-288-5
Titelgestaltung und Foto von Christian Bedor

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1994/95: Norbert Mondholz arbeitet als Taxifahrer in Frankfurt am Main. Entgegen seiner Gewohnheiten beschließt er, zusammen mit seiner Freundin Susanne über Weihnachten und Neujahr nach Mallorca zu reisen, um richtig auszuspannen. Da beide ihre Freiräume benötigen, haben sie getrennte Zimmer und trennen sich immer mal, um die Insel auf eigene Faust zu erkunden.

Das gibt Norbert reichlich Gelegenheit, sein Hobby auszuüben und Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos anzufertigen von der malerischen Landschaft, reizvollen Objekten, interessanten Menschen. Ansonsten schreibt er in sein Reisetagebuch von seinen Albträumen und liest die Einträge zu den Fahrgästen, die er irgendwann mal mitgenommen hat. Auf diese Weise reflektiert er sein Leben, erkennt seine Ängste und Wünsche, schafft es schließlich sogar, mit Susanne darüber zu sprechen und neue Erkenntnisse zu gewinnen, sodass er sich nicht nur über den gelungenen Urlaub, sondern auch auf die Heimkehr freut, um sich mit neuer Zuversicht allen Herausforderungen zu stellen.

Diese Weiterentwicklung ist der eigentliche Inhalt des Buchs. Anfangs lässt sich Norbert noch treiben; er zögert, seine Ideen (Fotos) stets umzusetzen, und dann ist der Moment vorbei. Das spiegelt sich auch in seinen Träumen wieder, in denen er sich von anderen Menschen bedrängt, eingesperrt und verfolgt fühlt, er davon läuft und Dinge tun muss, die er eigentlich gar nicht machen will. Oft spielen Schnürsenkel, Seile und ähnliches eine große Rolle, um ihn zu binden oder zu sichern.

Mit der Zeit wird er mutiger, schießt mehr Fotos, auch in Situationen oder von Motiven, die er vorher ausgelassen hat. Er spricht Themen an, die ihn beschäftigen, die ihm wichtig sind, er vertritt seine Ansichten, auch wenn andere gegenteiliger Meinung sind (Rauchen). Das bringt ihn zu den Dingen, die er gern unternehmen würde (sich selbständig machen), aber er ist Realist genug, um zu erkennen, dass manche Wünsche nicht machbar sind (fehlendes Kapital, mangelnde Erfahrung) und man zufrieden sein kann, wenn man die alltäglichen Probleme zu lösen vermag. In seinen Träumen handelt er jetzt mutig, läuft nicht mehr davon, sondern sucht sich seinen Platz unter den anderen Menschen, die er sogar anleitet.

Die Schilderungen der Taxi-Fahrten sind kurze Momentaufnahmen, in denen die Fahrgäste kleine Einblicke in ihr (vorgebliches) Leben und Denken gewähren, in denen Alltägliches diskutiert wird – einmalige, oberflächliche Begegnungen. Norbert ist nicht allein, anderen ergeht es wie ihm, aber nicht jeder scheint bereit, die eigene Situation zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Der Leser mag sich in dem einen oder anderen vielleicht wiederfinden.

„Schrittweiß“ ist ein Wortspiel, das man vielleicht so verstehen kann, dass der Protagonist schrittweise sein Leben analysiert und sich durch neue Erkenntnisse weiterentwickelt, er praktisch nach jedem Schritt mehr weiß, was er von seinem Leben erwartet. Außerdem fotografiert er gern Schwarz-Weiß, was symbolisiert, dass er sich mit jedem Schritt vom Dunklen, das ihn ängstigt, mit zunehmendem Selbstbewusstsein fortbewegt zum Hellen, seinem weiteren Leben, das er mit Freude annimmt und bewältigen will.

Es ist ein unaufgeregtes Buch, in dem sich die Reisebeschreibung mit den Dialogen, den Träumen und Erinnerungen abwechselt. Das Ganze wirkt wie ein Puzzle, das der Protagonist „Schrittweiß“ zu ordnen versucht. Der Leser sieht ihm dabei zu, und obwohl nichts ‚Weltbewegendes‘ passiert, bleibt man interessiert, weil man erfahren möchte, was letztendlich für Norbert herauskommt.

Das macht „Schrittweiß“ zu einem ungewöhnlichen Buch, das auf ganz eigentümliche Weise ein Publikum an sich bindet, das gern zu experimentellen und zum Nachdenken anregenden Lektüren greift.

Copyright © 2015 by Irene Salzmann (IS)

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