Remember

Xiao Pan – Benjamin
Remember, China, 2004

Tokyopop, Hamburg, 6/2008
PB, Manhua, Drama, 978-3-86719-443-3, 192/1400
Aus dem Französischen von Thomas Schöner

www.xiaopan.com/anglais/
http://lambiek.net/artists/b/benjamin.htm

Xiao Pan alias Benjamin heißt mit bürgerlichem Namen Zhang Lin. Geboren in der Provinz Hei Long Jiang als Sohn einer Lehrerin und eines Offiziers absolvierte er eine Ausbildung zum Spezialisierten Entwickler, zog dann aber nach Peking, um Comic-Zeichner zu werden. Durch verschiedene kleine Jobs hielt er sich über Wasser, bis sich endlich erste Erfolge einstellten und seine Werke auch international Beachtung fanden.

Ein Comic-Zeichner in China hat es schwer: Es gibt so viele Richtlinien, an denen sich ein Comic orientieren muss, damit er von einem Verlag akzeptiert wird. Ist man gehorsam und verzichtet auf Blut und Tote, auf Küsse und Sex – was bleibt dann noch übrig? Und bloß die großen japanischen Vorbilder zu kopieren, stellt keinen Künstler wirklich zufrieden. Entweder passt man sich an und hat vielleicht bescheidenen Erfolg, oder man rebelliert und bekommt nie eine Chance.

Man kann aber auch aufgeben und sich einem ‚normalen’ Beruf zuwenden, schließlich muss man von etwas leben – so wie Yu Xin, die sogar eine Weile recht erfolgreich als Comic-Zeichnerin tätig war. Der frustrierte Künstler hat für ihre Entscheidung kein Verständnis, und so stößt er das Mädchen, das ihn liebt, von sich. Zu spät begreift er, dass er durch seine Ignoranz das Beste verloren hat, was ihm je passiert ist.

Inmitten einer Künstler-Clique gibt es einen Außenseiter. Der arme Junge vom Land hat nicht einmal genug Geld, um sich vernünftiges Essen oder saubere Kleidung zu kaufen. Stattdessen zeichnet er wie besessen den ganzen Tag. Kurz vor den Prüfungen rastet er aus. Was ist geschehen?

Das Paperback beinhaltet zwei Geschichten, in denen Benjamin eigene Erlebnisse mehr oder minder frei verarbeitet und in Zusammenhang bringt mit den Problemen, mit denen sich ambitionierte Künstler in einem Land konfrontiert sehen, das Comics nicht als Kunst akzeptiert und den Fans lediglich Plagiate aus dem Ausland offerieren will.

Seine Bilder sind, wie er in den ausführlichen Begleitworten verrät, ausnahmslos am PC erstellt und koloriert worden. Dabei ist es ihm gelungen, einen Stil zu entwickeln, der manchmal wie ein Ölgemälde, dann mitunter fast fotorealistisch anmutet. Er konzentriert sich auf die Menschen und die Situation, fängt typische Szenarien ein, aus denen die Protagonisten vergeblich versuchen auszubrechen.

In Folge ist die Stimmung seiner Storys und Illustrationen überwiegend melancholisch, was durch die Farbgebung, die häufig Ton-in-Ton gehalten ist, verstärkt wird.

Etwa ein Drittel des Buchs wird von Illustrationen und den Erläuterungen, wann und zu welchem Anlass sie entstanden sind, belegt.

Das macht „Remember“, das (anders als die meisten Mangas und Manhwas) durchgehend in Farbe ist, zu mehr als einfach ‚nur’ zu einem Comic: Es ist beinahe schon ein Artbook.

Auch wenn die Geschichten etwas kryptisch anmuten, die Bilder sind wirklich beeindruckend. „Remember“ ist ein sehr schöner Manhua für Sammler von ungewöhnlichen, aufwändigen Comics und Artbooks.

Die Gestaltung kann sich ebenfalls sehen lassen: Überformat, Kunstdruckpapier, durchgehend in Farbe und viele Hintergrundinformationen. (IS)

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Benjamim: Remember

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